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Euro : Sorgen um das Fundament nehmen zu

Aus für den niederländischen Premier Rutte: Auch ein großes Euro-Problem Bild: dpa

Als schlecht eingestufte konjunkturelle, aber auch politische Nachrichten bringen am Montag den Kurs des Euro unter neuen Druck. Lichtblicke gibt es derzeit eher am Rande.

          Es ist kein guter Start in die Woche an den europäischen Finanzmärkten. Nicht nur die Aktienkurse fallen deutlich, auch der Euro steht signifikant unter Druck und wertet auf 1,3139 Dollar ab.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das kann im Grunde nicht überraschen, überschlagen sich doch am Montag die schlechten Nachrichten aus dem Euroraum, vor allem aus dem sogenannten Kerneuropa, nachdem in der vergangenen Woche noch ein einigermaßen ordentlicher Verlauf der Anleihenauktionen Spaniens die Gemüter hatte beruhigen können.

          Devisenmärkte mögen Hollande nicht

          Zum einen sind da die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, deren Ausgang für die viel gehasste Unsicherheit sorgt, zumal der Herausforderer, der Sozialist François Hollande die erste Runde für sich entscheiden konnte. Hollande ist an den Märkten wenig beliebt. Schon in der Vorwoche war die Zahl der Leerverkaufspositionen im Euro auf den höchsten Stand seit zwei Monaten gestiegen.

          Hollandes mögliche Wahl vergrößere die Unsicherheit, schreiben die Analysten der Lloyds Bank, könnet dies doch zu einer Verzögerung des europäischen Fiskalpaktes und des Rettungsschirmes ESM führen. Überdies sei fraglich, inwieweit Hollandes Forderung nach einem Wachstumspakt von den Partnern mitgetragen werde, vor allem wie sich dies auf die wichtige Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland auswirke. „Der Sieg von Hollande könnte das Ende der Achse ‘Merkozy’ bedeuten, und das würde die Anstrengungen zur Beilegung der Schuldenkrise beeinträchtigen”, sagt auch Junichi Ishikawa, Analyst bei IG Markets.

          Niederlande unter Haushaltsdruck

          Als ob dies nicht genug sei, stehen die Niederlande unter Druck, nachdem die Verhandlungen der Regierungskoalition über einen Sparhaushalt am Wochenende gescheitert sind. Ministerpräsident Mark Rutte von der liberalen Partei VVD hatte wochenlang mit der rechts gerichteten PVV, die seine Minderheitsregierung stützt, um Sparmaßnahmen gerungen, mit denen das Haushaltsdefizit ab 2013 unter die EU-Richtgröße von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden soll. Die Verhandlungen über Budgetkürzungen in der Größenordnung von 14 Milliarden Euro waren weit fortgeschritten. Nach dem Platzen der Haushaltsgespräche attestierte Rutte der PVV mangelnden politischen Willen. Die Regierung stehe in Haushaltsfragen nun mit „leeren Händen da.“ Neuwahlen seien nun der wahrscheinlichste Ausweg aus der Regierungskrise.Nach neuesten Meldungen steht die Regierung kurz vor dem Rücktritt.

          Die Analysten der Commerzbank sehen nun die Topbewertung „AAA“ der Bonität des Landes in Gefahr, da nun das angestrebte Defizitziel verfehlt werde. Die Ratingagentur Fitch hatte den Niederlanden mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, falls das Land die die geplanten Sparmaßnahmen nicht durchsetzen kann. Auch die Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat den Ausblick für die Kreditbewertung schon auf „Negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung in Aussicht gestellt. Dies aber würde die Lastenverteilung hinsichtlich des Euro-Rettungsschirms in Frage stellen.

          Konjunktur schwächt sich weiter ab

          Und als ob das nicht genug sei, sind auch die jüngsten Geschäftsklima- und Einkaufsmanager-Indizes schwach ausgefallen. Für den Euroraum fiel der Einkaufsmanageindex den dritten Monat in Folge nun auf den Wert von 47,4. Nach Dafürhalten der Credit Suisse zeigt die Entwicklung, dass der Euroraum schwach ins dritte Quartal gestartet sei und weise auf eine kleine Rezession hin. Besonders bemerkenswert erscheint den Analysten auch die Schwäche der Indizes für die französische Dienstleistungsbranche und das produzierende Gewerbe in Deutschland.

          Alarmierend erscheint auch, dass die vor allem die Auftragseingänge von außerhalb des Euroraums schwach ausfielen. Das nährt Befürchtungen, dass sich eine Schwäche der Weltwirtschaft auf den Euroraum deutlicher auswirken könnte. Das wird verstärkt durch die anhaltende Schwäche des ebenfalls am Montag veröffentlichten HSBC- Einkaufsmanagerindex’ für China.

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