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Marktbericht : Euro fällt auf Zwei-Jahres-Tief

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine immer weiter sinkende Inflation lässt den Kurs des Euro fallen. Analysten rechnen vermehrt mit einer weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB. Für die Aktienkurse ist das gut.

          Der Kurs des Euro ist am Dienstag erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1,26 Dollar gefallen. Im Tief wurden für eine Einheit der Gemeinschaftswährung 1,2575 Dollar bezahlt, so wenig wie zuletzt im September 2012. Gegen Abend erholte sich der Kurs leicht auf 1,2625 Dollar. Der Euro geriet auch zu allen anderen wichtigen Währungen unter Druck. So kostet das britische Pfund zuletzt 1,2846 Euro und steuert damit auf ein neues Sechs-Jahres-Hoch gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung zu.

          Auslöser des neuerlichen Kursrutsches ist die weiter sinkende Inflationsrate im Euroraum. Die Jahresinflationsrate betrug im September nur noch 0,3 Prozent. Schon im August waren die Verbraucherpreise mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr kaum gestiegen. Die Inflationsrate liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Nach den am Montag in Deutschland und Spanien veröffentlichten Inflationszahlen hätten viele Analysten in der Eurozone mit einem unveränderten Wert gerechnet, schreibt Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank. Die aktuelle Entwicklung könnte sich angesichts der konjunkturellen Schwäche und der geopolitischen Risiken laut Schulz noch verschärfen.

          Der Druck auf die Europäische Zentralbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, dürfte jetzt noch zunehmen, da auch die Kerninflationsrate rückläufig war. Die Notenbank dürfte daher am Donnerstag „ehrgeizige Wertpapierkäufe“ beschließen und auch die Tür für breit angelegte Staatsanleihekäufe offen halten, so Schulz. Dies scheint auch die Erwartungshaltung des Marktes zu sein. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik geht zulasten des Wechselkurses, da die amerikanische Notenbank derzeit den vormals lockeren Kurs zurückfährt. Dies macht Zinsanlagen in Amerika gegenüber dem Euroraum attraktiver.

          Nicht hilfreich für den Kurs ist auch die Meldung, wonach die Gesamtverschuldung Spaniens trotz Ausgabenkürzungen 2015 erstmals die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung überschreiten wird. Das geht aus dem Etatentwurf der konservativen Regierung für das kommende Jahr hervor.

          Der deutsche Aktienmarkt hingegen erholt sich mit der Hoffnung auf umfangreiche Maßnahmen der EZB. Der Dax gewinnt 0,5 Prozent auf 9474 Punkte, der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index 0,5 Prozent auf 1934 Zähler.

          Infineon geben nach einem Analystenkommentar mehr als 3,3 Prozent ab. Bernd Laux von Kepler Cheuvreux reduzierte angesichts strategischer Investitionen des Chipherstellers seinen Margen- und Gewinnprognosen. Er hält die Markterwartungen für herausfordernd und senkte sein Kursziel.

          Um 2,4 Prozent nach oben geht es derweil für Rhön-Klinikum. Die Aktionäre Riebeck-Brauerei und die Rheintex Verwaltungs AG stimmten einem Vergleichsvorschlag zu, nach dem der Krankenhausbetreiber nun 1,7 Milliarden Euro aus dem Klinikverkauf an Fresenius für Aktienrückkäufe verwenden kann. Der Konzern will nach dem Aktienrückkauf die Titel einziehen und so die Bilanzsumme der Unternehmensgröße nach dem Verkauf eines Großteils des operativen Geschäfts anpassen. Bilfinger gewinnen 6,1 Prozent, nachdem der schwedische Investor Cevian seinen Stimmrechtsanteil auf mehr als 25 Prozent aufgestockt hat.

          Der amerikanische Autobauer Ford überraschte mit einem trüben Ausblick, was Automobil-Aktien belastet. Beim Investorentag räumte die Konzernführung am Montag Schwächen im Europageschäft ein. Grund seien vor allem Probleme in Russland. Außerdem kommen die Geschäfte in Südamerika nicht in Gang.

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