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Währungskurs : Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit gut 11 Jahren

EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Nikosia Bild: dpa

Die EZB schwächt die Gemeinschaftswährung. Im Gegenzug steigen die Aktienkurse. Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch.

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          Bis auf einen Kurs von 1,1005 Dollar ist der Euro am Donnerstagnachmittag gefallen. Dies ist der niedrigste Stand seit August 2003. Damit rückt die Marke von 1,10 Dollar in den Blick. Sie ist nach Ansicht von Händler als eine Art psychologische Unterstützung zu sehen. Sollte sie unterschritten werden, drohe allerdings ein weiterer deutlicher Kursrückgang, der aus Sicht technischer Analysen zunächst zu Kursen um 1,0765 Dollar führen könnte. Ursache der neuerlichen Schwäche der Gemeinschaftswährung waren Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz in Nikosia.

          Gerald Braunberger
          (gb.), Herausgeber

          Draghi sagte, die Zentralbank wolle keine Staatsanleihen kaufen, deren Rendite unter jener des Zinssatzes für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB liege. Daraus schlossen Händler, dass die Zentralbank bereit sei, den Einlagenzins von derzeit minus 0,1 Prozent noch weiter zu senken. Da gleichzeitig immer noch die Erwartung vorherrscht, die amerikanische Fed werde spätestens im Herbst ihren Leitzins erhöhen, profitierte der Dollar von der Annahme einer sich vergrößernden Zinsdifferenz zugunsten von Anlagen in den Vereinigten Staaten.

          „Wir glauben weiterhin, dass der Euro gegenüber dem Dollar noch billiger werden wird“, heißt es bei der zur Deutschen Bank gehörenden Deutsche Asset&Wealth Mangement. „Die divergierende Geldpolitik, die Flucht der Anleger aus negativ rentierenden Anleihen aus der Eurozone und die unterschiedlichen Wachstumsraten sprechen für eine nicht nur temporäre Aufwertung des Dollar.“ Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank sagen voraus, dass der Wechselkurs auch das Verhältnis von einem Euro zu einem Dollar unterschreiten wird.

          Die Schwäche des Euro, aber auch die von Draghi erwähnte Aussicht auf eine Belebung der Konjunktur im Euroraum, unterstützten die Hausse am Aktienmarkt. Der Dax erreicht am Nachmittag mit 11 532,82 Punkten einen neuen historischen Höchststand, den er allerdings im Verlauf nicht halten sollte. Die Preise für Rohöl und für Gold zogen um jeweils rund ein Prozent an.

          Schweizer erwägen angeblich neue Kursuntergrenze

          Der Euro wertete nicht alleine gegenüber dem Dollar ab, sondern auch gegenüber dem Pfund und der Norwegischen Krone. Dagegen veränderte sich der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Franken und der Dänischen Krone nur unwesentlich. Gegenüber der Schweizer Währung bewegt sich der Euro derzeit innerhalb eines Kursbandes von 1,06 bis 1,08 Franken, das nach Ansicht der Zürcher Kantonalbank auf absehbare Zeit Bestand haben sollte.

          Bild: F.A.Z.

          Ein Sprecher der Regierung, des Bundesrats, dementierte am Donnerstag einen Schweizer Medienbericht, nachdem zwei Mitglieder der Regierung, darunter Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, einen neuen Mindestkurs des Euro gegenüber dem Franken befürworten. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte nach eigenen Angaben jedoch am Donnerstag ein Arbeitspapier des Wirtschafts- und Finanzministeriums einsehen, in dem eine neue Kursuntergrenze erwogen wird. Die Schweizerische Nationalbank hatte Mitte Januar die Verteidigung eines Mindestkurses aufgegeben.

          Nur geringe Kursveränderungen sind seit wenigen Tagen auch im Handel zwischen Euro und Dänischer Krone zu beobachten, nachdem die Krone etwa bis zum 20. Februar unter einem starken Aufwertungsdruck gestanden hatte. Regierung und Zentralbank in Kopenhagen, die für einen stabilen Wechselkurs eintreten, hatten mit dem Verzicht auf die Ausgabe neuer Staatspapiere, mit Negativzinsen und mit Interventionen am Devisenmarkt die Aufwertung ihrer Währung verhindert.

          Nach Angaben der skandinavischen Geschäftsbank SEB haben in den vergangenen Tagen ausländische Hedgefonds ihre Wetten auf eine Aufwertung der Krone geschlossen. Ob die neue Ruhe von Dauer sein wird, ist unklar. Geschäftsbanken wie Nordea sagen voraus, dass die Zentralbank ohne Sorge vor neuen Turbulenzen am Devisenmarkt in den kommenden Monaten ihren Leitzins erhöhen wird. Bei der SEB bleibt man vorsichtig. Die Schlacht um den stabilen Wechselkurs sei noch nicht endgültig entschieden, heißt es dort. Denn nicht nur ausländische Spekulanten hatten in den vergangenen Wochen Kronen gekauft, sondern auch dänische Großanleger wie Pensionskassen, die über umfangreiche Anlagen im Euro verfügen.

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