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Euro-Bindung : Dänemark kämpft gegen die Spekulanten

Bild: F.A.Z.

Die Bindung der Krone an den Euro soll unbedingt erhalten bleiben. Das Schicksal der Schweiz schreckt die Dänen bislang nicht ab – auch weil für ihre Pensionskassen einiges auf dem Spiel steht.

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          Manchmal könnte man denken, hier kämpfe ein Wikinger gegen eine große Zahl von Drachen. Seit rund vier Wochen befindet sich die Dänische Krone am Devisenmarkt unter einem Aufwertungsdruck gegenüber dem Euro. Doch der Herr der dänischen Geldpolitik, Lars Rohde, versichert unbeirrt, dass eine Aufgabe der festen Wechselkursbindung zwischen Krone und Euro unvorstellbar und das Arsenal seiner Nationalbank wohlgefüllt sei, um die anstürmenden Spekulanten zurückzuweisen. Wo die stolze Schweizerische Nationalbank vor vier Wochen scheiterte, will die Dänische Nationalbank obsiegen, auch wenn die Schlacht mehrere Monate lang dauern werde. „Wir können damit endlos fortfahren“, sagt Rohde. „Wir haben volles Vertrauen in die Fähigkeit der Nationalbank, den Wechselkurs gegenüber dem Euro zu stabilisieren“, sekundiert Carsten Stendevad, der Vorstandsvorsitzende des größten dänischen Pensionsfonds ATP. Das klingt wuchtig, aber ist es nicht auch verwegen? Der Reputationsverlust der dänischen Geldpolitik im Falle eines Scheiterns wäre enorm.

          Wer die aktuelle dänische Geldpolitik verstehen will, muss weit in die Geschichte zurückblicken. Seit dem Jahr 1873 hat das Königreich den Außenwert seiner Krone fast stets fest gebunden, sei es an Gold, an eine andere Währung oder einen Währungskorb. Lediglich zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts schwankte der Wechselkurs der Krone zwei Jahre lang völlig frei, und diese Episode gilt noch heute in Dänemark als eine finstere Zeit. Noch prägender wirken bis heute Erfahrungen aus der Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Damals bemühten sich mehrere europäische Staaten nach dem Zusammenbruch des Weltwährungssystems von Bretton Woods um eine Stabilisierung der Wechselkurse ihrer Währungen untereinander und gegenüber dem Dollar. Dänemark beteiligte sich an der „Währungsschlange“, die aber nur sehr schlecht funktionierte und nach wenigen Jahren unterging. Für Dänemark war dies eine Zeit ungewollt hoher Wechselkursschwankungen, hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit.

          Populäre Euro-Bindung

          Im Jahr 1982 band das Königreich seine Währung daraufhin fest an die D-Mark und seitdem geht es nicht nur wirtschaftlich deutlich besser dank einer niedrigen Inflationsrate und niedriger Zinsen. Der Wunsch nach einer unabhängigen Geldpolitik existiert in Kopenhagen nicht mehr. Im Gegenteil: Der feste Wechselkurs, früher gegenüber der D-Mark, heute gegenüber dem Euro, wird nicht nur als wichtigste wirtschaftspolitische Konstante in einer unsicheren Welt betrachtet. Er ist im Laufe der Zeit zu einer Art Staatsräson geworden. „Die Wechselkursbindung an den Euro ist bei uns sehr populär“, sagt Steen Bocian, der Chefökonom der Geschäftsbank Danske Bank. „Sie wird weder in der Politik, noch in der Wirtschaft oder in der Bevölkerung in Frage gestellt.“ Die dänische Zentralbank, die Nationalbank, dürfte den festen Wechselkurs selbst überhaupt nicht aufgeben. Hierzu bedürfte es einer Entscheidung der Regierung.

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