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Nach Franken-Freigabe : Erste Hoffnungszeichen aus der Schweiz

Die Schweizer Nationalbank hat für viel Wirbel gesorgt Bild: dpa

Nach der Freigabe des Wechselkurses vor fast zwei Wochen lassen sich erste Anhaltspunkte dafür finden, dass sich die Situation am Schweizer Kapitalmarkt wieder einpendelt.

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          An den Schweizer Finanzmärkten lassen sich erste vorsichtige Anzeichen für eine Normalisierung nach der überraschenden Freigabe des Wechselkurses vor fast zwei Wochen beobachten. Zwar liegen die Renditen für Staatsanleihen aller Laufzeiten immer noch unter null, aber gegenüber ihrem bisherigen Tiefststand vom 23. Januar nähern sie sich wieder der Null-Linie an. Am Devisenmarkt wertete die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Franken auf rund 1,03 Franken für einen Euro auf. Das ist der höchste Kurs für den Euro seit der Freigabe des Wechselkurses am 15. Januar.

          Auslöser dieser Kursbewegungen waren Äußerungen des Vizepräsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Jean-Pierre Danthine. Er versicherte in einem Gespräch mit der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“, dass die Nationalbank bereitstehe, auch ohne feste Kursgrenze weiterhin am Devisenmarkt zu intervenieren. Ein am Montag veröffentlichter Wochenausweis der Nationalbank lässt den Schluss zu, dass die Währungshüter in der Vorwoche mehr als 20 Milliarden Euro aus dem Markt genommen haben.

          Dass in einem Land alle Anleiherenditen mit Laufzeiten zwischen einem und zehn Jahren negativ sind, ist ein außerordentlicher Zustand. Eine besonders starke Nachfrage scheint für Papiere mit kurzen Restlaufzeiten zu bestehen, da hier die Renditen noch unter den Renditen für Langläufer liegen. Dies deutet darauf hin, dass offenbar viel Geld in die Schweiz fließt, das möglicherweise dort nicht lange bleiben soll. Für solche Käufe von Anleihen mit negativer Verzinsung kann es zwei Gründe geben: Entweder handelt es sich um Anleger, die eine weitere Aufwertung des Franken erwarten und auf Währungsgewinne spekulieren. Oder aber es handelt sich um Fluchtgelder, zum Beispiel aus der Schweiz. Die Alternative, das Geld anstatt in Anleihen auf Bankkonten in der Schweiz zu parken, wird zurzeit unattraktiver.

          Nationalbank hat Banken eine Freigrenze eingeräumt

          Denn den negativen Einlagenzins der Nationalbank, der am Tag der Aufhebung des Franken-Mindestkurses von minus 0,25 auf minus 0,75 Prozent gesenkt worden war, geben immer mehr Banken an ihre Kunden weiter. Nach der Zürcher Kantonalbank, der Credit Suisse und der Privatbank Lombard Odier führte am Dienstag die UBS eine neue Gebühr für die Einlagen von Großkunden ein. Wie die Großbank mitteilte, muss sie bislang keine Strafzinsen an die Notenbank zahlen. Die Nationalbank hat Banken eine Freigrenze eingeräumt. Diese fällt umso höher aus, je größer das traditionelle Spar- und Kreditgeschäft der Bank ist. Zudem haben die UBS und die Credit Suisse aufgrund ihres großen Auslandsgeschäfts die Möglichkeit, Mittel bei Notenbanken in anderen Währungsräumen zu parken.

          Jedoch begründet die UBS die neue Kontogebühr mit den außerordentlichen Marktbedingungen und den strengeren Regeln für die Liquiditätshaltung. Neben dem negativen Einlagenzins hatte die Nationalbank auch das Zielband für den Referenzzins, den Dreimonats-Libor, in den deutlich negativen Bereich von minus 0,25 bis minus 1,25 Prozent gesenkt. Dieses Zielband hat die Funktion eines Leitzinses, mit dem das Zinsniveau auf dem Franken-Geldmarkt beeinflusst wird.

          Der starke Franken belastet die Gewinne der beiden Großbanken. Die Credit Suisse soll nach Presseberichten nun ein Sparprogramm prüfen, das die Kosten um 500 Millionen Franken senken soll. Nach Angaben der Bank belastet eine zehnprozentige Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro den Vorsteuergewinn um 180 Millionen Franken. Eine zehnprozentige Aufwertung zum Dollar schlägt sogar mit 439 Millionen Franken zu Buche. Seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken hat der Euro um 15 Prozent verloren. In diesem Zeitraum hat die Credit-Suisse-Aktie um 17,5 Prozent auf 19,18 Franken eingebüßt. Der UBS-Aktienkurs fiel um 10,4 Prozent auf 15,15 Franken.

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