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Erdgasmarkt : Umweltvorschriften könnten die Aussichten trüben

  • -Aktualisiert am

Bau einer Gaspipeline in Illinois Bild: AP

Es mehrt sich die Sorge darüber, wie sich die Methoden der Gasgewinnung aus Schiefergestein auf die Umwelt auswirken. Dies könnte zu strengen Auflagen führen - und die Produktionsmenge einiger Produzenten drosseln.

          8 Min.

          Nach jahrelangen Gesprächen über eine Verbesserung der Energiesicherheit für die Vereinigten Staaten - und einen kleineren „Kohlenstoff-Fußabdruck“ der amerikanischen Industrie - rückte am 14. Dezember das Erdgas ins Rampenlicht. Zuvor hatte ExxonMobil einen Deal zur Übernahme von XTO Energy angekündigt, einem der größten unabhängigen Erdgasproduzenten. Der All-Stock-Deal kostet 31 Milliarden Dollar zuzüglich geschätzter 10 Milliarden Dollar an Schulden.

          Könnten ökologische Bedenken bezüglich der Methoden, mit denen das Gas aus seinem Versteck in den Tiefen des Schiefergesteins gewonnen wird, den Spaß verderben?

          Es regte sich die Sorge über einen anhaltenden Einbruch der Erdgaspreise auf unter 4 Dollar pro 1.000 Kubikfuß (1 Mcf). Dies war vor allem auf ein Überangebot infolge eines rasanten Produktionsanstiegs in unkonventionellen Gasvorkommen sowie auf einen Rückgang der Nachfrage aufgrund der Rezession zurückzuführen. Allerdings rückten die Preise in den vergangenen drei Monaten dreimal kurzzeitig über die 5-Dollar-Marke, was Anlass zur Hoffnung gibt, dass mit der Rückkehr des Wirtschaftswachstums auch die Nachfrage anzieht. Der Kassapreis von Erdgas am Henry Hub, Louisiana, erreichte Mitte Juni 2008, als alle Energiepreise in die Höhe schossen, seinen Höchststand bei über 13 Dollar.

          Obgleich Erdgas im Vergleich zu Kohle oder Rohöl sicherlich einer der saubereren Kraftstoffe ist, mehren sich andere Bedenken bezüglich seiner realen und mutmaßlichen Auswirkungen auf die Umwelt. Meist geht es hierbei um die Verwendung von Wasser bei der Bohrung in unkonventionellen Gasreservoirs wie dem Marcellus Shale, das sich durch die Appalachen schlängelt. In sieben amerikanischen Bundesstaaten kam es in der Nähe von Bohrstandorten zu ernsthaften Fällen von Wasserverschmutzung. Allerdings fand sich bislang noch kein schlüssiger Beweis dafür, dass die Ursache in den Flüssigkeiten zu suchen ist, die bei der hydraulischen Frakturierung verwendet werden, jenem Bohrvorgang zur Freisetzung des Gases, das in den komprimierten Gesteinsformationen wie etwa dem Marcellus Shale eingeschlossen ist.

          Widerstand gegen die Frakturierung

          Während die Flüssigkeiten zu 99 Prozent aus Wasser und Sand bestehen, setzt sich der Rest aus bis zu 300 verschiedenen Chemikalien zusammen, die das Bohren erleichtern. Dies wird erreicht, indem sie entweder die Reibung vermindern, während sich die Bohrkrone in das Gestein gräbt, oder die durch kleine Explosionen geschaffenen Zwischenräume im Gestein nach dem Bohren offen halten. Öldienstleister wie Halliburton, Schlumberger und BJ Services, die den Großteil des 16 Milliarden Dollar teuren Markts der hydraulischen Frakturierung kontrollieren, sind nicht verpflichtet, die chemischen Inhaltsstoffe der von ihnen verwendeten Flüssigkeiten bekannt zu geben. Umweltschutzgruppen zufolge könnten einige der Chemikalien in diesen Flüssigkeiten in hinreichend großen Konzentrationen toxisch sein.

          Obgleich ein möglicher Zusammenhang zwischen den Flüssigkeiten und der verschmutzten Wasservorräte noch nicht bewiesen ist, wurden im Bundesstaat New York seit Juli 2008 die Genehmigungen für neue Gasbohrvorhaben zunächst auf Eis gelegt. Eine Koalition von Naturschutzgruppen aus dem nördlichen Teil des Bundesstaates, zu denen auch der Ortsverband des Sierra Club zählt, hatten das Bohrverbot zumindest für den Zeitraum bis zum Abschluss und zur öffentlichen Prüfung einer umfassenden Umweltverträglichkeitsstudie der Behörde für Umweltschutz, Environmental Conservation Department, gefordert.

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