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Energiepreise : Erdgas ist so billig wie seit 2010 nicht mehr

Um von den günstigeren Preisen zu profitieren, muss man mindestens den Tarif wechseln – wenn nicht sogar den Anbieter. Bild: dpa

Im Juli ist der durchschnittliche Gaspreis für den Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts auf 1236 Euro gesunken. Oft müssen Haushalte allerdings den Anbieter wechseln, um zu profitieren.

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          Die Prognose vieler Ökonomen, dass in der zweiten Jahreshälfte 2016 die Energiepreise wieder anziehen und damit die Lebenshaltungskosten der Menschen auch in Deutschland verteuern, scheint sich zumindest bis jetzt nicht zu bestätigen. Wie die Internetportale Check24 und Verivox übereinstimmend berichten, hat der Erdgaspreis für Endverbraucher in Deutschland jetzt im Durchschnitt sogar den niedrigsten Stand seit mindestens sechs Jahren erreicht. Der Preis für 20.000 Kilowattstunden, das ist in etwa der Verbrauch eines Vier-Personen-Haushalts im Jahr, ist laut Check24 im Juli im Durchschnitt auf 1236 Euro gefallen. Das sei der niedrigste Wert mindestens seit Beginn der Aufzeichnungen des Portals im Juli 2010. Damals habe der durchschnittliche Preis 1241 Euro betragen.

          Christian Siedenbiedel
          (sibi.), Finanzen, Wirtschaft

          Beim Konkurrenzportal Verivox, das gleichfalls Gaspreise vergleicht, bestätigt man die Entwicklung in der Tendenz. Gas ist auch in den Vergleichstabellen dieses Anbieters so billig wie seit mindestens sechs Jahren nicht mehr. Anfang August habe der Preis sogar noch einmal leicht nachgegeben. Das Preisniveau aus den Anfangszeiten der Marktliberalisierung sei allerdings noch nicht wieder erreicht: Im Juli 2005 hätten 20.000 Kilowattstunden Gas noch rund 1065 Euro gekostet. In den Jahren danach hatten die Gasanbieter die Preise erheblich angehoben. Das war damals mit dem steigenden Ölpreis begründet worden. Die niedrigen Gaspreise jetzt seien eine Folge des Wettbewerbs und der Angebote alternativer Gasanbieter, heißt es bei Verivox. Das sei mittlerweile deutlich zu spüren.

          Nicht alle Kunden profitieren gleichermaßen

          Wohlgemerkt: Die niedrigen Gaspreise sind Durchschnittspreise. Sie kommen nicht allen Gaskunden in gleichem Maße zugute. Die Durchschnittspreise, wie sie Check24 und Verivox berechnen, berücksichtigen nämlich gewichtet immer sowohl die Angebote der Grundversorger in einer jeweiligen Region, das sind oft die jeweiligen Stadtwerke oder der örtliche Energieversorger, als auch die Angebote von alternativen, günstigeren, meist überregionalen Anbietern, zu denen Gaskunden wechseln können, wenn ihnen ihr Grundversorger zu teuer ist. Der Gaspreisvergleich von Check24 etwa berücksichtigt für jedes Netzgebiet die Preise aller Grundversorgungstarife, des jeweils günstigsten Tarifs des Grundversorgers sowie der zehn günstigsten Alternativanbieter je Netzgebiet. Eine Mischung also.

          Bild: F.A.Z.

          Schaut man sich das differenzierter an, so zeigt sich: Vor allem die konkurrierenden Anbieter zur Grundversorgung haben die Gaspreise gesenkt. Der Durchschnittspreis bei ihnen lag im Juli bei 895 Euro für 20.000 Kilowattstunden Gas. Das waren rund 20 Prozent weniger als im Juli 2010. Im Gegensatz dazu stieg in diesem Zeitraum der Preis in der Grundversorgung im Durchschnitt sogar, und zwar um zehn Prozent auf 1463 Euro. Damit zahlen Kunden in der Grundversorgung derzeit im Schnitt 63 Prozent mehr als Verbraucher bei den konkurrierenden Anbietern.

          Um von den günstigeren Preisen zu profitieren, musste man also mindestens bei seinem Versorger den Tarif wechseln – oder aber sich an einen anderen, günstigeren Anbieter wenden. Bislang aber wechseln immer noch nur vergleichsweise wenige Leute in Deutschland ihren Gasanbieter – anders als beim Heizöl, bei dem sich bei jeder Bestellung aufs Neue unterschiedliche Lieferanten um die Kunden bemühen.

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