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Energiepreise : Erdgas ist so billig wie seit 2010 nicht mehr

Haushalte mit Ölheizung profitierten

Der Preis für Heizöl hat unterdessen gleichfalls mit Rekorden aufzuwarten. Im Juli lag der Durchschnittspreis rund 6 Prozent unter dem des Vormonats. Während Verbraucher im Juni für 3000 Liter Heizöl durchschnittlich 1523 Euro zahlen mussten, waren es im Juli nur noch 1434 Euro. Damit war der monatliche Preis für Heizöl zum ersten Mal seit Jahresbeginn wieder gesunken. Das Internetportal Heizoel24.de vermeldete zu Wochenbeginn mit durchschnittlich 43 Cent je Liter sogar den niedrigsten August-Preis für Heizöl seit zwölf Jahren.

Bislang hatten in Deutschland Haushalte mit einer Gasheizung, anders als solche mit einer Ölheizung, von den international sehr günstigen Energiepreisen nur wenig profitiert. Der Energiefachmann Steffen Bukold hatte im vorigen Jahr im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion untersucht, wie in Deutschland die sinkenden Energiepreise von den Versorgern an die Verbraucher weitergegeben werden. Er war für Gas zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anbieter offenbar zumindest eine Zeitlang ihre Marge zu Lasten der Verbraucher ausgeweitet hätten, auch wenn die Branche dieser Darstellung widersprach.

Auch der Deutsche Mieterbund kam in seiner Bilanz der Nebenkostenabrechnungen für das vergangene Jahr zu dem ernüchternden Ergebnis, dass Haushalte mit Ölheizung vom Energiepreisverfall deutlich profitiert hätten und 15 bis 20 Prozent weniger zahlen mussten. Haushalte mit Gasheizung hingegen hätten unter Berücksichtigung sonstiger Kosten womöglich sogar mehr gezahlt als im Jahr davor.

Verbraucher haben es „selbst in der Hand“

Das könnte sich in diesem Jahr zumindest ein wenig ändern. „Die Tendenz im ersten Halbjahr ist eindeutig“, sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Gas sei etwa 2,5 bis 3 Prozent billiger geworden. Gasversorger-Kritiker Bukold bestätigt: „Der Preisrückgang beim Gas ist 2016 stärker als 2014 oder 2015.“ Die Gasanbieter hätten zuletzt doch die Preise gesenkt, nachdem zunächst vor allem Heizöl billiger geworden sei. Verivox hat dazu die laufenden Meldungen über Gaspreisänderungen in Deutschland ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis: Seit Januar hätten 396 Gasgrundversorger ihre Preise um durchschnittlich 5,5 Prozent gesenkt, das seien etwas mehr als die Hälfte der 709 Grundversorger gewesen. Im gleichen Zeitraum hätten nur 28 Grundversorger ihre Preise um durchschnittlich 3,8 Prozent erhöht.

Das zeigt: Es gibt auch bei den Grundversorgern Preissenkungen. Manche Haushalte mit Gasheizung können also auch von den sinkenden Preisen profitieren, ohne vorher den Anbieter zu wechseln. Das klappt aber nicht flächendeckend und ist wohl eher Glückssache.

Früher waren generell in vielen Verträgen auch für Haushalte in Deutschland die Gaspreise an den Ölpreis gekoppelt. Das wurde später von Gerichten untersagt. In internationalen Verträgen mit Lieferanten wie beispielsweise Gasprom finden sich solche Regelungen vereinzelt immer noch – sie spielen aber insgesamt für den Energiemarkt eine viel geringere Rolle als in früheren Jahren. Trotzdem argumentieren Energieversorger bei Preiserhöhungen für Gas immer noch gern mal mit einem steigenden Ölpreis – stellen bei einem fallenden Ölpreis aber lieber in den Vordergrund, dass es längst keine Ölpreisbindung mehr gibt.

Die Verbraucherzentralen hatten bereits im vorigen Jahr gefordert, das Bundeskartellamt solle sich den Gasmarkt einmal genauer anschauen. Kartellamtspräsident Andreas Mundt hingegen argumentiert, dass in den meisten Regionen in Deutschland mehr als 50 konkurrierende Gasanbieter unterwegs seien – die Verbraucher hätten es „ein Stück weit selbst in der Hand“, wie teuer Gas für sie sei.

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