https://www.faz.net/-gv6-12ius

Erdgas : „Der Preis dürfte seinen Tiefpunkt erreicht haben“

Die Erdgaspreise sollen bald wieder steigen Bild: dpa

Heribert Müller erwartet eine Abkopplung des Energieträgers vom Öl und in mehreren Jahren einen Rekordpreis. Mit seinen Berechnungen lag der Anwender der Elliott-Wellen-Theorie in diesem Jahr bislang tendenziell richtig.

          4 Min.

          Erdgas steht vor einem großen Preisschub. Zumindest kann Heribert Müller „eine Fülle von markttechnischen Signalen“ entdecken, die dafür sprechen, dass der Erdgaspreis vor einer „Megawelle“ nach oben steht und in den kommenden Jahren den Höchststand aus dem Jahr 2005 übertreffen wird. In den Statistiken ist dagegen im Moment von einem hohen Erdgasangebot die Rede, das derzeit auf eine geringe Nachfrage trifft; die Erdgas-Lager sind voll und füllen sich weiter. Dies spricht eigentlich für weiter fallende Erdgas-Preise.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Diesen scheinbaren Widerspruch finden wir grundsätzlich bei der Bildung nachhaltiger Wendepunkte der Märkte“, sagt Müller. Für den Vorstand der Heribert Müller Trust AG steht dahinter Anlegerpsychologie: „Bei einer Bodenbildung sind die fundamentalen Daten negativ, nichts spricht also für einen Kursanstieg. Und vor dem Ende eines Preisanstiegs wird die realwirtschaftliche Lage in der Regel dermaßen positiv dargestellt, dass sich niemand vorstellen kann, dass Kurse auch wieder fallen können.“

          Hochpunkt noch im August

          Als Beispiele aus diesem Jahr für Kurs- und Preissteigerungen, die sich viele Marktteilnehmer mit Hilfe von Fundamentaldaten nur schwer erklären können, nennt Müller den Dax und den Ölpreis. Beiden hatte Müller aber bis zur Jahresmitte hohe Steigerungen vorhergesagt, dem Dax einen Anstieg bis auf 6100 Punkte und dem Ölpreis bis mindestens 90 Dollar. Damit lag Müller im Gegensatz zu den meisten anderen Analysten von der Tendenz her richtig.

          Auch erwartet Müller die Hochpunkte in seiner Prognose noch im August; jedoch ist vorläufig festzustellen, dass er mit seiner Prognose zu Jahresbeginn das Ausmaß der Trendwende von Dax und Ölpreis bisher überschätzt hat. Das mag damit zu tun haben, dass Müller versucht, durch Anwenden der Elliott-Wellen-Theorie Stimmungen der Marktteilnehmer einzufangen. Nach dieser Theorie setzt sich menschliches Anlegerverhalten in wellenartige, immer wiederkehrende harmonische Kursbewegungen um (siehe Kasten). Für Dax und Öl kommt Müller mit dieser Arbeitsweise übrigens zu dem Schluss, dass ab Herbst 2009 deutliche Rückgänge von Dax und Ölpreis zu erwarten sind.

          Beste Marktlage seit langem

          Ganz anders sieht Müller dagegen den künftigen Preisverlauf von Erdgas. „Wir finden hier eine so attraktive Marktlage vor, wie sie seit mehreren Jahren nicht zu beobachten war“, sagt Müller. Die wichtigsten Argumente für einen bevorstehenden Preisanstieg auf Rekordniveau findet Müller im Kursverlauf des an der New Yorker Terminbörse Mercantile seit Beginn der neunziger Jahre täglich handelbaren Erdgas/Natural Gas Future. Für das ganz große Bild geht Müller sogar bis ins Jahr 1922 zurück (siehe Graphik). Müller glaubt auch mit Hilfe von Fibonacci-Relationen für den Erdgaspreis vier Wellen - zwei große nach oben, zwei jeweils darauf folgende kleinere nach unten - identifizieren zu können. „Die jüngste, vierte Welle dürfte im April 2009 ausgelaufen sein“, sagt Müller.

          Zur Untermauerung der These, dass die vierte Welle komplett abgeschlossen ist, zerlegt Müller die nach seiner Zählung Ende 2005 begonnene, abwärts gerichtete Welle IV in drei Bestandteile und die vorangegangene Megawelle III in mit arabischen Ziffern beschriftete fünf Bestandteile (siehe Graphik): Die Wellen „A“ und „C“ der Megawelle IV korrigieren die vorausgegangene, von Januar 1992 bis Dezember 2005 dauernde aufwärts gerichtete Megawelle III; Welle „B“ ist innerhalb der Welle IV eine zwischengeschaltete Gegenbewegung nach oben. „Das Muster aus A-B-C-Korrekturen ist durchaus typisch für jedes Zeitfenster - so auch für diesen Megatrend“, sagt Müller.

          Wall Street sendet Nachfragesignale

          Weitere Themen

          Wird es eine Chefin?

          FAZ Plus Artikel: Commerzbank-Spitze gibt auf : Wird es eine Chefin?

          Die Chefs des Vorstands und des Aufsichtsrats beugen sich der Kritik der Aktionäre, auch der deutsche Staat ist unzufrieden. Mitten im Umbau lassen sie die Commerzbank führungslos zurück. Die Suche nach den Nachfolgern beginnt.

          Topmeldungen

          Trump am Mount Rushmore : Alles auf eine Karte

          Fehlende Empathie oder eiskaltes Kalkül? Amerikas Präsident stempelt die Black-Lives-Matter-Bewegung zur linksfaschistischen Gefahr ab. Bang muss man fragen, wozu er sich angesichts schlechter Umfragewerte noch hinreißen lässt.
          Commerzbank-Finanzvorstand Bettina Orlopp und der bisherige Vorstandschef Martin Zielke

          Commerzbank-Spitze gibt auf : Wird es eine Chefin?

          Die Chefs des Vorstands und des Aufsichtsrats beugen sich der Kritik der Aktionäre, auch der deutsche Staat ist unzufrieden. Mitten im Umbau lassen sie die Commerzbank führungslos zurück. Die Suche nach den Nachfolgern beginnt.

          FC Bayern im DFB-Pokalfinale : Leise Abschiedsstimmung bei Boateng

          Beim Pokalfinale 2019 saß er mit versteinerter Miene auf der Bank und sollte den FC Bayern verlassen. Jérôme Boateng blieb und wurde der große Gewinner der Saison. Nun aber gibt es einige Indizien, die für einen Abgang sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.