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Entwicklung der Rohstoffpreise : Der Rückzug der Spekulanten

Entgegen der Prognosen: Die Ölpreise fallen Bild: dpa

Für Öl und Gold sehen die Prognosen eigentlich gut aus. Trotzdem fallen die Preise. Die Entwicklungen widersprechen sich im Moment. Ein Grund: Spekulanten stoßen ihre Bestände ab.

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          Die Rohstoffmärkte erweisen sich wieder einmal als nicht vorhersehbar für die Anleger. Beste Beispiele in den vergangenen Tagen: Gold verlor seit seinem 4-Monats-Hoch von 1345 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm) innerhalb von weniger als einer Woche bis zu 50 Dollar an Wert. So notierte es auch am Mittwoch die meiste Zeit unter der psychologisch wichtigen Marke von 1300 Dollar. Auch bei Öl sah es nicht gut aus: Dieses verlor innerhalb eines Monats fast 9 Prozent an Wert, der Preis für Öl der Nordseesorte Brent rauschte um 10 Dollar von 115 auf nur noch 105 Dollar herab. Und das ist ungewöhnlich. Denn eigentlich waren die Vorzeichen für beide Rohstoffe positiv, und steigende Rohstoffpreise waren programmiert. Doch dem sind die Spekulanten dazwischengekommen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch von vorn: Für Goldanleger zeigen die Pfeile am Mittwoch wieder leicht in Richtung Erholung. Nachdem es am Dienstag für das Edelmetall unter die Marke von 1300 Dollar ging, herrschte am Mittwoch unter Goldanlegern schon wieder Angst über mögliche Anschlussverkäufe. Doch diese folgten nicht, am Mittwoch hielt sich der Goldpreis ungefähr konstant bei 1295 Dollar. Offensichtlich wissen die Anleger selbst nicht, welche Zeichen sie wie für den Goldmarkt interpretieren sollen.

          Viele Spekulanten schichten um

          Denn eigentlich gibt es physische Anzeichen für eine Erholung. So steigen die Goldbestände in mit dem Edelmetall hinterlegten Fonds seit Mitte Juni. Zwar gibt es auch vereinzelte Rückschläge, aber insgesamt häufen sich die Meldungen, dass die Fonds hohe Tageszuflüsse haben. Vorneweg geht der SPDR Gold Trust, der mittlerweile an manchen Tagen 10 Tonnen Gold einkauft. Wie es mit dem Goldpreis weitergeht, dürfte vor allem daran hängen, wie nachhaltig diese Zuflüsse sind. Denn durch die Goldkäufe, die in den Tresoren der Banken verschwanden, wurden teilweise 20 Prozent der Nachfrage nach dem Edelmetall abgebildet. Sie waren daher auch eine wesentliche Triebfeder für steigende Goldpreise. Doch im vergangenen Jahr bauten die Fonds ihre Bestände radikal ab – und die Preise fielen ebenso deutlich. Teilweise notierte eine Feinunze damals nur noch bei 1185 Dollar.

          Aber nicht die steigenden Zuflüsse dominieren den Goldpreis, sondern die niedrigere Risikoaversion. Das spiegelt sich auch in den steigenden Kursen der Aktienmärkte wider. Und viele Spekulanten schichten offenbar um. Diese Investoren, die vorher auf steigende Preise setzten, haben sich nun zurückgezogen. Das zeigen die Netto-Long-Positionen, mit denen Investoren auf steigende Preise setzen können. Diese haben das höchste Niveau seit 18 Monaten für Gold und sogar seit 4 Jahren für Silber aufgebaut. Das ist zwar ein gutes Zeichen, da die Investoren an eine Erholung der Preise zu glauben scheinen. Andererseits besteht so auch Korrekturbedarf nach unten.

          Da Gold gemeinhin als Pessimistenmetall gilt und das Edelmetall auf einem niedrigen Niveau verharrt, müsste also auch der Motor der Weltwirtschaft auf Hochtouren gehen. Dafür würde dann auch ein hoher Ölpreis sprechen. Doch das ist nicht der Fall, eher im Gegenteil: Die Ölpreise befinden sich auf dem Rückzug. Dabei wurde gemeinhin mit einem Engpass des schwarzen Goldes gerechnet.

          Ölpreise auf dem Rückzug

          Aktuell wird Öl der Nordseesorte Brent bei rund 106 Dollar gehandelt. Öl der Sorte WTI notierte bei rund 100 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Dabei sah zuletzt – und auch noch im Moment – alles nach steigenden Preisen aus. Da forderte zum Beispiel die Internationale Energieagentur eine Ausweitung der Ölförderung – denn ansonsten könnte sich der Preis empfindlich verteuern. Aber die Opec hielt zu ihrer Sommersitzung die Förderquoten konstant. Und trotzdem ging es mit dem Ölpreis eher bergab als bergauf.

          Entwicklung des Öl- und Goldpreises
          Entwicklung des Öl- und Goldpreises : Bild: F.A.Z.

          Auch hier sind ein Grund die spekulativen Finanzanleger. Diese haben sich im großen Stil zurückgezogen. Das sieht man auch an den so genannten Netto-Long-Positionen. Laut den Daten der Warenterminbörse ICE fielen diese Kontrakte in der Vorwoche um 28.000 auf 212.000 Kontrakte. Das ist ein Rückgang von mehr als 10 Prozent. Aktuell werden damit so wenig Positionen gehalten wie zuletzt Anfang Mai. Daher dürften nun viele Risiken berücksichtigt sein. Zu diesen möglichen Risiken gehören die Eskalation des Konfliktes im Irak sowie die Probleme in Libyen. Dort besetzten Rebellen einen wichtigen Erdölhafen und gaben ihn vor kurzem frei. Damit steigt das libysche Erdölangebot weiter. Aktuell liegt die libysche Ölproduktion bereits bei knapp 600.000 Barrel pro Tag, nach ungefähr 200.000 Barrel pro Tag in den letzten Monaten. Aber das normale Produktionsniveau liegt bei einer Million Barrel, somit ist noch viel Luft nach oben.

          Das hat auch zu kuriosen Verschiebungen an den Terminmärkten geführt. So ist am Mittwoch nach Handelsschluss der August-Kontrakt bei der Ölsorte Brent ausgelaufen. Der nachfolgende Kontrakt ist nun rund 1,50 Dollar teurer – das erste Mal seit anderthalb Jahren. Das wiederum ist ein sicheres Zeichen für ein sinkendes Angebot oder für eine steigende Nachfrage – jedenfalls werden sich die Preise zumindest optisch verteuern.

          Das ist zumindest nachvollziehbar, da im Spätsommer üblicherweise die Wartungsarbeiten an den Ölbohrplattformen in der Nordsee anstehen. Damit wird das Angebot sinken, hohe Preise wären wieder gerechtfertigt.

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