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Energiekosten : Chinas Nachfrage hält Öl teuer

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen des Bedarfs in Asien mit steigender Ölnachfrage. Damit drohen steigende Ölpreise, die die Konjunkturerholung gefährden. Die IEA fordert daher von der Opec, die Fördermengen zu steigern.

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          Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) werden sich die Verbraucher in den kommenden Jahren auf weiterhin steigende Ölpreise einstellen müssen. Dabei drohten hohe Energiekosten die Konjunkturerholung zu gefährden. Die IEA berät 28 Industrieländer in Energiefragen und forderte abermals von der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec), die Produktion anzuheben. Sonst drohe eine starke Verknappung des Ölangebotes.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die IEA hat am Donnerstag ihre Prognose für das Ölnachfragewachstum für die kommenden fünf Jahre erhöht. In ihrem vorherigen Bericht hatte die Agentur noch eine Abschwächung erwartet. Bis zum Jahr 2016 Jahr sei jedes Jahr mit einem Anstieg der Nachfrage um durchschnittlich 1,3 Prozent zu rechnen. Der wachsende Bedarf komme vor allem aus Ländern wie China, aber auch aus dem Nahen Osten und Lateinamerika. In den Ländern, die zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehören, sei hingegen eine sinkende Ölnachfrage zu erwarten. Bis 2016 lege die Ölnachfrage von täglich 88 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf 95,3 Millionen Barrel am Tag zu. Auch in ihrem ebenfalls veröffentlichten Monatsbericht hebt die IEA die Prognose zur Ölnachfrage auf der Welt für das Jahr 2011 an: Die Nachfrage steige um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Millionen Barrel am Tag.

          „Trotz der konjunkturellen Flaute, die in Amerika und für Europa befürchtet wird, ist mit einem steilen Wachstum der Ölnachfrage zu rechnen“, sagt Steffen Bukold, Leiter des Forschungsbüros Energycomment. „Wie schon in den vergangenen Jahren sind es vor allem die stark wachsenden Schwellenländer und die ölreichen Staaten, die einen hohen Bedarf an Öl haben.“ Nach Einschätzung von Bukold ist „weiterhin von einer Ölverknappung spätestens Mitte des Jahrzehnts auszugehen“. Allerdings sei nicht auszumachen, wie sich spekulativ orientierte Finanzanleger am Ölmarkt verhalten würden: Sie könnten die Preise erheblich beeinflussen.

          Die IEA erhöht den Druck auf die Opec, mehr Öl zu fördern

          Seit Anfang des Jahres haben die Ölpreise deutlich zugelegt, auch wenn die Preise Anfang Mai stark nachgegeben hatten. Rohöl der Nordseesorte Brent hat sich dieses Jahr um 20 Prozent verteuert. Am Mittwochabend waren die Preise in den Vereinigten Staaten um bis zu 5 Prozent gesunken – so tief wie seit etwa vier Monaten nicht mehr. Grund für den Preisrückgang war die Befürchtung, dass sich die europäische Schuldenkrise verschärfen werde und sich die Konjunktur in Amerika abschwäche – dies hätte einen sinkenden Energiebedarf zur Folge. Am Donnerstag erholten sich die Ölpreise wieder. Brent kostete 114 Dollar, für WTI-Öl mussten 95 bezahlt werden.

          Laut IEA werde der Brent-Ölpreis bis zum Jahr 2015 bei durchschnittlich 103 Dollar je Barrel liegen, zuvor war die Energieagentur noch von einem Preis von 84 Dollar ausgegangen. Die IEA erhöht zudem den Druck auf die Opec, mehr Öl zu fördern und damit die Preise zu senken. Allerdings liegt schon jetzt das Opec-Angebot 1,4 Millionen Barrel am Tag höher als die offizielle Förderquote.

          Der Ausfall des Opec-Mitglieds Libyen als Öllieferant hat die Preise schon in die Höhe getrieben. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges in dem ölreichen Land im Februar dieses Jahres sei die Förderung von täglich 1,6 Millionen Barrel auf weniger als 200.000 Barrel gesunken, so die IEA. Bis 2014 sei nicht damit zu rechnen, dass der nordafrikanische Staat seine Produktion wieder auf Vorkriegsniveau steigern werde.

          Offener Streit zwischen den Opec-Mitgliedstaaten

          Schon vor dem Treffen der Opec-Mitgliedstaaten am 8. Juni hatten die Industrieländer auf eine Quotenerhöhung der Opec gedrängt. Doch die Forderung verhallte ungehört, das Treffen endete mit einem Dissens. Während sich etwa Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate für eine Erhöhung aussprachen, war die Mehrheit – unter anderem Venezuela und Iran – dagegen. Saudi-Arabien kündigte daraufhin an, im Alleingang mehr Öl als beschlossen zu fördern. Dieser offene Streit zwischen den Opec-Mitgliedstaaten werde in der zweiten Jahreshälfte zu sinkenden Ölpreisen führen, vermuten einige Marktbeobachter: „Das Kartell ist nur dann stark, wenn es in der Lage ist, einen Konsens zu finden“, schreiben die Analysten der Commerzbank in einer Studie und verweisen darauf, dass ein Dissens in der Opec bislang schon öfter zu fallenden Preisen geführt hat.

          So setzte sich im September 2008 Saudi-Arabien über den offiziellen Beschluss hinweg, nach der ersten starken Preiskorrektur die Quoten strikt einzuhalten. Der größte Ölproduzent der Welt hielt sich jedoch nicht an die Abmachung, woraufhin der Preis weiter fiel. Auch 1998 waren sich die Opec-Mitglieder uneinig. Offiziell legten sie zwar eine Förderquote fest, mehrere Mitglieder setzten sich jedoch über den Beschluss hinweg. Der Ölpreis sank.

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