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Energie- und Rohstoffmärkte : Verschlafen Regulatoren die Rohstoffblase?

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An den Energie- und Rohstoffmärkte zeigt sich ein schier unheimlicher Boom. Vieles erinnert an die Manipulationen und das Scheitern der Gebrüder Hunt im Silbermarkt in den 70er-Jahren. Die Regulatoren scheinen das Problem zu verschlafen.

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          Die von den außerordentlich expansiven geld- und fiskalpolitischen Strategien der Zentralbanken und Regierungen weltweit ausgelösten wirtschaftlichen Erholung auf tiefem Niveau hat zusammen mit enormen Spekulationen zu einem unheimlich Preisboom an den Energie- und Rohstoffmärkten geführt.

          Auslöst unter anderen von der Sorge, die amerikanische Zentralbank werde die Märkte mir frisch gedrucktem Geld fluten, sind an den Terminbörsen die Preise von Zucker, Weizen, Mais, Silber, Palladium, Baumwolle, Kaffee und Sojaöl in den vergangenen sechs Monaten zumindest in Dollar um zwischen 38 und 96 Prozent gestiegen. Obwohl die Zentralbanken mit ihrer extremen Geldpolitik im Kern die gewaltigen deflationären Effekte kompensieren, die durch fallende Vermögenspreise und unbereinigten Abschreibungsbedarf in vielen Bankbilanzen auslöst werden, hat sich die Sorge vor inflationären Risiken weit verbreitet.

          Investoren verstärken die Trends, die sie selbst ausgelöst haben

          Das verleitet zusammen mit der persistenden und sich selbst bestätigenden Propaganda verschiedenster Krisenpropheten und reißerischer Bankwerbung immer mehr Anleger dazu, immer mehr Geld in den im Vergleich mit den Finanzmärkten kleinen Rohstoffbereich zu investieren. So steigt die Nachfrage nach den verschiedensten Rohstoffen, obwohl die Nachfrage zwecks Verarbeitung in der Realwirtschaft nicht einmal unbedingt stark sein mag. Da sie sich allerdings gegen die steigenden Preise absichern muss, tritt sie neben den Finanzinvestoren an den Terminmärkten als Nachfrager auf und gibt dem Auftrieb zusätzlichen Schwung.

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          Manche Märkte werden inzwischen nicht mehr von einer auf industrielle Verwendung ausgerichteten Nachfrage dominiert, sondern von Hedge-Fonds, Fondsgesellschaften und Banken, die ihre rasch aufgelegten und teuer verkauften Zertifikate abhedgen wollen und müssen. Immer größer werdende Indexfonds horten immer mehr Gold, Silber, Industriemetalle, Agrargüter und als selten geltende physische Produkte und entziehen sie damit möglichen Endnachfragern. Auf diese Weise werden künstliche Knappheiten geschaffen, die den Propagandisten von entsprechenden Absicherungs- und Anlageinstrumenten wiederum als Verkaufsargument gelegen kommen.

          Kritische Geister werden dazu tendieren, solche Trends unter Berücksichtigung der großen Risiken mitzunehmen. Die lassen sich erstens daran erkennen, dass die verschiedenen Terminbörsen in den vergangenen Wochen die Kapitalanforderungen für den Handel mit ihren Terminkontrakten deutlich erhöht haben. Sie zeigen sich zum Beispiel auch daran, dass die Lagerbestände der London Metal Exchange (LME) in wenigen Händen konzentriert sind. Nach jüngsten Daten befinden sich zwischen 80 und 89 Prozent aller Aluminiumbestände der Börse, zwischen 50 und 79 Prozent aller Kupferbestände und zwischen 40 und 49 Prozent aller Nickelbestände in einer Hand.

          Konzentration der Lagerhaltung an der LME erinnert an das Scheitern der Gebrüder Hunt

          Es sieht so aus, als ob jemand versuche, den Kupfermarkt zu manipulieren, erklärte ein Händler die große Konzentration der Lagerbestände in einer Hand. Tatsächlich erinnert vieles an die Manipulation des Silbermarktes durch die Gebrüder Hunt (siehe auch:). Ihre Idee war im Jahr 1974 relativ einfach: Der Markt für Silber war schon damals recht eng - warum sollte man ihn dann nicht mit ein paar Milliarden unter Kontrolle bringen und die Preise manipulieren können?

          Der Preis für eine Unze Silber lag damals bei 3,30 Dollar. Bis Ende der siebziger Jahre stieg der Preis auf 50 Dollar, und die Hunts besaßen Silber und Silberterminkontrakte im Wert von rund 6,6 Milliarden Dollar - das entsprach etwa der Hälfte der Silbervorräte Amerikas und etwa 15 Prozent der Weltsilbervorräte. Der Erfolg schien den Hunts mit ihrer Silberspekulation recht zu geben: Mit ihren ständigen Käufen erzeugten sie eine künstliche Knappheit auf dem Silbermarkt. Gerüchte um eine weitere Verknappung ließen den Preis weiter steigen.

          Doch wie so oft im Leben drehten sich die Winde des Schicksals, und sie wehten bald den Hunt-Brüdern aus mehreren Richtungen ins Gesicht. Zum einen hatten sie die Rechnung ohne die Marktkräfte gemacht: Die anziehenden Silberpreise führten dazu, dass auch das Angebot an Silber stieg. Tafelsilber, Schmuck, Münzen - alles wurde eingeschmolzen und auf den Markt geworfen, die Leute holten ihr letztes Silber vom Speicher und verkauften es. Hinzu kam, dass die hohen Preissteigerungen immer mehr Marktteilnehmer dazu animierten, Gewinne mitzunehmen.

          Gegenwärtig scheint das spekulative Fieber und die Ansicht, dass diesmal alles anders und die reale Nachfrage extrem hoch sei, zu groß zu sein, um Gewinne mitzunehmen. Die Finanzindustrie lebt viel zu gut davon, als dass sie das Abbremsen des großen Rades freiwillig zulassen würde. Vieles ähnelt dem scheinbar unaufhaltsamen Aufschwung an den Immobilienmärkten, der die Preise auf extremste Niveaus trieb, bevor es zum großen Krach kam. Auch diesmal scheinen Regulatoren keinen Grund zu sehen, um dem unheimlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Sie werden sich wohl erst dann wieder berufen fühlen, wenn es darum geht, Verluste und Verwerfungen auf Kosten der Steuerzahler zu bereinigen, wenn es zu spät ist.

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