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Energie & Rohstoffe : Keine Knappheit an Agrargütern absehbar

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Preise von Agrargütern liefen in den vergangenen Jahren vorübergehend unheimlich nach oben. Laut FAO wird es aber keine Knappheit geben. Dagegen werden Spekulationen problematisch: Der Weizenmarkt ist vier Promille der Weltbörsen wert.

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          Ähnlich wie der Ölmarkt gerieten auch die Agrarterminmärkte in den vergangenen Jahren in den Blickpunkt der Anleger. Knappheitsthesen führten zusammen mit allen nur denkbaren anderen Argumenten - Inflationsschutz sowie vorübergehend hohe Energie- und Düngemittepreise etwa - dazu, dass Anleger Mittel in diese vergleichsweise engen Märkte leiteten.

          Das führte vorübergehend zu einem starken Preisauftrieb. Nicht etwa nur die Preise von Mais, Weizen und Soja schossen vorübergehend massiv nach oben, sondern noch deutlicher die von Ölsaaten und Milch. Der von der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) monatlich ermittelte Öl- und Fettindex, der die Preisentwicklung von elf verschiedenen pflanzlichen und tierischen Fetten abbildet, legte um bis zu 290 Prozent zu und erreichte im Mai des vergangenen Jahres seine Spitze, bevor er in den vergangenen Monaten wieder deutlich nachgab.

          Preiser der Agrargüter im Sog des Ölpreises

          Die Preise der Agrargüter orientierten sich dabei kurzfristig eher an den Entwicklung des Ölpreises, als an der grundlegenden Angebots- und Nachfragesituation, die sich beispielsweise aus Faktoren wie verfügbaren Flächen oder dem Nahrungsmittelbedarf ableitet. Den hohe Energiepreise verteuern einerseits die Erzeugungskosten und verführen aufgrund der hohen Einspeisevergütungen dazu, Agrarprodukte eher zur Stromproduktion zu verwenden, als sie dem Nahrungsmittelmarkt zuzuführen.

          Auf diese Weise können Spekulationen im Rohstoffbereich zusammen mit einer fehlgeleiteten Energie-Subventionspolitik zu einer Nahrungsmittelknappheit führen, obwohl nach Einschätzungen der FAO auf Sicht der kommenden zehn Jahre zumindest auf globaler Ebene sowohl genügend Flächen als auch die notwendigen Ressourcen wie Wasser sowie ertragsverbesserende Technologien zur Verfügung stehen, um genügend Nahrungsmittel für Weltbevölkerung produzieren zu können.

          Sorgen über einen Wettlauf zwischen der Entwicklung der Weltbevölkerung und der Menge an Nahrungsmitteln, die sich weltweit erzeugen ließen, seien überzogen heißt es. In einigen Regionen könne es zwar tatsächlich zu einem gewissen Mangel an Flächen kommen. Auf der anderen Seite ließen sich in anderen Gebieten nicht nur neue Flächen erschließen, sondern in vielen Regionen sei das Ertragspotenzial auf den genutzten Ländereien bei weitem noch nicht ausgenutzt.

          Kein Wettlauf zwischen der Entwicklung der Weltbevölkerung und der Menge an Nahrungsmitteln

          Während die Ertragspotenziale der Ackerflächen in Deutschland aufgrund der intensiven Bewirtschaftung mittels modernster Anbaumethoden und ertragreicher Sorten weitgehend ausgereizt seien, böten sich in Staaten wie der Ukraine, den Vereinigten Staaten, der Türkei, Ähtiopien, Brasilien, Argentinien und nicht zuletzt auch Tansania noch große hebbare Potenziale. Projektionen der FAO zeigen zudem, dass die ackerbaulich nutzbaren Flächen in den Entwicklungsstaaten bis im Jahr 2030 um 13 Prozent auf dann 120 Millionen Hektar zunehmen werden, selbst wenn man Phänomene wie Erosion, Versteppung und andere berücksichtigt.

          In den vergangenen vier Dekaden wurde die Agrarproduktion vor allem über zunehmende Flächenerträge gesteigert. Die damit verbundenen Produktivitätssteigerungen führten dazu, dass die Nahrungsmittelpreise lange Jahre nominal kaum stiegen und real sogar fielen.
          Vertraut man der Analyse der FAO, so sollte sich daran grundsätzlich nur wenig ändern. Es sei denn, der Ölpreis liefe wieder rasant nach oben oder spekulative Anleger trieben die Preise an den Agrar-Terminmärkten wieder nach oben.

          Die Problematik der Spekulation lässt sich am Weizenmarkt festmachen: Die FAO prognostiziert für das laufende Jahr ein Welt-Weizenernte von 655 Millionen Tonnen. Auf Basis der aktuellen Preise haben diese einen Wert von etwa 115 Milliarden Euro beziehungsweise 162 Milliarden Dollar. Die Börsen weltweit hatten in der vergangenen Woche nach Angaben von Bloomberg eine Marktkapitalisierung von 37.000 Milliarden Dollar. Das heißt, der Wert des Weizenmarkt entspricht gerade einmal 0,44 Prozent der globalen Aktienmärkte.

          Sollte also auch nur ein geringer Teil dieser Kapitalien, zum Beispiel aus Sorge über unverantwortlich inflationäre Geldpolitiken der Zentralbanken, in den Agrarbereich umgeschichtet werden, würden die Preise wieder durch die Decke gehen - unabhängig davon, ob die Nahrungsmittelnachfrage stärker zunimmt als das Angebot.

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