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Energie & Rohstoffe : Heftiger Preiseinbruch am Markt für Rohöl

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Anstatt die Marke von 100 Dollar im Sturm zu nehmen, ist der Ölpreis auf Talfahrt gegangen. Am Mittwoch treffen sich in Abu Dhabi die Ölminister der Opec. Der ungewisse Ausgang der Sitzung belastet die Notierungen.

          Anstatt die Marke von 100 Dollar im Sturm zu nehmen, wie es vielerorts erwartet wurde, ist der Ölpreis in der vergangenen Woche auf steile Talfahrt gegangen. Die in New York auf Termin gehandelte Leichtöl-Sorte West Texas Intermediate (WTI) notiert inzwischen um gut 10 Prozent unter ihrem im November zweimal verzeichneten Rekordhoch von etwa 99 Dollar je Barrel (159 Liter). Zuletzt notierte sie vor anderthalb Wochen bei 99,20 Dollar

          Am Montag kostete WTI zunächst rund 88 Dollar und damit so viel oder so wenig wie Ende Oktober. Ein Barrel zur Auslieferung im Januar kostete 87,88 Dollar und somit 1,13 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Am Dienstagmorgen erholte sich der Preis nur leicht auf 89,74 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank am Montag zunächst um 71 Cent auf 87,55 Dollar, konnte diese Verluste am Dienstagmorgen allerdings nahezu wett machen und stieg wieder um 65 Cents auf 90,45 Dollar.

          Fällt der Ölpreis noch weiter?

          Die Ölhändler führen fundamentale Gründe an: Die Hoffnung auf eine Erhöhung der Förderquote der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) drücke den Ölpreis, heißt es im Vorfeld des Treffens der Opec-Ölminister, das am Mittwoch in Abu Dhabi stattfinden soll. In der vergangenen Woche hatten sich mehrere Ölminister der Opec für eine Anhebung der Förderung ausgesprochen, um den Preisanstieg zu stoppen.

          Das Erzeugerkartell hatte erst im November die Produktion von Rohöl um 500.000 Barrel pro Tag erhöht. Entsprechend ist auch der Preis für Rohöl der Opec erneut kräftig gefallen. Ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells habe am vergangenen Freitag 85,91 Dollar im Vergleich zu 87,78 Dollar am Vortag gekostet, teilte das Opec-Sekretariat am Montag in Wien mit.

          Charttechniker halten noch tiefere Preise für möglich

          Aus charttechnischer Sicht können die Notierungen nach Meinung einschlägig orientierter Analysten noch deutlich tiefer fallen. WTI ist gegenwärtig noch immer um fast 50 Prozent teurer als vor zwölf Monaten. In Europa ist der Preis für Dieseltreibstoff, der mit Heizöl gleichgesetzt werden kann, zwischen Jahresbeginn und Ende November in der Spitze um etwa 80 Prozent gestiegen, bis er zuletzt wieder leicht nachgab.

          Als nächstes Ziel für WTI-Öl wird der Bereich zwischen 83 und 84 Dollar genannt. Der Abschwung sei sehr dynamisch verlaufen und könne daher eine immer größer werdende spekulative Gefolgschaft erlangen, heißt es.

          Die Spekulation wird in vielen Medien stets dann verantwortlich gemacht, wenn die Preise steigen. Wenn sie aber, wie jetzt, spürbar fielen, sei von der Spekulation keine Rede mehr. Dabei spielt sie auch beim laufenden Preisrutsch eine Rolle. Professionellen Spekulanten, die nur auf sich verändernde Preise setzen und daraus Gewinne zu erzielen versuchen, ist es gleichgültig, ob sie sich auf Seiten der Hausse oder der Baisse engagieren.

          Spekulation könnte sich selbst die Basis entziehen

          Das am Mittwoch stattfindende Treffen der Opec bestimmt schon jetzt das Geschehen. Auf der Zusammenkunft soll die Marktlage diskutiert werden und die Förderpolitik im ersten Quartal 2008.

          Der steile Preiseinbruch hat nach Einschätzung von Beobachtern die Chance sinken lassen, dass das Kartell eine kräftige Anhebung der Produktion beschließen könnte. Saudi-Arabien hat wissen lassen, dass die Opec-Mitglieder in dieses Treffen ohne vorherige Absprachen zur Förderpolitik gehen. Daher könnten heftige Diskussionen zwischen Tauben und Falken bevorstehen.

          Vor allem wird sich das Kartell mit der Entwicklung der Weltwirtschaft im neuen Jahr befassen. Von dieser Einschätzung hängt es ab, wie hoch der Ölverbrauch im Allgemeinen und der Bedarf an Opec-Öl angesetzt werden.

          Geringe Heizölvorräte in Europa

          Wohl die meisten Mitglieder des Kartells wissen sehr wohl, dass der Ölpreis, der sich auch unter Berücksichtigung der Abwertung des Dollars auf extrem hohem Niveau bewegt, mit ein gewichtiger Grund für die kursierenden pessimistischen Konjunkturausblicke ist. Wahrscheinlich wird die Opec wenigstens zum jetzigen Zeitpunkt ihre Förderung nicht anheben, um über einen sinkenden Ölpreis sich ausbreitender Konjunkturschwäche und damit sinkender Nachfrage nach Öl entgegenzusteuern.

          Fest steht, dass eine höhere Förderung des Kartells das Angebot an Rohöl während des Winters auf der nördlichen Halbkugel kaum verändern würde. Die zu treffenden Vorbereitungen für eine Mehrproduktion und die langen Transportwege ließen das höhere Angebot erst dann in den großen Verbraucherregionen ankommen, wenn der Winter für den Markt schon Vergangenheit ist. Der Markt selbst gibt mit den fallenden Preisen zu erkennen, dass er die Ölversorgung während des anbrechenden Winters nicht gefährdet sieht.

          Das Wetter entscheidet mit

          Diese Einschätzung kann sich rasch wandeln, wenn sich dies- und jenseits des Atlantiks eine längere Kältewelle ankündigen sollte. Betroffen wäre besonders Heizöl. Die europäischen Vorräte an diesem Brennstoff gelten als gering, so dass sich eine zunehmende Nachfrage wohl unmittelbar in starken Preissteigerungen ausdrücken würde. Raum für nennenswerte Exporte nach Amerika, wie sie in der Vergangenheit während des Winters wiederholt vorgenommen wurden, besteht nicht, wenn die Preise hier einigermaßen stabil bleiben sollten.

          Unterdessen richtet sich die Aufmerksamkeit am Ölmarkt verstärkt auf China. Die Regierung in Peking hat ein Gesetz vorbereitet, nach dem die Ölunternehmen des Landes verpflichtet werden sollen, eine strategische Ölreserve aufzubauen. Einzelheiten seien zwar nicht bekannt, doch könne sich dieses Gesetz bald schon als Marktfaktor erweisen.

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