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Energie & Rohstoffe : Großer Preisabstand zwischen Öl und Gas

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Bild: FAZ.NET

Öl ist in den vergangenen Wochen teurer geworden, Gas dagegen wird immer günstiger. Die Preisdifferenz ist so groß, wie schon seit Jahren nicht mehr. Das dürfte sich aber ändern: Die Gaskonzerne drosseln Erschließung und Förderung.

          Öl ist in den vergangenen Wochen teurer geworden, Gas dagegen wird immer günstiger. Erdgas ist seit Jahresbeginn zumindest in Dollar um 31 Prozent billiger geworden und hat damit die schwächste Preisentwicklung im gesamten Rohstoffmarkt gezeigt.

          Die Gasspeicher sind 22 Prozent stärker gefüllt als im Fünfjahres- Mittel und der Preisabschlag gegenüber Rohöl ist so hoch wie seit 1992 nicht mehr. Auschlaggebend für die jetzige Underperformance sind die schwache industrielle Nachfrage, moderate Temperaturen und hohe Lagerbestände, heißt es.

          Gaskonzerne reduzieren Erschließung und Förderung

          Doch dies kann sich ändern. Unabhängig davon ob sich die Konjunktur erholt oder nicht begrenzen amerikanische Gaskonzerne ihre Förderung, um die Preise zu stützen. In einer Bloomberg-Umfrage sehen optimistische Analysten den Gaspreis im zweiten Halbjahr 38 Prozent anziehen. Der Ölpreis wird Experten zufolge nur um 22 Prozent steigen. Ob solche Wetten angesichts des Preisauftriebs der vergangenen Wochen sinnvoll ist oder nicht mag dahingestellt sein. Sicherer scheint es zu sein, auf eine Konvergenz der beiden Preise zu setzen.

          In den vergangenen elf Monaten hat sich Erdgas um 72 Prozent verbilligt, im April rutschte der Gaspreis sogar auf das Sechsjahrestief von 3,155 Dollar je Million BTU, da die Gasnachfrage von Industrie und Stromversorgern zurückging. Auf sie entfallen 58 Prozent des Gasverbrauchs.

          „Bei Gas ist der Spielraum für eine Rally vor dem Jahresende viel größer als bei Öl“, sagte Energieanalyst Ben P. Dell vom Analysehaus Bernstein Research in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg. Gemessen an der Heizenergie ist Erdöl derzeit 18mal teurer als Erdgas; im Mittel der vergangenen zehn Jahre lag der Preisabstand beim 8,4fachen.

          „Das Angebot wird drastisch reduziert, da die Zahl der Bohrinseln, die sich im Einstz befinden, abnimmt“, erklärte Analyst Dell. Die Nachfrage stabilisiere sich derweil. Die Zahl der aktiven Förderplattformen für Erdgas ist vergangene Woche auf 700 gesunken, wie Baker Hughes berichtet. Das texanische Unternehmen ist der drittgrößte Ölfeld-Dienstleister der Welt.

          Zahl der eingesetzten Bohrinseln (Rig count) geht deutlich zurück

          Am New Yorker Warenterminmarkt kostet Erdgas zur Lieferung im Juli am Freitag 3,744 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten (BTU) und somit 31 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Unter den 24 Rohstoffen im S&P GSCI Commodity Index verzeichnete der Energieträger die stärksten Preiseinbußen. Der Ölpreis hat in diesem Jahr 54 Prozent zugelegt, da die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) die Fördemenge gedrosselt hat. Am Montag kostet das Barrel der Ölsorte West Texas Intermediate 67,65 Dollar.

          Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank in Frankfurt sieht den Gaspreis im vierten Quartal auf durchschnittlich 6,50 Dollar je Million BTU anziehen. In den vergangenen zwei Wochen ist der Preis bereits um zehn Prozent gestiegen auf durchschnittlich 3,766 Dollar. Dell von Bernstein Research prognostiziert bis Jahresende einen Preisanstieg auf neun bis zehn Dollar. Der Ölpreis wird nach seiner Ansicht dann bei 70 bis 80 Dollar je Barrel liegen. Öl wäre damit nur noch etwa achtmal so teuer wie Gas, der Preisabstand würde damit nahe dem Zehnjahresmittel liegen.

          Der Öl- und Gaskonzern ConocoPhilips schließt sich der Meinung von Analysten an, dass das aktuelle Preisniveau nicht nachhaltig ist. „Es reicht nach meiner Ansicht nicht aus, um ein Gasangebot bereitzustellen, mit dem die Nachfrage gedeckt werden kann“, sagte John Wright, Präsident für Gas- und Stromvermarktung bei ConocoPhillips. „Die Preise müssen steigen.“

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