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Energie & Rohstoffe : Der Preisauftrieb ist unverkennbar

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Bild: FAZ.NET

Alle Welt rätselt über deflationäre Effekte. Der Blick auf die Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten in den vergangenen Monaten legt jedoch gerade das Gegenteil nahe. Denn dort laufen die Preise wieder deutlich nach oben.

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          Alle Welt rätselt über deflationäre Effekte. Der Blick auf die Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten in den vergangenen Monaten legt jedoch gerade das Gegenteil nahe.

          Nach der massiven Korrektur im Rahmen der allgemeinen Liquidationskrise im vergangenen Jahr setzte an den Terminmärkten schon vor Monaten wieder die Kaufwut ein. Sie führte bei verschiedenen Kontrakten zu deutlichen Preissteigerungen. So ist der Preis für Benzin an der New York Mercantile Exchange auf Sicht eines halben Jahres um 97 Prozent gestiegen auf 191 Cents je Gallone zuletzt.

          Viele Rohstoffe sind in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden

          Blei, Silber, Gummi, Mais, Platin, Sojamehl, Rohöl, Kupfer, Palladium, Zucker, Zink, Weizen, Mais und Kaffee sind im selben Zeitraum zumindest in Dollar um 30 bis 66 Prozent teurer geworden. Ausgeprägte Preisrückgänge zwischen 30 und 37 Prozent gab es in dieser Zeit lediglich bei den an der Nymex gehandelten Stromkontrakten, Schweinebäuchen, Kohle und nicht zuletzt auch Erdgas.

          Alleine schon die starke Divergenz deutet darauf hin, dass der breite Preisauftrieb weniger mit fundamentaler Nachfrage als mit der im Überfluss vorhandenen Liquidität internationaler Anleger zu tun hat. Denn wie ließe sich sonst erklären, dass der Preis für Strom- und Gaskontrakte in den Vereinigten Staaten unter Druck steht und die Nachfrage nach Strom in China deutlich hinter den offiziellen Wirtschaftswachstumsraten zurückbleibt, wenn sich die Weltkonjunktur angeblich wieder robust entwickelt? Harte Fakten dieser Art widersprechen optimistischen Wachstumserwartungen.

          Die Abkoppelung der Preise von der fundamentalen Entwicklung lässt sich auch aus den Lagerbestandsdaten ableiten. So sind zumindest in den Vereinigten Staaten die Rohöllager überdurchschnittlich gut gefüllt. Das gilt auch für die Heizöl-, Diesel- und Kerosinlager. Der Preisauftrieb bei Öl lässt sich aus diesen Daten kaum ableiten. So drängt sich die Vermutung auf, die Preisbewegung gehe auf die Käufe strategischer Anleger zurück, die die tiefen Preise der vergangenen Monaten zum Einstieg nutzten, um auf steigende Preise oder gegen die lockere Geldpolitik der Zentralbanken weltweit zu wetten. Ähnliche Beobachtungen gelten auch für Edel- und die Industriemetalle.

          Deutliche Preisdivergenz zwischen Öl und Gas

          Sollte sich herausstellen, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten und Jahren möglicherweise weniger dynamisch entwickelt als optimistische Marktteilnehmer gegenwärtig unterstellen, dürften deutliche Zwischenkorrekturen kaum überraschen. Auf der anderen Seite gehen nicht wenige Strategen davon aus, dass hohe Geldmengen und niedrige Zinsen ihre inflationären Effekte trotzt geringer Kapazitätsauslastungen über die Energie- und Rohstoffmärkte zeigen werden. Spätestens wenn die Basiseffekte der jüngsten Preiskorrektur in den Statistiken verpufft sind, werden die Märkte den Zentralbanken die Gretchenfrage stellen.

          Kurzfristig bietet die aktuelle Preisstruktur Anlegern gewisse Reize. So sehen Gaskontrakte aufgrund der divergierenden Entwicklungen in den vergangenen Monaten im Vergleich zu Ölkontrakten vergleichsweise günstig aus. Aus diesem Grund kann es zumindest für Anleger interessant sein, Öl gegen Gas zu verkaufen.

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