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Energie : Ölpreis nach oben ausgebrochen

  • Aktualisiert am

Bild: IEA

Nach einer Schwächephase im Januar hat sich der Ölpreis wieder erholt. Geopolitische Spannungen und rasch abnehmende Rohöl-Lagerbestände der OECD-Staaten entgegen der üblichen Saisonalität zeigen am Markt ihre Wirkung.

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          Sorgten deutlich und im Trend steigende Ölpreise in den Jahren 2003 bis in den August des vergangenen Jahres zunächst für Furore, so kam es danach zu einer Zwischenkonsolidierung. Vom Hoch bei 78,30 Dollar je Barrel Brent am siebten August fiel der Preis zurück auf bis zu 51,70 Dollar im Januar des laufenden Jahres.

          Sah es zu diesem Zeitpunkt zunächst so aus, als ob der Preis noch weiter fallen könnte, so täuschte er. Inzwischen hat er sich nicht nur erholt, sondern zumindest aus technischer Sicht auch noch die mittelfristige Widerstandszone bei 64,6 Dollar überwunden. Gerade in den vergangenen Tagen ging es deutlich nach oben mit Tagesgewinnen von bis zu 2,86 Prozent. Am Mittwoch beträgt das Plus bisher 1,64 Prozent auf zuletzt 65,66 Dollar je Barrel.

          Geopolitische Spannungen wirken verstärkend ...

          Im Hintergrund stehen wieder einmal geopolitische Sorgen, die von der Festnahme und dem bisherigen Festhalten britischer Seeleute durch den Iran ausgehen. Während sich die Verhandlungen über ihre Freilassung hinziehen und die Argumente zunehmend verstärkt werden, springen spekulative Marktteilnehmer auf die Entwicklung auf und verstärken auf diese Weise die Preisbewegung.

          Dramatisch ist bisher allerdings noch nichts, auch wenn im Markt schon die Idee von militärischen Interventionen herumgereicht werden. Allerdings dürfte es noch weit sein, bis es tatsächlich dazu kommen kann. Denn die Region ist viel zu sensibel, als dass die Neigung für vorschnelle politische und vor allem auch militärische Abenteuer aufkommen könnten. Dagegen sprechen schon einmal die Erfahrungen im Irak. Dagegen spricht aber auch die Tatsache, dass ein großer Teil der internationalen Ölversorgung von offenen Transportwegen in der Straße von Hormuz abhängt. Und sie ließe sich vom Iran aus ohne größere Probleme blockieren.

          Allerdings nehmen die Spannungen faktisch zu. Das zeigt sich an den verschärften Sanktionen, die die Vereinten Nationen vor zwei Wochen beschlossen, um Iran davon abzuhalten, die nukleare Forschung zu stoppen. Das Land argumentiert, es habe das Recht, an der friedlichen Nutzung dieser Energieform zu arbeiten. Viele befürchten jedoch, es versuche, nukleare Waffen zu entwickeln. Solche könnten die fragile Machtbalance in der Region empfindlich stören. Gleichzeitig führt die amerikanische Marine mit einem Großmanöver in der Region ihre Stärke vor.

          ... auf einen kurzfristig schon etwas angespannten Markt

          Dazu kommen auch gewisse kritische fundamentale Entwicklungen. „Die zunehmend spürbare Produktionsdrosselung der OPEC und kaltes Wetter im Februar in den Vereinigten Staaten hätten dazu geführt, dass sich die Abwärtstrend der OECD-Lagerbestände trotz des relativ warmen Wetters in anderen Regionen fortsetzte, hieß es von Seiten der IEA vor wenigen Tagen. Das könnte zur stärksten Lagerbestandsreduzierung seit mehr als zehn Jahren im ersten Quartal eines Jahres führen.
          Insgesamt gäben die jüngsten Daten einen gewissen Grund zur Sorge. Die Lagerbestände an Benzin und Destillaten befänden sich zwar auf Vorjahresniveau. Allerdings waren diese im vergangenen Jahr die Basis für höhere und deutlich steigende Preise im Sommer. Gleichzeitig sei die Geschwindigkeit, mit der die Rohöl-Lagerbestände entgegen der üblichen Saison abnähmen, bedenklich, hieß es. Solche Bedenken werden kurzfristig verstärkt durch die Bestreikung der Ölterminals in Marseille. Sie blockieren mehrere Schiffe, die dazu bestimmt wären, Treibstoff in die Vereinigten Staaten zu transportieren.

          Auf dieser Basis scheint der Ölpreis weiterhin gut fundiert zu sein. Darauf deuten auch saisonale Komponenten hin. Ändern würde sich die Perspektive nur dann, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den Verbrauchsländern - vor allem auch in den Vereinigten Staaten - deutlicher abschwächen sollte. Ganz ausgeschlossen scheint das nicht zu sein. Allerdings würde sich das erst verzögert bemerkbar machen.

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