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Energie : Hohe Liquidität zündelt am Ölpreis

  • -Aktualisiert am

Am Ölmarkt sinkt die Sonne Bild: AP

Hedge Fonds und andere Anleger könnten zum Auftrieb der Ölpreise beigetragen haben. Nun tragen sie auch zu ihrem Rückgang bei - und das schnell.

          4 Min.

          Seit die Energiepreise vor vier Jahren ihren steilen Anstieg begannen, wurde immer wieder eine Frage diskutiert: Hat das Geld, das von Seiten der Investmentfonds, Händler, Hegde Fonds und anderen Finanzmarktteilnehmern in das Ölgeschäft floß, die Preise in die Höhe getrieben, die von den Verbrauchern für das Heizen ihrer Häuser und das Auffüllen ihrer Fahrzeugtanks zu zahlen waren? Steckt hinter dem drastischen Auftrieb der Energiepreise anlagewilliges Geld?

          Wenn dem so war, so hat das anlagewillige Geld inzwischen an Energie verloren und es scheint offensichtlich, daß es den Preisen auf dem Weg nach unten ebenso viel Volatilität verleiht wie zuvor auf dem Weg nach oben. Ohne größere Änderungen in Angebot oder Nachfrage ist der Ölpreis ins Trudeln geraten und am 3. Oktober unter 59 Dollar gefallen. Das sind 25 Prozent weniger als bei seinem Höchststand von 78 Dollar im Juli.

          Salto abwärts

          Die Erdgaspreise sind noch drastischer gefallen, von 15 Dollar je eine Million BTU (British Terminal Unit, entspricht 1.055 Joule) im letzten Dezember auf 5,80 Dollar - ein Absturz, der vermutlich den sechs Milliarden Dollar schweren Zusammenbruch des Hedge Fonds Amaranth Advisors auslöste.

          Hinter den Preisrückgängen steht eine deutliche Verringerung der Mittel, die in Energie investiert werden. Die Menge an neuen Geldern, die in die von Morningstar beobachteten 48 Rohstoffonds geflossen sind, verringerte sich im August auf nur zwölf Millionen Dollar, gegenüber 1,6 Milliarden Dollar im gleichen Monat 2005. Der Pimco Commodity Real Asset Fonds, dessen Vermögen seit Auflegung im Jahre 2002 auf zwölf Milliarden Dollar angewachsen war, hat in diesem Jahr lediglich 100 Millionen Dollar eingenommen.

          „Es findet ein großer Exodus des Geldes statt,“ erklärt Peter Fusaro, Gründer des Energy Hedge Fund Center, einer Energiehandels-Informationswebsite zur Verfolgung von Hedge Fonds. „Viele Investoren haben Gewinne mitgenommen und halten nun ihre Mittel zurück.“

          Energielastigkeit wird zur Belastung

          Die Energiepreise sind so schnell gefallen, daß sich die OPEC-Mitgliedsländer zum Handeln entschlossen. Im September erklärten Nigeria und Venezuela, sie würden freiwillig die Produktion drosseln in der Hoffnung, dadurch die Preise zu stützen. Edmund Daukoru, OPEC-President und nigerianischer Erdölminister, rief andere OPEC-Länder auf, sich dieser Maßnahme anzuschließen.

          Dies ist insgesamt gesehen eine dramatische Kehrtwendung gegenüber den letzten Jahren, als das Geld nur so in Energieanlagen strömte. Der in Chicago ansässige Fondstracker Hedge Fund Research zählt inzwischen 68 Hedge Fonds, die sich ausschließlich auf Energie spezialisiert haben; im Jahre 2000 waren es erst 14. In dieser Zahl sind die vielen Fonds - wie etwa Amaranth - nicht enthalten, die nur einen Teil ihrer Mittel in Öl und Gas investieren.

          Ebenfalls nicht mitgerechnet sind die 100 Milliarden Dollar in Fonds, die passiv Rohstoffindizes nachbilden. „Von jedem Dollar, der in den Goldman Sachs Commodity Index fließt, gehen 70 Cents in Energie,“ meint Sol Waxman, der für die Finanzberatungsgesellschaft der Barclay Group Hedge-Fonds verfolgt. „Wirkt sich das auf den Preis aus? Ich würde es vermuten.“

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