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Energie : Amerikanischer Gasmarkt ist zum Spielkasino geworden

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Bild: FAZ.NET

Mit einem Plus von knapp 100 Prozent in etwas mehr als vier Wochen gehört der Erdgasterminkontrakt zu den stärksten, gleichzeitig aber auch zu den volatilsten an den amerikanischen Börsen.

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          Mit einem Plus von knapp 100 Prozent in etwas mehr als vier Wochen gehört der an den amerikanischen Terminbörsen gehandelte Erdgaskontrakt gleichzeitig zu den stärksten, aber auch volatilsten des Energie- und Rohstoffspektrums. Deutliche Preiszuwächse gab es in den vergangenen Wochen auch bei Elektrizitätskontrakten in den Vereinigten Staaten und in Europa.

          So stieg der Basispreis für die kurzfristige Lieferung von Strom in Deutschland von einem Niveau von etwa 40 Euro pro Megawatt je Stunde vor drei Wochen auf zuletzt 61,50 Euro. Dafür dürften einerseits hohe Öl- sowie steigende Gas- und Kohlepreise mit verantwortlich sein, während manche Marktteilnehmer kurzfristig auch auf eine Flaute in der Stromproduktion aus Windkraft dafür verantwortlich machen.

          Preisanstieg am amerikanischen Erdgasmarkt lässt sich kaum fundamental erklären

          Der starke Preisanstieg am amerikanischen Erdgasmarkt dagegen lässt sich kaum fundamental erklären. Die Preisrally könne primär durch Spekulationen getrieben sein, erklären die Rohstoffanalysten von Lupus Alpha. Denn hohe Lagerbestände müssten unter normalen Umständen den Preis unter Druck halten, bis Substitutionseffekte wirkten. Diese hätten inzwischen zwar eingesetzt, allerdings reichten sie nicht aus, um die Angebots- und Nachfragesituation im amerikanischen Gasmarkt ins Gleichgewicht zu bringen.

          Die Gründe hinter dem ungewöhnlichen Preisanstieg ließen sich nur vermuten. Doch könnten massive Shorteindeckungen von Fonds die Ursache sein, nachdem der Markt aus technischer Sicht „stark überverkauft“ war. Solche Short-Covering-Rallyes seien jedoch meistens sehr kurzlebig und hätten große Preisbewegungen zur Folge, heißt es. Die im Erdgas investierten Fonds hatten über das Jahr hinweg massive Shortpositionen aufgebaut, und es hat den Anschein, als ob Erdgaspreise unter drei Dollar nun zu Rückkäufen genutzt würden.

          Gas-Volatilität ist sehr hoch

          Das führte inzwischen dazu, dass Volatilität von mehr als 140 Prozent auf Zehn-Tages-Basis diesen Markt als vernünftige Geldanlage ausscheiden lasse. Eine Zahl in dieser Größenordnung mache tägliche Preisschwankungen von neun Prozent in beide Richtungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent möglich. Unter solchen Bedingungen seien Anlagen reines Glücksspiel, erklären die Analysten von Lupus Alpha. Sie wären nicht überrascht, in den nächsten Wochen von einigen Fonds zu hören, die durch Spekulationen auf den Erdgaspreis in eine Schieflage geraten seien. Amaranth könnte nicht der letzte Fonds gewesen sein, den die Entwicklung des amerikanischen Erdgasmarktes auf dem falschen Fuß erwischt habe.

          Ob solche Befürchtungen gerechtfertigt sind, wird sich erst noch zeigen müssen. Faktisch ist die Preisdifferenz zwischen Öl und Gas im historischen Vergleich trotz der inzwischen teurer gewordenen Gaspreises immer noch vergleichsweise groß. Sie dürfte nicht Substitutionsprozesse nicht nur weiterhin fördern, sondern zu weiteren Wetten auf eine Konvergenz der Preisentwicklung führen. Denn sollten die Energiemärkte einigermaßen vernünftig funktionieren, so ließe sich eine Preisdivergenz dieser Größenordnung kaum erklären. Allerdings mag die absolute Größe der Märkte eine Rolle spielen. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass der Sojapreis an der Terminbörse in Tokio in den vergangenen Wochen deutlich angezogen hat, während er in Chicago fiel. Allerdings sind die gehandelten Volumina in Tokio sehr gering und damit kaum aussagekräftig.

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