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Eisenerz : Neue Marktverhältnisse bringen mehr Unsicherheit

Eisenerz wird teurer Bild: REUTERS

Die Verhältnisse am Eisenerzmarkt ändern sich grundlegend. Künftig werden die Preise wohl stärker schwanken. Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar - weder für Stahl- und Minenaktien, noch für den Nickelpreis.

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          Der Konflikt zwischen den führenden Eisenerzkonzernen der Welt und den großen Stahlproduzenten scheint sich einem Ende zuzuneigen. Der Minenkonzern BHP Billiton vermeldete, kürzere Laufzeiten für seine Lieferverträge mit den asiatischen Stahlkonzernen durchgesetzt zu haben. Damit stünde das seit Jahrzehnten praktizierte System mit einer jährlichen Preisbindungen endgültig vor dem Aus.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch von der brasilianischen Vale heißt es, der Bergbauriese habe sich mit den japanischen Stahlkochern Sumitomo Metal und Nippon Steel für das zweite Quartal 2010 auf einen Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr um 90 Prozent verständigt.

          Chinas Fehlverhalten

          Auslöser der Kräfteverschiebung auf dem Markt war wieder einmal China, dessen Nachfrage den Stahlmarkt wesentlich bestimmt, da China wegen der schlechten Qualität der eigenen Erzbergwerke auf Importe angewiesen ist. Im vergangenen Jahr nun hatten die einflussreichsten chinesischen Importeure keine Einigung mehr mit den Lieferanten erzielt, während viele kleinere chinesische Stahlkocher sich ohnehin von jeher am freien Markt versorgten.

          Bild: F.A.Z.

          Damals hatten die Chinesen offenbar auf langfristig niedrige Erzpreise spekuliert, da zu diesem Zeitpunkt die Preise auf dem Spotmarkt für täglich verfügbares Erz um mehr als zwei Drittel eingebrochen waren.

          Während also die geeinte Front der Produzenten somit längst durchbrochen ist, sorgt die derzeit weiter laufende Auffüllung der Lager für eine hohe Nachfrage. Der Preis für die Tonne exportiertes Eisenerz in chinesischen Häfen steht derzeit bei 157 Dollar. Das sind 250 Prozent mehr als der am Mittwoch auslaufende Referenzpreis der Jahreskontrakte betrug.

          „Wir sind Getriebene“

          Die europäischen Stahlhersteller fürchten nach dem offensichtlichen Einknicken ihrer asiatischen Konkurrenten, dass nun auch für sie flexiblere Preise Einzug halten könnten. Viel ausrichten können die Europäer gegen die Verhandlungsmacht der drei großen Erzproduzenten nicht. „Wir sind Getriebene“, räumt etwa Salzgitter-Chef Wolfgang Leese ein.

          Eine neues System muss indes kein tägliches Schwanken der Preise bedeuten. So hat die japanische Sumitomo Metals Quartalsverträge vereinbart und soll 100 bis 110 Dollar ab dem 1. April zahlen. Wie der Gordon Moffat, Generaldirektor des Branchenverbandes Eurofer in einem Interview andeutete, ist davon auszugehen, dass Quartalsverträge auch in Europa Einzug halten werden.

          Die Analysten von M.M. Warburg halten die von den Erzproduzenten geforderten Preiserhöhungen von 110 Prozent für wenig realistisch und rechnen mit einer Erhöhung um 70 Prozent und 80 Prozent für Kokskohle, auf welchem Markt ähnliche Bedingungen vorliegen, wie derzeit bei Eisenerz.

          Auch Kokskohle wird teurer

          Nichtsdestoweniger werden die Stahlpreise, so Moffat, wohl um ein Drittel steigen und künftig stärker schwanken, weil die Produzenten die Preiserhöhungen weitergeben müssten. Inwieweit sie dies können, ist derzeit umstritten. So befürchten die Analysten von M.M. Warburg, dass dies angesichts ungewisser Nachfrageaussichten für das zweite Halbjahr schwierig werden könnte. Auch die Analysten der BHF-Bank sehen Risiken für die Margen des Stahlkochers Salzgitter.

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