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Einstige Goldgrube : Rohstoffe werden für Banken zur Last

  • -Aktualisiert am

Hochfinanz in Detroit: So lagert Goldman Sachs Aluminium Bild: Reuters

Die Großbank JP Morgan zieht sich aus dem physischen Handel mit Rohstoffen zurück. Doch niedrige Gewinne und hohe Anforderungen im Rohstoffgeschäft sind eine Belastung für alle Banken-Branchengrößen.

          Der Handel mit physischen Rohstoffen hängt den Banken wie ein Klotz am Bein. Niedrige Gewinne und schlechte Presse stehen einem hohen Aufwand gegenüber. Nun hat sich auch noch die Großbank JP Morgan Chase entschieden, sich aus dem physischen Geschäft mit Rohstoffen zurückzuziehen. Als Begründung nannte sie unter anderem hohe regulatorische Herausforderungen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Geldhaus kündigte an, „strategische Alternativen“ zu suchen. Konkret geht es unter anderem um das Metall-Lagerhausgeschäft von Henry Bath sowie Öl- und Energiehändler in Houston und New York. Im Gespräch sind ein Verkauf, eine Abspaltung sowie eine strategische Partnerschaft. Die Gerüchte um einen Verkauf der Rohstoffsparte gibt es schon länger.

          Was die Bank allerdings verschweigt: Der Handel mit Rohstoffen ist schon längst nicht mehr die Goldgrube von einst. Alle Banken-Branchengrößen verzeichnen Umsatzrückgänge. Im Jahr 2012 sanken diese um 24 Prozent auf nur noch 6 Milliarden Dollar – ein kleiner Kuchen für viele Geldhäuser. Während sie 2008 noch von Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent träumen konnten, sind es heute im Schnitt nur noch 8 Prozent.

          Großbanken drohen Einschränkungen im Rohstoffgeschäft

          Branchenprimus Goldman Sachs setzte 2012 nur noch 575 Millionen Dollar mit seiner Rohstoffsparte um – damit brach der Umsatz um zwei Drittel ein. Auch das Geschäft von Morgan Stanley schrumpfte um etwa 20 Prozent. Die Bank JP Morgan Chase, die ihr Geschäft veräußern will, setzte 16 Prozent weniger um, nachdem der Rohstoffhandel schon 2011 um 11 Prozent gesunken war.

          Dazu kommen die regulatorischen Herausforderungen. Erst Recherchen der „New York Times“, nach denen Goldman Sachs seit Jahren den Aluminiumpreis manipuliert haben soll, weckten die zuvor desinteressierten Behörden auf. Nun beschäftigt sich der einflussreiche Bankenausschuss des amerikanischen Senats mit der Frage, ob Banken überhaupt Kraftwerke, Ölraffinerien und Lagerhäuser besitzen sollten. Auch die amerikanische Notenbank Fed überprüft als Aufsichtsbehörde mögliche Einschränkungen für die Großbanken.

          Die drohenden Einschränkungen waren nun der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte: Nach jahrelangen Gerüchten entschloss sich JP Morgan Chase, das Rohstoffgeschäft abzustoßen. Dabei sind die Banken eher kleine Nummern im Rohstoffhandel. Dieser wird von Unternehmen aus der Schweiz dominiert. Allein über Genf werde inzwischen ein Drittel des weltweiten Ölhandels abgewickelt, schätzt die französische Großbank BNP Paribas. Die Händler von Vitol etwa machten im Jahr 2011 knapp 297 Milliarden Dollar Umsatz, die Konkurrenten Glencore und Gunvor erzielten im vergangenen Jahr Erlöse von 236 und 93 Milliarden Dollar.

          Die Schweiz ist für einzelne Rohstoffe wie Rohöl der weltweit größte Handelsplatz. Laut einem Regierungsbericht sind 500 Unternehmen und rund 10.000 Menschen im Rohstoffhandelsgeschäft tätig. Der Grund für die bedeutende Stellung liegt in der Tradition und dem für Unternehmen günstigen Umfeld. Stabile politische, ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen, relativ niedrige Steuern sowie eine freundliche Regulierung haben über Jahre Rohstoffunternehmen aus aller Welt angezogen. Neben der hohen Lebensqualität tragen die Banken in Zürich und Genf, die viel Geld für die Geschäfte bereitstellen, zur Attraktivität des Standorts bei.

          Aber auch in Amerika gibt es abseits der Banken große Händler – diese haben sich aber zumeist auf Agrarprodukte spezialisiert, da die Vereinigten Staaten für viele Getreide die größten Produzenten sind. Unumstrittene Nummer eins ist Cargill, die jährlich etwa 135 Milliarden Dollar umsetzt. Etwa ein Viertel aller amerikanischen Getreideexporte werden von Cargill getätigt, auch den Fleischmarkt beherrscht das Unternehmen mit einem Marktanteil von 22 Prozent. Neben Handel und Vertrieb von Agrargütern produziert das riesige Familienunternehmen auch Tierfutter.

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