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Edelmetallfonds : Die gefährliche Wette auf Silber

Ein Schatz im Tresor: Seit Anfang August legte der Silberpreis 15 Prozent zu Bild: REUTERS

Silber entwickelt sich besser als Gold. Immer mehr von dem weißen Edelmetall liegt in Fonds. Dadurch hält sich der Preis stabil. Doch die neue Beliebtheit kann Anleger noch teuer zu stehen kommen.

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          Am Silbermarkt müsste eigentlich Goldgräberstimmung herrschen. Seit Anfang August gewann das weiße Edelmetall knapp 15 Prozent an Wert hinzu, Gold liegt mit lediglich 8 Prozent deutlich dahinter zurück. Bei steigenden Preisen freuen sich Investoren in der Regel über die Goldgräberstimmung – nicht so unbedingt auf dem Silbermarkt, dort dominieren lange Gesichter das Geschehen. Das liegt nicht nur daran, dass der Silberpreis in den vergangenen 12 Monaten 35 Prozent an Wert verloren hat. Der Grund des Anstiegs lässt viele Investoren vorsichtig werden.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das liegt an der besonderen Situation auf dem Fondsmarkt, den Anleger ganz genau beobachten sollten. Sogenannte ETC – spezielle Fondsprodukte, die mit Silber hinterlegt sind – verzeichnen seit Anfang Juli signifikante Zuflüsse. Beim Gold werden unterdessen Positionen weiter abgebaut. So haben Silber-ETC mit 706 Millionen Dollar an Zuflüssen die zweithöchsten Mittelzuflüsse aller Rohstofffonds zu verzeichnen. Am Goldmarkt gibt man sich dagegen schon mit weniger guten Nachrichten zufrieden: Die Mittelabflüsse aus Gold-ETC setzen sich zwar fort, verlangsamen sich aber deutlich. Im dritten Quartal sanken diese um 4,2 Milliarden Dollar, nachdem es im zweiten Quartal noch bis zu 18,5 Milliarden Dollar waren. Die Abflüsse werden momentan Monat für Monat geringer. Silber entzieht sich dem Trend – und das macht die Investoren nervös.

          Investoren positionieren sich nicht eindeutig

          Denn am Goldmarkt waren die steigenden Zuflüsse in ETC ebenso ein Grund für den rasant steigenden Goldpreis. Teilweise stellte die Beliebtheit bei den Investoren etwa 15 Prozent der globalen Nachfrage dar. Diese ist allerdings dieses Jahr dramatisch eingebrochen. Im laufenden Jahr wurde schon so viel Gold verkauft, wie sonst in knapp 3 Jahren gekauft wird. Somit sank gleichzeitig die Nachfrage, und das Angebot stieg – damit sanken die Preise. Ähnliches befürchten Fachleute nun auch am Silbermarkt, allerdings in einer noch stärkeren Ausprägung. Denn die hohe Nachfrage hat den Preis allenthalben stabilisiert.

          Worin liegt nun der Reiz, der Anleger bei dem Edelmetall zugreifen lässt? Der Reiz des Silbers liegt vor allem darin, dass man von zwei gegensätzlichen Entwicklungen profitieren kann – quasi eine Wette, bei der man am Ende zwangsläufig gewinnen müsste. Einerseits lieben Investoren Silber, weil es so stark in der Industrie eingesetzt wird. Fast die Hälfte der jährlichen Produktion wandert direkt in die Wirtschaft und wird dort weiterverarbeitet. Erholt sich also die Wirtschaft und damit auch die Industrie, steigt die Nachfrage – und damit auch der Preis. Aber auch wenn es abwärtsgeht mit der Weltwirtschaft, hat Silber immer noch den Bonus des Edelmetalls – und dient somit als sichere Anlage in der Krise. Diese Wette kann allerdings auch gehörig schiefgehen: Wird die Nachfrage nur durch Investoren simuliert und steigt sie nicht zeitgleich industriell, kommt es spätestens zum Preiseinbruch, wenn die Investoren ihr Interesse verlieren – eben wie beim Gold.

          Noch haben sich die Investoren nicht eindeutig positioniert, wie die Netto-Long-Positionen zeigen. Diese Kontrakte sind eine Art Wette darüber, ob die Preise fallen oder steigen werden. Aktuell gibt es beim Silber knapp 20.000 solcher Positionen. Das ist zwar eine leicht positive Tendenz, aber im mehrjährigen Durchschnitt ist der Wert weit unterdurchschnittlich. Beim Gold ist die Lage nicht viel besser: Aktuell wetten dort 71.500 Investoren auf steigende Preise – auch dieser Wert liegt weit unter den mehrjährigen Durchschnittswerten. Noch kann man es also auf die einfache Formel bringen, dass Silber Gold schlägt. Ob das nun aber nur ein Strohfeuer ist oder eine dauerhafte Entwicklung, wird sich erst zeigen, wenn sich die Investoren wieder aus den Fonds zurückziehen.

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