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Edelmetalle : Zu Gold und Silber rat ich sehr

Es glänzt so schön. Bild: dpa

Der Goldpreis ist seit Januar stark gestiegen. Und mit ihm auch der Silberpreis. Noch ist es nicht zu spät für einen Einstieg.

          Edelmetallfans mussten lange warten, um mal wieder gute Nachrichten zu hören. Seit seinem Höchststand Mitte 2011 hatte sich der Goldpreis fast halbiert. Doch jetzt ist Gold wieder da. Seit Jahresbeginn ist sein Preis, in Dollar gerechnet, um 20 Prozent gestiegen. Der Silberpreis, sein kleiner Bruder, sogar um 25 Prozent.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erstmals seit langem haben die Edelmetalle damit wieder ihre Rolle als Versicherung erfüllt. Wer sie im Depot hatte, konnte die Verluste am Aktienmarkt zu Jahresanfang abmildern. In den Jahren zuvor waren ihre Preise gefallen, trotz Euro-Krise, lockerer Geldpolitik und anderer Krisensignale.

          Doch nach Jahresbeginn, als die Sorgen um die Konjunktur in China und Amerika stiegen, suchten die Anleger nach Alternativen. Lange waren das die Anleihen, doch sie sind mittlerweile sehr teuer geworden - und damit die Renditen sehr niedrig, häufig negativ. So wurden die Edelmetalle neu entdeckt, obwohl die Inflation niedrig ist. Diese war früher der Haupttreiber für steigende Edelmetallpreise. Nun jedoch schwindet wie nie zuvor das Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken, die Wirtschaft anzukurbeln und wieder für etwas Inflation zu sorgen.

          Die Anleger sind verunsichert und suchen nach soliden Geldanlagen. Und schließlich: Die Negativzinsen beseitigen einen großen Nachteil, den die Edelmetalle normalerweise immer haben: Sie werfen keine Zinsen ab wie die Anleihen. Anleger profitieren dann nur von Kursgewinnen der Metalle. Doch jetzt müssen Anleger bei Anleihen sogar noch draufzahlen.

          Einige Profianleger hat das bewogen, ihr Geld nicht in bar, sondern in Gold zu parken, wenn sie auf günstige Kaufmöglichkeiten warten. Zum Beispiel der Vermögensverwalter Bert Flossbach, der einen der größten und erfolgreichsten Mischfonds Deutschlands verwaltet. Er hat seinen Goldanteil von 8 auf 14 Prozent aufgestockt. Für täglich verfügbare Einlagen müssten Großanleger 0,45 Prozent Strafzins zahlen, für die Haltung von physischem Gold nur 0,1 Prozent. „Ich sehe Gold als Versicherung an, die nichts kostet“, sagt Flossbach.

          Allerdings sind Edelmetalle riskanter als Bargeld. Denn sie können eben auch deutlich an Wert verlieren. Im Moment lohnt sich aber Flossbachs Geld-Parkplatz. Die Preise sind gestiegen, obwohl sich die Aktienmärkte erholt haben. „Ich erwarte einen weiteren Anstieg der Edelmetallpreise in diesem und nächsten Jahr“, sagt der Chef-Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg. Grund sei die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, die für Unsicherheit sorgt.

          Die Schmucknachfrage dagegen sei nicht entscheidend. Weinberg warnt aber auch: „Die Preise sind zuletzt schnell geklettert. In den nächsten ein bis drei Monaten dürften sie erst einmal etwas zurückgehen, bevor sie weiter steigen.“ Für Anleger heißt das: In den kommenden Wochen könnten sich günstigere Kaufgelegenheiten bieten als derzeit.

          Dann wird die Frage sein, ob Gold oder Silber die bessere Wahl ist. Beides gibt es in physischer Form oder als Wertpapier. Der Kursverlauf von Silber und Gold war in der Vergangenheit ähnlich. Silber hat den Vorteil, dass es günstiger zu haben ist. Während eine Feinunze Gold derzeit etwa 1270 Dollar kostet, muss man für die gleiche Menge Silber nur rund 17 Dollar bezahlen. Das macht Silber gerade für Privatanleger interessant. Der Silberpreis schwankt auch stärker. Steigt der Goldkurs, steigt der Kurs von Silber noch stärker, wie es auch in diesem Jahr war und in den nächsten beiden Jahren sein könnte. Allerdings verliert es im Fall der Fälle auch stärker.

          Silber hat noch ein paar andere Haken: Es wird auch industriell genutzt, zum Beispiel in der Medizin. Der Preis hängt also auch von der Konjunkturentwicklung ab. Wer Silber in physischer Form kauft, muss mehr für die Lagerung bezahlen als für Gold, weil man für die gleiche Menge Geld viel mehr Kilo Silber zu lagern hat. Das ist die Kehrseite des niedrigeren Preises. Sowohl Gold und Silber werden gerade bei kleinen Summen auch mit hohen Kaufgebühren belastet, wenn man sie physisch und nicht als Wertpapier erwirbt.

          Steuerlicher Nachteil für Silber

          Steuerlich ist Silber gegenüber Gold benachteiligt. Es wird mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet. Gold ist hingegen mehrwertsteuerfrei. Beide Edelmetalle haben den Vorteil, dass Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei sind, es fällt keine Abgeltungsteuer an wie etwa bei Zinsen oder Aktien.

          Anleger sollten auch immer beachten, dass sie die Edelmetalle mit Euro bezahlen, diese aber in Dollar notieren. Das war bis Ende 2015 ein Vorteil. Weil der Euro zum Dollar schwächer wurde, ist Gold in Euro gerechnet schon seit Anfang 2014 kräftig und Silber leicht gestiegen, obwohl die Preise in Dollar noch fielen. Im Frühjahr wurde der Euro jedoch stärker und bremste den Erfolg der Edelmetalle etwas. In Euro hat Gold daher auch nur 14 Prozent und Silber nur 19 Prozent hinzugewonnen. Wer die Edelmetalle kaufen möchte, muss also hoffen, dass der Euro nicht noch weiter zulegt.

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