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Edelmetalle : Wie Rohstoffspekulanten Autos teurer machen

Ich brauch’s nicht, aber ich hab’s... Bild: REUTERS

Die Investitionen von Fonds in Rohstoffen verzerren die Preise und verknappen das Angebot. Das schadet auch dem Wirtschaftswachstum.

          2 Min.

          Die Meldung überraschte sogar alteingesessene Analysten: Auf dem Platinmarkt wird im laufenden Jahr eine riesige Lücke zwischen Angebot und Nachfrage klaffen. Johnson Matthey, der weltgrößte Verarbeiter des Edelmetalls, rechnet damit, dass insgesamt 605.000 Feinunzen weniger Platin gefördert und recycled werden, als nachgefragt werden wird. So eine große Lücke gab es zuletzt im Jahr 1999.

          10 Prozent des gekauften Platins wird nicht gebraucht

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen ist die Förderung der Minen noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau - auch bedingt durch die Streikausfälle - und die Nachfrage aus der Industrie ist sehr hoch. Vor allem ist aber die Nachfrage der großen Rohstofffonds an der Lücke schuld.

          Jährlich werden etwa 190 Tonnen des Edelmetalls gefördert. Dazu kommen nochmals weitere 50 Tonnen, die recycled wurden. Etwa 40 Prozent des verfügbaren Platins geht sofort in die Autoindustrie. Dort wird es wegen seiner speziellen chemischen Eigenschaften als Katalysator eingesetzt. Ein weiteres Drittel geht in die Schmuckindustrie. Und neuerdings fließt ein nicht zu kleiner Teil in Fonds ab. Dieses Jahr stiegen die Bestände so stark wie noch nie, etwa 30 Tonnen flossen in die Rohstofffonds. Damit bilden Investoren, die kein physisches Interesse an Platin haben, mittlerweile etwa 10 Prozent der jährlichen Nachfrage.

          Für die Weltwirtschaft wird das langsam zum Problem. Es ist eine einfache volkswirtschaftliche Rechnung: Wird das Angebot knapp bei gleichzeitig hoher Nachfrage, steigt der Preis. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass nicht nur der Platinschmuck wertvoller wird, sondern sich auch Autos verteuern könnten.

          Zieht die Nachfrage nach Fahrzeugen wieder an, weil sich die Weltwirtschaft erholt, könnte es zu einem Preissprung kommen. Profitieren werden am Ende die Spekulanten, die auf ihren Beständen sitzen. Seit Ende 2008 ist Platin 90 Prozent teurer geworden, aktuell kostet eine Feinunze ungefähr 1435 Dollar. Im selben Zeitraum haben sich auch die Fondsbestände verneunfacht.

          Welche Bedeutung die Investmentnachfrage für Rohstoffe hat, kann man noch immer sehr gut an der Goldpreisentwicklung nachvollziehen. Diese hängt eng mit der starken Nachfrage nach Goldfonds zusammen. Bis zum Dezember 2012 wurden fast 85 Millionen Feinunzen in mit dem Edelmetall hinterlegten Fonds angelegt. Heute sind es mit 60 Millionen Feinunzen knapp ein Drittel weniger. Damit wurde in nur einem Jahr so viel Gold verkauft, wie in drei Jahren von den Fondsgesellschaften gekauft wurde.

          Auch hier ist es wieder eine einfache Rechnung: Da die Investmentnachfrage teilweise ein Fünftel der Gesamtnachfrage aus dem Edelmetall ausgemacht hat und nun auf einmal Gold verkauft wird, sinkt die Nachfrage. Gleichzeitig steigt auch das Angebot, da das Gold auf den Markt geworfen wird. Dadurch bricht der Goldpreis ein. Seit Jahresanfang verlor das Edelmetall etwa 26 Prozent an Wert auf 1275 Dollar je Feinunze.

          Selbst wenn die Fonds die Rohstoffe nicht physisch in Lagerhallen halten, sondern nur Optionen auf Papier besitzen, verknappt sich das Angebot. Denn die Verkäufer der Optionen müssen zumindest damit rechnen, dass ein Teil der Lieferverträge auch tatsächlich eingelöst werden muss - und für diesen Fall brauchen sie Rücklagen der Rohstoffe.

          Es gibt schon Überlegungen, den Handel mit bestimmten, für die Industrie notwendigen Rohstoffen für Spekulanten einzudämmen. In den Vereinigten Staaten wollte die Börsenaufsicht SEC schon die ersten Kupferfonds verbieten. Auch im amerikanischen Senat startete der demokratische Senator Carl Levin eine Initiative, um solche Fonds zu verbieten.

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