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Edelmetalle : Wachsende Unruhe am Goldmarkt

Begehrte Ware: Goldschmuck im indischen Mumbai. Bild: REUTERS

Finanzanleger drücken die Preise für das Edelmetall. Silber und Platin profitieren umso mehr, desto besser die Konjunktur läuft.

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          Der jüngste Preisrückgang am Goldmarkt hat sogleich Schnäppchenjäger angezogen: Nachdem der Preis für das Edelmetall bis auf ein Zweimonats-Tief gesunken war, griffen manche Anleger zu. Besonders in Asien war das Interesse an physischen Käufen groß. Allerdings hat Indien als größter Goldnachfrager auf der Welt, die Importsteuern auf Gold zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht – das drückte die Preise weiter. Ob die Käufer überhaupt ein Schnäppchen machen, wird sich noch zeigen. Sicher ist, dass am Goldmarkt Unruhe herrscht. Es seien kurzfristig orientierte Finanzanleger, die verstärkt in Aktien umschichten und Long-Positionen (also Wetten auf steigende Preise) in Gold reduzieren, heißt es bei der Commerzbank.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Gold ist die klassische Krisenwährung, Anleger präferieren das Metall als Werterhalt in Zeiten hoher Staatsschulden zur Absicherung gegen Inflation, aber auch gegen einen sinkenden Wert des Dollar. Die Aussicht auf große Notenbankhilfen hat dem Goldpreis Auftrieb verliehen. Doch nachdem die amerikanische Notenbank Federal Reserve vergangene Woche durchblicken ließ, kein weiteres Anleihe-Kaufprogramm zur Stützung der weltgrößten Volkswirtschaft zu starten, ist der Goldpreis unter Druck geraten. „Spekulativ eingestellte Großanleger reagieren mit Verkäufen auf die Erwartung, dass die amerikanische Notenbank Fed ihre Geldpolitik wahrscheinlich nicht weiter lockert“, sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. „Diese Anleger waren zuvor von einer Lockerung ausgegangen.“ Schon prognostizieren Rohstoffinvestoren wie Christoph Eibl von der Schweizer Tiberius Group bis Ende 2012 einen Goldpreis von 1200 Dollar pro Feinunze (je 31,1 Gramm). Am Freitag kostete Gold 1650 Dollar.

          Langfristig orientierte Anleger fragen physisches Gold weiter nach

          Allerdings: Der Goldpreis liegt seit Anfang des Jahres noch mit 5 Prozent im Plus. Und die langfristig orientierten Anleger sind dem Metall treu geblieben. Die Bestände der mit Gold hinterlegten börsennotierten Indexfonds Gold-ETF (Exchange Traded Funds) liegen mit 77 Millionen Unzen und damit 2409 Tonnen auf einem Rekordniveau, so die Commerzbank-Analysten in einem Bericht. Wegen der langfristigen Inflationsrisiken würden die langfristig orientierten Anleger in Gold wohl investiert bleiben.

          Analyst Vogel von der DZ Bank sieht die Zentralbanken weiter auf der Käuferseite. Er geht davon aus, dass der Goldpreis bis zum Jahresende auf 1950 Dollar steigen werde – bei weiterhin hoher Volatilität durch das starke Engagement spekulativer Investoren.

          Platin teurer als Gold

          Das Edelmetall Platin hält sich hingegen relativ stabil. Der Preis stieg im Wochenverlauf bis über die Marke von 1700 Dollar je Feinunze und war damit zum ersten Mal seit September wieder teurer als Gold. Schmuckhändler haben Platin durch Gold ersetzt. Und es ist verstärkt Kapital in Platin-ETF geflossen. Ein Streik in einer der größten Platinminen der Welt drückte das Platinangebot. Sechs Wochen war in der Mine in Rustenburg in Südafrika nicht produziert worden. Die Arbeitsniederlegung galt als Hauptgrund, weshalb der Platinpreis seit Beginn dieses Jahres um mehr als 20 Prozent zugelegt hatte. Mit Wiederaufnahme der Arbeit in der Rustenburg-Mine fiel der Platinpreis aber wieder.

          Der Preis des vornehmlich in der Autoindustrie genutzten Edelmetalls dürfte allerdings weiter steigen, argumentieren Rohstoffanalysten und verweisen auf verbesserte Konjunkturaussichten. Da die Produktionskosten für Platin höher lägen und es seltener vorkomme als Gold, sei ein höherer Preis gegenüber Gold gerechtfertigt.

          Industriemetalle profitieren von günstigen Konjunkturaussichten

          Auch Silber sollte von einem Konjunkturaufschwung profitieren. Denn Silber wird im Gegensatz zu Gold auch verstärkt als Rohstoff in der Industrieproduktion verwendet. Die Analysten der Heraeus Metallhandelsgesellschaft urteilen allerdings, dass die industrielle Nachfrage noch verhalten sei. Der Silberpreis werde eher von spekulativ orientierten Anlegern getrieben. Der Silberpreis schwankte in den vergangenen Wochen stark: Binnen einer Woche Ende Februar fiel er von rund 37 Dollar auf unter 33 Dollar je Feinunze – ein Wochenverlust von bis zu 15 Prozent. Am Freitag kostete Silber rund 32 Dollar.

          Doch DZ-Bank-Analyst Vogel erwartet für Silber und Platin in den kommenden Monaten eher steigende Preise. Die Erwartung eines konjunkturellen Aufschwungs habe sich stabilisiert, das zeigten etwa die globalen Einkaufsmanagerindizes im Januar und Februar. Derzeit prognostizierten viele Marktteilnehmer die Industrienachfrage für Silber schlechter, als sie Vogel zufolge sei. Durch die steigende Nachfrage nach Elektronikprodukten werde China dem Weltmarkt zunehmend Silber entziehen. Der Rohstoffexperte schätzt, dass der Silberpreis im vierten Quartal durchschnittlich bei 38 Dollar je Feinunze liegen werde, bis zum Jahresende könne er sogar auf 40 Dollar je Feinunze steigen.

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