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Edelmetalle : Spekulanten trauen Gold und Silber nicht mehr

Goldpreis und -bestände sowie Silberpreis seit 2009 Bild: F.A.Z.

Eine Erholung für die Edelmetalle schien in greifbarer Nähe zu sein. Doch die Preise fallen, und es stellt sich Ernüchterung ein. Schuld sind Spekulanten und der boomende Aktienmarkt.

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          Goldbesitzer sahen sich Mitte März schon auf der sicheren Seite: Der Goldpreis erreichte mit 1.377 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein mehrmonatiges Hoch. Kurz darauf gab es sogar noch ein sogenanntes „Goldenes Kreuz“ – ein aus der Analyse von Kursgrafiken bekanntes Muster, das als Kaufsignal gilt. Doch auch daraus entstand keine neue Hausse. Aktuell notiert der Goldpreis nur noch mit rund 1.245 Dollar und damit auf dem tiefsten Stand seit Januar.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei Silber ist die Lage noch schlechter. Dort kostet eine Feinunze nur noch rund 18,70 Dollar und damit so wenig wie zuletzt im Jahr 2010. Schuld daran sind in erster Linie Marktteilnehmer, von denen aber nicht alle auf eine Baisse der Edelmetalle spekulieren. Manche ziehen sich einfach aus dem Markt zurück. Jahrelang haben Spekulanten zur Hausse des Goldpreises beigetragen. Dies geschah vor allem durch sogenanntes Papiergold, also mit Produkten am Terminmarkt.

          Aber auch börsengehandelte Indexprodukte, die physisch mit Gold und Silber hinterlegt sind, haben die Preise früher in die Höhe getrieben. Teilweise ging fast ein Fünftel der Gold-Jahresproduktion in die Fonds und stand dem Markt nicht mehr zur Verfügung. Der Goldpreis erreichte seinen historischen Höchststand im Sommer 2011.

          Ein Todeskreuz im Kursbild

          Die Fonds begannen vor allem im vergangenen Jahr, Gold zu verkaufen. Nun ziehen sich auch noch andere Spekulanten aus dem Markt zurück. „Der Verkaufsdruck kommt wohl weiterhin über den Terminmarkt“, schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. „Wie wir bereits mutmaßten, war schon der Preisverfall zu Beginn der letzten Woche in erster Linie auf spekulative Finanzanleger zurückzuführen.“ Die Netto-Long-Positionen, das sind eine Art Wetten auf steigende Preise am Terminmarkt, wurden um 29 Prozent auf nur noch 57.600 Kontrakte reduziert. Das ist der niedrigste Stand seit knapp vier Monaten.

          Auch beim Silber geht es weiter abwärts. Hier bauten Marktteilnehmer ihre Short-Positionen, das sind Wetten auf sinkende Preise am Terminmarkt, deutlich aus. Mit 4.200 solcher Kontrakte ist das der höchste Stand, seitdem diese Daten im Jahr 2006 das erste Mal erhoben wurden. Aus charttechnischer Sicht droht neues Ungemach. Denn am Montag wurde ein sogenanntes Todeskreuz im Kursbild sichtbar.

          Es tritt auf, wenn der kurzfristige Trend negativer ist als der langfristige. Charttechniker bilden den kurzfristigen Trend gern mit der 50-Tage-Linie und den langfristigen mit der 200-Tage-Linie ab. Schneidet die kurzfristige Linie die langfristige von oben wie beim Todeskreuz, sehen charttechnische Analysten sinkende Preise voraus. Auch manche Computerprogramme reagieren auf solche Signale. Das Goldene Kreuz beschreibt den umgekehrten Fall.

          Geld wandert im Moment eher in Aktien

          Die Lage am Markt bleibt damit schwierig. So hat die Nachfrage aus den beiden größten Goldnachfrageländern China und Indien weiter deutlich nachgelassen. China importierte im April mit 67 Tonnen so wenig aus Hongkong wie zuletzt vor über einem Jahr. Die chinesischen Banken sitzen offenbar auf so hohen Goldbeständen, die sie erst abbauen müssen, bevor sie neues Gold aus Hongkong importieren. Daneben haben aber auch Zentralbanken wie etwa die türkische wesentlich weniger Gold gekauft. Dies erklärt sich nicht zuletzt mit der schwachen Heimatwährung.

          Aber auch die Verkäufe von Münzen sind, unter anderem in den Vereinigten Staaten, deutlich zurückgegangen. Das bestätigen Zahlen des World Gold Councils. Diese Interessenvertretung der Goldindustrie geht davon aus, dass im ersten Quartal die physische Nachfrage nach Barren und Münzen um fast 40 Prozent zurückgegangen ist. Allerdings sind die Abflüsse aus den Goldfonds zuletzt fast zum Erliegen gekommen.

          Auch die starke Verfassung der Aktienmärkte belastet die Preise der Edelmetalle. Geld wandert im Moment eher in Aktien als in Gold und Silber. Schließlich wirken sich die sehr niedrigen Inflationsraten merklich bremsend auf den Goldpreis aus. Denn das Edelmetall gilt als klassischer Schutz vor Inflation. Die Betrachtung der Nachfrageseite liefert derzeit keine Hinweise auf einen kräftigen Anstieg des Preises. „Solange die Stimmung nicht dreht, dürften Gold und Silber weiter unter Druck stehen“, schlussfolgert Weinberg.

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