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Edelmetalle : Spekulanten drücken Preise für Platin und Palladium

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr en vogue Bild: REUTERS

In den vergangenen Monaten standen die beiden Edelmetalle hoch im Kurs. Inzwischen sind die Preise jedoch stark gesunken - nicht nur wegen der Konjunktursorgen. Auch spekulativ orientierte Anleger haben sich zurückgezogen.

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          Während viele inflationsbesorgte Anleger auf Edelmetalle wie Gold und Silber setzen und die Preise auf einem hohen Niveau halten, verbilligen sich andere Metalle wie Platin und Palladium deutlich. Die beiden Rohstoffe, die primär für den Bau von Autokatalysatoren gebraucht werden, verbuchen hohe Preisrückgänge: Der Preis für Palladium sank im Mai um bis zu 16 Prozent.

          So stark ist der Preis nicht mehr gefallen, seitdem die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Am Montag kostete Palladium 467 Dollar je Feinunze. Für Platin mussten 1566 Dollar je Feinunze gezahlt werden.

          Heißes Geld wird kalt

          „Für den starken Preisrückgang bei Platin und Palladium sind vor allem Spekulanten verantwortlich“, sagt LBBW-Rohstoffexperte Thorsten Proettel, „dies belegen Daten der amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC.“ Im Fall von Platin hätten Spekulanten ihre Netto-Long-Position um rund 8000 Kontrakte reduziert (siehe Infografik). „Das entspricht rechnerisch mehr als 12 Tonnen Platin und ist für den kleinen Markt nicht gerade wenig“, sagt Proettel. „Insofern ist es kein Wunder, wenn der Preis kurzfristig einknickt, und das gilt ebenso für Palladium.“ Als Spekulanten sind in diesem Zusammenhang Anleger gemeint, die nicht zur Produzentenseite (also zum Beispiel Minenkonzerne) oder Käuferseite (aus der Industrie) zählen.

          Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Proettel hätten die spekulativ orientierten Finanzanleger schnell auf die Sorgen vor einer Konjunkturverschlechterung reagiert. „Die Spekulanten haben wohl kalte Füße bekommen und Gewinne mitgenommen.“ Im Zuge der Euro-Krise und der Befürchtung, dass die globale Wirtschaftslage sich eintrübt, hatten in den vergangenen Wochen die Aktienbörsen zum Teil kräftig nachgegeben. Die steigende Risikoscheu der Investoren belastete auch die Rohstoffmärkte - Edelmetalle wie Gold verbuchten zwar wegen der Furcht vor Geldentwertung hohe Preissteigerungen. Andere Metalle, die primär in der Industrie Verwendung finden, wurden aber deutlich billiger.

          Fonds kauften Metall auf

          Dabei hatte das Interesse der Investoren die Preise für Platin und Palladium deutlich getrieben. Der Preis für Palladium war von Januar 2009 bis April 2010 jeden Monat gestiegen. Besonders Fondsanleger waren aktiv. Seit Anfang dieses Jahres gibt es neue Rohstofffonds in den Vereinigten Staaten. Diese Fonds, die in Platin und Palladium investieren, sorgen für höhere Preise, weil die Fondsanbieter die Rohstoffe auch physisch kaufen, um ihre Fondsangebote - sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) - mit den Rohstoffen zu hinterlegen. In Europa gibt es solche Platin- und Palladium-ETF schon seit 2007.

          Anleger, die an der Preisentwicklung von Platin und Palladium teilhaben möchten, können nicht nur in solche börsengehandelte Indexfonds investieren. Auch Münzen und Barren für Platin und Palladium gibt es, sie spielen aber eine geringere Rolle, zumal bei einem Kauf 19 Prozent Mehrwertsteuer in Deutschland anfallen. Es gibt zudem Zertifikate, die sich am Preis für Platin und Palladium orientieren. Auch der Kauf von börsennotierten Minenunternehmen ist möglich, doch dabei erwirbt der Anleger nicht direkt den Rohstoff, sondern einen Anteil an dem Förderunternehmen - wie dem Anbieter Anglo Platinum.

          Spekulationen um Südafrikas Produktion während der WM

          Der Einfluss der ETF-Branche im Rohstoffgeschäft steigt. In einem Commerzbank-Bericht heißt es, dass der Platin-ETF des Anbieters ETF Securities in den Vereinigten Staaten mittlerweile für 6 Prozent der globalen Platin-Jahresnachfrage verantwortlich ist. Während die spekulativ orientierten Finanzanleger sich von ihren Anlagen jüngst getrennt haben, sind die ETF-Anleger nach Einschätzung von LBBW-Analyst Proettel nicht Auslöser des Preisrückgangs: „Die Zuflüsse in die Fonds wurden nur kurzfristig unterbrochen.“

          Rund die Hälfte der Nachfrage für Palladium kommt aus der Automobilindustrie für den Bau von Katalysatoren. Eine Erholung der Weltwirtschaft und die steigende Nachfrage der Automobilindustrie dürfte nach Einschätzung des britischen Rohstoff-Analyseunternehmens GFMS dieses Jahr dazu führen, dass das bestehende Angebotsdefizit bei Palladium sich vergrößert und daher die Preise wieder anziehen. So rechnet die Commerzbank mit einem Preis von durchschnittlich 625 Dollar je Feinunze im dritten Quartal.

          Allerdings sei auch ein Rückgang bis Jahresende auf 550 Dollar möglich. Bei Platin drohten Angebotsprobleme, weil der weltweit führende Platinverarbeiter in Südafrika wegen der Fußball-Weltmeisterschaft nicht ausreichend Strom für seine Produktion erhalten könnte. LBBW-Analyst Proettel rechnet damit, dass der Preis für Platin in den kommenden drei Monaten auf 1600 Dollar steigt. Viele Unternehmen, die Platin für ihre Produktion benötigen, dürften das aktuelle Preisniveau zur Ergänzung ihrer Lagerbestände nutzen.

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