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Edelmetalle : Silber ist langfristig weiter für Preisaufschläge gut

  • Aktualisiert am

Bild: LBBW

Nach einem fulminanten Zwischenspurt scheint der Silberpreis kurzfristig etwas heiß gelaufen zu sein. Langfristig gesehen gibt es aber nach wie vor gute Gründe für steigende Notierungen.

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          So richtig was los war in den vergangenen Wochen und Monaten beim Silber. Zum Ausdruck kommt das in fulminanten Preissteigerungen. Ausgehend von den Ende Juli noch gültigen 17,6 Dollar ging es für die Feinunze in der Spitze in der abgelaufenen Woche bis auf 29,33 Dollar nach oben. Investierte Anleger können sich somit in kurzer Zeit über ein Plus von rund 67 Prozent freuen. Die an dieser Stelle abgegebenen Hinweise auf die sich in diesem Bereich bietenden Chancen haben sich somit vollauf bewahrheitet (siehe Links).

          Wie gut es für Silber läuft, zeigt sich auch am direkten Vergleich mit dem Gold. Der Silberpreis ist in diesem Jahr deutlich stärker gestiegen als die Notiz für Gold und das spiegelt sich auch am Verhältnis zwischen dem Silber- und dem Goldpreis wider, das zuletzt auf den niedrigsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren gefallen ist.

          Auf der Suche nach Erklärungen für den rasanten Aufschwung fällt zwangsläufig auf, dass der Anstieg zeitlich mit der Diskussion und dem Beschluss von weiteren Maßnahmen zur geldpolitischen Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft durch die Fed einhergegangen ist. Und dieser Zusammenhang ist auch wenig verwunderlich. Schließlich schüren die fast unvorstellbar hohen Summen, die in die Waagschale geworfen werden die Angst vor der langfristigen Geldwertstabilität. Und nicht gerade kleiner werden diese Bedenken natürlich durch die Schuldenkrise in den Europeripherieländern, die sich zuletzt wieder zugespitzt hat.

          Verdacht von Preismanipulationen erhärtet sich

          Wie sehr sich eine wachsende Zahl an Marktteilnehmern Gedanken über die Zukunft des bestehenden Papiergeldsystems macht, zeigt sich auch an den anhaltend hohen Käufen von Silbermünzen und Silber-ETFs (siehe Grafiken). Und angesichts der Schuldenberge, die auf den Schultern der meisten Industriestaaten lasten, werden diese Ängste auch so schnell nicht nachlassen.

          Schlagzeilen vom Silbermarkt gab es zuletzt aber nicht nur in preislicher Hinsicht. Vielmehr schlug bei jenen Marktakteuren, die schon seit langem Verschwörungstheorien nachgeben, Ende Oktober die Meldung wie eine Bombe ein, dass ,die amerikanische Terminmarktaufsicht CFTC dem dringenden Verdacht auf illegale Preismanipulationen am Silbermarkt nachgehe. Demnach sollen amerikanische Großbanken den Silberpreis mindestens seit 2008 und bis in die Gegenwart nach unten manipuliert haben, um an den Preissteigerungen von Put-Optionen zu verdienen. Laut LBBW-Analyst Thorsten Proettel war das Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die annehmen, Silber wäre viel zu billig.

          Trotz der genannten positiven Einflussfaktoren muss an dieser Stelle nicht extra hervorgehoben werden, dass der Silberpreis inzwischen reif ist für eine Korrektur. Eine kräftige Gegenbewegung wäre nach aller Erfahrung mit einem typischen Verhalten von Anlageinstrumenten nur normal und sollte niemanden überraschen. Wie schnell es durchaus auch in die andere Richtung gehen kann, zeigte sich bereits am Dienstagabend. Denn da sorgte die Meldung, wonach Spekulanten in Zukunft für eine neue Position im Silber-Future eine Sicherheit von 8.775 US-Dollar statt bislang 6.750 Dollar aufbringen und für Absicherungsgeschäfte 6.500 Dollar statt 5.000 Dollar hinterlegen müssen für einen Rückgang vom Tageshoch von 29,36 Dollar bis auf 26,50 Dollar.

          Experten rechnen langfristig mit einem Angebotsdefizit

          Im Grunde genommen besteht aber auch auf dieser deutlich tieferen Basis noch immer ein gewisser Korrekturbedarf, auch um eine Überhitzung des Marktes zu verhindern. Langfristig dürfte aber nicht zuletzt der zunehmende Einsatz von Gold und Silber als Geldersatzspeicher dafür sorgen, dass Silber gefragt bleiben wird. Seit 2006 dürfte sich der Gesamtbestand an Silber in Investmentfonds und ETFs schon mehr als vervierfacht haben - Tendenz vermutlich weiter steigend.

          Gut wären die Aussichten für den Silberpreis erst Recht dann, wenn der Einsatz als Industriemetall noch weiter zunehmen sollte. Und etliche Experten wie der amerikanische Rohstoffanalyst David Morgan gehen genau davon aus. Konkret rechnet er im Jahr 2020 mit einer zusätzlichen Nachfrage nach Silber von 230 Millionen Unzen allein aus der Wasser-/Nahrungsmittelindustrie und der Solarbranche. Gleichzeitig geht Morgan von einer maximalen Produktionsausweitung von 150 Millionen Unzen Silber in zehn Jahren aus. Da Angebot und Nachfrage an Silber derzeit ausgeglichen sind, müsste spätestens in einigen Jahren mit einem Angebotsdefizit gerechnet werden, schlussfolgert die Royal Bank of Scotland in einer Publikation.

          Wer aufgrund dieser Faktenlage mit langfristig weiter steigenden Preisen rechnet, sollte eine klare Anlagestrategie verfolgen, bei der er auch heftige temporäre Preisrückschläge einkalkuliert. Um etwaigen Manipulationen besser aus dem Wege gehen zu können, raten Experten wie Thorsten Schulte vom Silberbrief Silberjunge auch unbedingt dazu, nicht nur auf Derivate, sondern unbedingt auch auf physisches Silber zu setzen.

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