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Edelmetalle : Silber bleibt das Gold des kleinen Mannes

Bild: F.A.Z.

Silber hat seit dem Sommer vergangenen Jahres gegenüber dem Gold deutlich an Wert gewonnen. Langfristig allerdings ist Silber im Wettstreit mit dem gelben Edelmetall der klare Verlierer. Das Preisverhältnis lässt sich bis in das Altertum zurückverfolgen.

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          Silber hat seit dem Sommer vergangenen Jahres gegenüber dem Gold deutlich an Wert gewonnen. Das Preisverhältnis zwischen diesen beiden Edelmetallen, die sogenannte Gold-Silber-Ratio, liegt aktuell bei rund 45 zu 1. Das heißt, man benötigt 45 Unzen Silber, um eine Unze Gold zu kaufen. Im Sommer 2010 war das Verhältnis noch 67 zu 1.

          Das Preisverhältnis zwischen diesen beiden Edelmetallen lässt sich bis in das Altertum zurückverfolgen. Trotz der jüngsten Erholung sieht Silber gegenüber Gold auf sehr lange Sicht wie der klare Verlierer aus. Dies erklärt sich unter anderem mit dem Verlust der Funktion als Währungsmetall. Stattdessen wird Silber heute überwiegend als Industriemetall gesehen, auch wenn seit der Finanzkrise das Interesse von Anlegern wieder gewachsen ist. Gold dient zwar auch nicht mehr offiziell als Währung, wird von vielen Anhängern aber immer noch als Alternative zu den Papiergeldwährungen gesehen.

          Die Gold-Silber-Ratio lässt sich weit in der Menschheitsgeschichte zurückverfolgen. So nennen Historiker für das Ägypten des Jahres 3000 vor Christus ein Verhältnis von 3 zu 1; das heißt, 3 Unzen Silber entsprachen einer Unze Gold. Im europäischen Mittelalter und in der frühen Neuzeit bewegte sich Preisverhältnis über mehrere Jahrhundert um rund 12 zu 1.

          Namensgebend für die Fernsehserie „Bonanza“

          Eine bedeutende Rolle für die Preisbildung spielte zu Beginn des 18. Jahrhunderts Sir Isaac Newton, der nicht nur ein berühmter Physiker, sondern auch Münzmeister des Vereinigten Königreichs war. Damals floss viel Gold nach Großbritannien, während Silber vor allem nach Indien exportiert wurde, das zum britischen Kolonialreich gehörte. Newton veranschlagte das Preisverhältnis mit 15,5 zu 1. In der Folge floss Silber nach Indien und nach China ab, wo es besser bewertet wurde, und in Großbritannien setzte sich die Goldwährung durch.

          Sie wurde zum Vorbild für andere Staaten. So gingen Deutschland nach der Reichsgründung 1871 und die Vereinigten Staaten im Jahre 1873 zu einer Goldwährung über, nachdem zuvor Gold und Silber zugleich Währungsstatus besessen hatten („Bimetallismus“). Dabei war Silber über viele Jahrhunderte hinweg als Währungsmetall wichtiger als das vor allem in Europa seltene Gold.

          Neben dem allmählichen Verlust der Währungsfunktion wirkte ein hohes zusätzliches Angebot preismindernd, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts nahe Virginia City im amerikanischen Bundesstaat Nevada ein riesiges Silbervorkommen (und auch etwas Gold) entdeckt wurde, das den Namen „Comstock Lode“ erhielt. Rund ein Jahrhundert später erhielt sehr wahrscheinlich mit Blick auf dieses Silberlager eine berühmte Western-Serie im amerikanischen Fernsehen den Namen „Bonanza“, der spanischen Ursprungs ist und soviel wie „ertragreiches Erzlager“ bedeutet. Die Fernsehfamilie Cartwright schürfte zwar nicht nach Silber, war aber vermögend, und ihre Ranch „Ponderosa“ lag nahe Virginia City.

          Silber erlebte eine kleine Renaissance

          Nach der Entdeckung des „Comstock Lode“ mussten für eine Unze Gold bis nach dem Ersten Weltkrieg rund 40 Unzen Silber bezahlt werden, denn Silber wurde nur noch selten als Geld nachgefragt, besaß damals aber noch keine industrielle Verwendung. In der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre verlor Silber weiter an Wert. Seinerzeit wurde sogar die magische Schwelle von 100 Unzen Silber für eine Unze Gold erreicht.

          Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Silber eine kleine Renaissance, weil Silber nun als Industriemetall zum Beispiel in der Photographie nachgefragt wurde. Außerdem prägten die Vereinigten Staaten viele Silbermünzen, so dass Mitte der sechziger Jahre für kurze Zeit wieder ein Preisverhältnis wie zu Zeiten Newtons beobachtet werden konnte. Danach jedoch verlor Silber unter Schwankungen wieder deutlich gegenüber dem Gold an Wert – trotz der jüngsten Hausse.

          Erfahrene Anleger können versuchen, mit der Erwartung auf Veränderungen der Ratio Geld zu verdienen. Solche Geschäfte lassen sich am Terminmarkt durch den Kauf von Optionsscheinen gestalten. Der Anleger erwirbt eine Kaufoption auf das Metall, das sich aus seiner Sicht verteuern wird. Gleichzeitig erwirbt er eine Verkaufsoption auf das Metall, das sich aus seiner Sicht verbilligen wird. Derartige „Long/Short“-Strategien werden unter anderem von Hedge-Fonds betrieben. Sie eignen sich aber nur für Privatanleger, die über Praxis mit Optionsscheinen verfügen und sich der mit ihnen verbundenen erheblichen Risiken bewusst sind. Zertifikate, mit denen sich die Gold-Silber-Ratio spielen ließe, existieren nach Auskunft von Emittenten derzeit nicht.

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