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Edelmetalle : Riskante Gelegenheit zum Silberkauf

Der Traum von billiger Sicherheit Bild: dpa

Der Silberpreis geht seit einigen Wochen steil nach oben. Plötzlich scheinen die Fabelpreise des Jahres 1980 zum Greifen nahe. Analysten sehen Spielräume nach oben, warnen aber vor der Gefahr eines möglichen Rückschlags und dessen Konsequenzen.

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          Mit nunmehr 36,37 Dollar je Feinunze hat der Silberpreis am Mittwoch abermals einen neuen Höchststand erreicht. Seit dem vergangenen August hat sich der Preis nunmehr verdoppelt, seit Ende Januar beträgt das Plus mehr als ein Drittel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mittlerweile beginnt der Silberpreis sich in Höhen zu begeben, die nach dem Zusammenbruch der kurzlebigen Hausse des Jahres 1980, als der Preis bis auf 49.45 Dollar stieg, für immer unerreichbar schienen.

          Inflationsfurcht treibt den Silberpreis

          Getrieben wird der Preis von mehreren Faktoren: Zum einen profitiert Silber von der positiv gewerteten Konjunkturentwicklung. Wie David Brown vom auf die Schmuckindustrie spezialisierten Beratungsunternehmen Edge Retail Academy konstatiert, sind es Käufe aus China, die das Volumen der Silberkäufe in die Höhe getrieben habe. Zum anderen, so die Analysten der Commerzbank, kauften offenbar nicht zuletzt amerikanische Kleinanleger zurzeit verstärkt Silber als Inflationsschutz. Ursache ist nicht zuletzt auch die Eurokrise.

          Viele Beobachter sind von weiter steigenden Silberpreisen überzeugt. Irfan Chaudhry, Investmentstratege bei der Emirates National Bank of Dubai sieht den Silberpreis bis in die Region von 41 bis 45 Dollar steigen. Er setzt dabei auf die industrielle Verwendung des Metalls und eine Korrelation des Preises zum Ölpreis, die Chaudhry für säkulare Haussen und Baissen an den Rohstoffmärkten konstatiert.

          Gegen den Dollar, für Silber

          Auch Bill Haynes. Präsident des Edelmetallhändlers CMI, setzt auf höhere Silberpreise. Zwar sei die Zahl der Verkaufsoptionen auf Silber seitens der mit Edelmetallen handelnden großen Investmentbanken an der Rohstoffbörse Comex jüngst um 540 Millionen Dollar gestiegen. Ted Butler von Silver Research nannte dies schon eine Trendwende, waren die Verkaufspositionen doch zuvor stetig gefallen.

          Aber, so argumentiert Haynes, dagegen seien die Verkaufspositionen auf den Dollar im gleichen Zeitraum um 11,5 Milliarden Dollar auf eine neues Rekordniveau gestiegen und auch die Kaufpositionen auf den Euro befänden sich auf dem höchsten Niveau seit mehr als drei Jahren. Wenn aber der Dollarkurs falle, werde der Silberpreis, wie der des Goldes steigen.

          Warnung vor dem Henkel

          Jordan Roy-Byrne von Trendsman Research hingegen macht just das Verhalten des Goldpreises misstrauisch. Dieser lasse nämlich den Kursausbruch vermissen, den der Silberpreis zeige. Auch die Kurse der Gold-Aktien seien nicht mit denen der Silber-Aktien mitgelaufen.

          Silber sei überkauft. Auch die Tassenformation des Kursbildes, die sich durch die Annäherung an die Kurse des Jahres 1980 ergibt, ist für ihn ein Alarmzeichen. Häufig bilde sich danach, bildlich gesprochen ein Griff aus, das heißt es folgt eine Konsolidierung. Und das letzte Mal, als sich die Silberpreisentwicklung abgekoppelt habe, sei eine einjährige Konsolidierungsphase gefolgt. Allerdings müsse es nicht so kommen.

          Auch Chaudhry schränkt ein: Bleiben die Ölpreise längere Zeit auf hohem Niveau, so könnte sich dies negativ auf das Wachstum auswirken und damit auf die Nachfrage nach Öl und Silber. David Brown des auf die Schmuckindustrie spezialisierten Beratungsunternehmens Edge Retail Academy winkt allerdings ab: Ein prozentualer Anstieg des Silberpreises habe aufgrund des absolut geringeren Niveaus keineswegs dieselben Auswirkungen auf die Schmucknachfrage wie des Goldpreises.

          „Marktbereinigungen können brutal sein“

          Auch Hannes Zipfel, Edelmetallanalyst der Solit Kapital ist nicht bange: „Trotz des bereits gestiegenen Silberpreises rechnen wir mittel- und langfristig mit einem weiteren dynamischen Anstieg.“ Der industrielle Verbrauch des Rohstoffs sei heute wesentlich diversifizierter und höher als während des letzten Silberzyklus'. Er rechnet mittelfristig mit einer physischen Knappheit von Silber.

          Auch wenn viele Spezialisten optimistisch sind, schwingt gleichwohl immer wieder Vorsicht mit. Klar zum Ausdruck bringt seine Skepsis Oliver Pursche, vom auf die Hochtechnologie spezialisierten Beratungsunternehmen Montebello Partners: Die Preise von Gold und Silber seien fundamental nicht unterstützt, sondern basierten auf Inflationsängsten aufgrund der Unruhen in Nordafrika. Letztlich also erscheint ein Kauf von Silber zum derzeitigen Zeitpunkt äußerst riskant, wenngleich weitere Preisanstiege nicht auszuschließen sind. Roy-Byrne formuliert es so: „Veteranen wissen dass Marktbereinigungen brutal sein können.“

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