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Edelmetalle : Platin kostet weniger als Gold

Im Zentrum der Streiks: Platinmine im südafrikanischen Rustenburg Bild: Reuters

Verkehrte Welt auf dem Edelmetallmarkt: Platin kostet weniger als Gold, obwohl es viel seltener ist. Auch das Ende des blutigen Streiks in der weltgrößten Platinmine löst keine Aufbruchstimmung aus.

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          Auf dem Platinmarkt deutet sich nach dem Ende eines wochenlangen Streiks in der größten Platingrube der Welt vorerst eine Entspannung an. Anfang dieser Woche nahmen die Arbeiter in der südafrikanischen Rustenburg-Mine des Platinförderers Impala Platinum wieder die Arbeit auf. Die Arbeitsniederlegung galt als Hauptgrund, weshalb der Platinpreis seit Beginn dieses Jahres um mehr als 20 Prozent zugelegt hatte. Seit Ende Februar ist der Preis jedoch wieder um 10 Prozent auf 1631 Dollar je Unze (31,1 Gramm) gefallen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der Streit in der Rustenburg-Mine war eskaliert, nachdem 5000 Arbeiter aus Protest gegen den Ausschluss von einem neuen Bonusprogramm die Arbeit niedergelegt hatten (F.A.Z. vom 19. Februar). Bald beteiligte sich die gesamte Belegschaft an dem wilden Streik. Als Impala Platinum mehr als 17.000 Beschäftigte fristlos entließ, kam es zu gewalttätigen Protesten im Minenstädtchen Rustenburg. Arbeiter, die wieder angestellt werden wollten, wurden von den aufgeheizten Massen gejagt und verprügelt, drei Menschen starben. Für Impala Platinum bedeutete der Streik nicht nur einen Reputationsverlust. Er bescherte dem Unternehmen auch einen Produktionsausfall von 120.000 Unzen, was einem Umsatz von 322 Millionen Dollar entspricht. Der Streik sorgte auch außerhalb Südafrikas für Aufsehen, denn Impala liefert ungefähr ein Viertel des Platinangebots auf dem Weltmarkt.

          Verzwickte Lage auf dem Platinmarkt

          Der zuletzt streikbedingt kräftige Anstieg des Platinpreises trügt jedoch. Tatsächlich kostet das weiße Edelmetall derzeit weniger als Gold, für das am Mittwoch 1685 Dollar je Unze gezahlt wurden. Eine solche Konstellation kommt am Edelmetallmarkt nur selten vor, denn Platin findet sich in der Erde weitaus seltener als das gelbe Edelmetall. Darüber hinaus ist die Förderung kostspieliger als das Schürfen von Gold, und Schmuckverkäufer zahlen in der Regel mehr für Platin als für Gold. Im September war der Preisabstand so groß, dass man für eine Unze Platin lediglich 0,86 Feinunzen Gold kaufen konnte, so wenig wie seit 26 Jahren nicht mehr.

          Die verkehrte Welt auf dem Edelmetallmarkt ist aber nicht allein der Flucht der Investoren in Gold geschuldet. Marktbeobachter beschreiben die Lage auf dem Platinmarkt als verzwickt. „Es gibt so viele besorgniserregende Faktoren“, sagt David Shapiro von Sasfin Securities in Johannesburg. „Man sollte lieber ausharren, die Entwicklung beobachten oder gleich auf Industriemetalle wie Eisenerz, Kupfer oder Kohle setzen.“ Im Gegensatz zu Gold ist Platin vornehmlich ein Industriemetall, auch wenn sich seit der Gründung von Exchange Traded Funds (ETF) zunehmend Finanzinvestoren für das Metall interessieren. Platin wird ungefähr zur Hälfte in der Autoindustrie bei der Produktion von Katalysatoren für Dieselfahrzeuge eingesetzt. Die andere Hälfte landet in der Schmuckindustrie.

          Nachfrage nach weißem Gold steigt

          Langfristig zeigen sich die Minenkonzerne zuversichtlich. Striktere Abgasbestimmungen und die Tendenz zu sauberen Dieselfahrzeugen in China gelten als Treiber für die Nachfrage. Auch steigen die Fahrzeugverkäufe in den Vereinigten Staaten. In China, Japan und Indien kauften die Verbraucher wieder mehr Schmuck. Allerdings ist die wirtschaftliche Lage in Europa ungewiss. Die dortigen Automobilunternehmen sind die größten Nachfrager des weißen Metalls.

          Auf der Angebotsseite wiederum deutet vieles auf einen Preisauftrieb hin. Die Förderkonzerne in Südafrika, wo Dreiviertel der Platinschätze auf der Welt ruhen, haben mit drastisch steigenden Förderkosten zu kämpfen. Auch führen illegale Streiks wie zuletzt in der Rustenburg-Mine immer wieder zu Produktionsausfällen. Hinzu kommen verschärfte Sicherheitsbestimmungen der Regierung. Demnach können die Behörden nach einem Unfall nicht nur den betroffenen Schacht, sondern das gesamte Bergwerk für mehrere Tage schließen. Die Chefin von Anglo American, Cynthia Carroll, beklagte vor kurzem, dass diese Politik Produktionseinbußen von 100.000 Unzen im abgelaufenen Finanzjahr bescherte.

          Zimbabwes Regierung streitet mit Platinförderern

          Noch mehr Sorgen bereitet das zweitwichtigste Förderland, Zimbabwe. Dort spitzt sich der Streit zwischen den Platinförderern und der Regierung zu. Der Diktator Robert Mugabe verlangt, weitere große Unternehmensanteile an die schwarze Bevölkerung abzutreten. Andernfalls werde den Unternehmen die Förderlizenz entzogen, oder die Manager landeten im Gefängnis. Noch ist unklar, wie ernst diese Drohungen gemeint sind.

          All die Unwägbarkeiten spiegeln sich auch am Aktienmarkt wider. Die Aktien der beiden Marktführer, Impala und Anglo-Platinum, haben über ein Jahr hinweg um rund ein Fünftel im Kurs verloren. Ob damit der Boden erreicht ist, vermag kaum jemand vorherzusagen. Stuart Murray zufolge, dem Chef des Platinförderers Aquarius, hat den Platinsektor jetzt auch die „Goldkrankheit erwischt“. Dies bedeutet, dass hohe Edelmetallpreise nicht automatisch auch die Aktienkurse der Förderer in die Höhe treiben.

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