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Edelmetalle : Goldpreis - Vorsicht, „irrationaler Überschwang“

  • Aktualisiert am

Bild: GFMS Limited

Mit dem Überschreiten der Marke von 1.000 Dollar sorgte Gold in den vergangenen Wochen für euphorische Schlagzeilen. Kurzfristig gebe es im Markt jedoch so etwas wie einen „irrationalen Überschwang“, heißt es nun warnend.

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          Mit dem Überschreiten der Marke von 1.000 Dollar und Rekordpreisen von bis zu knapp 1.003 Dollar je Feinunze sorgte Gold in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen. Inzwischen liegt der Preis mit 907,16 Dollar zwar nach einer Konsolidierung 9,5 Prozent unter dem erreichten Rekordniveau, der Trend zeigt jedoch weiterhin nach oben.

          Es lassen sich genügend Gründe anführen, die die Entwicklung rechtfertigen mögen. Sie reichen vom schwachen Dollar, der Sorge über die Folgen der Kreditkrise, politischen Konflikten, bis hin zu steigenden Inflationsraten in weiten Teilen der Welt. Genau solche Argumente mögen immer mehr Anleger zum Kauf des Edelmetalls bewogen haben, um sich auf diese Weise gegen alle nur denkbaren Unwägbarkeiten abzusichern.

          Gold ist sicher - aber nur interessant, wenn sich der Preis bewegt

          Gold scheint dazu geeignet zu sein. Denn das gelbe Metall hat in diesem Sinne den Charakter einer zusätzlichen Währung. Es ist leicht konvertibel, ist im Unterschied zu vielen anderen Vermögenswerten nicht beliebig vermehrbar und gleichzeitig praktisch unzerstörbar. Aus statistischer Sicht ist die Korrelation der Preisentwicklung mit Aktien vergleichsweise gering. Das heißt, Anleger können ihre Risiken reduzieren, indem sie Gold einem Aktienportfolio beimischen.

          Bild: GFMS Limited

          Auf der anderen Seite wirft Gold jedoch weder Dividenden noch Kupons ab. Das heißt, wer als Anleger mit Gold Geld verdienen will, muss auf fallende oder steigende Kurse spekulieren. Gerade in den vergangenen Monaten haben das immer mehr Anleger getan. Das zeigt sich sowohl an der Positionierung an den Terminmärkten, als auch an den Beständen, die von börsengehandelten, physisch unterlegten Goldfonds und vergleichbaren Investmentvehikeln angehäuft wurden. Ihre Käufe dürften in den vergangenen Monaten zu einer Eigendynamik geführt und den Preis immer weiter nach oben getrieben haben.

          In diesem Umfeld gab es immer mehr euphorische Prognosen, die Preisziele von 1.200, 1.500 oder gar 2.000 Dollar je Feinunze Gold ankündigten. Genau aus diesem Grund dürfte es jedoch ratsam sein, die Erwartungen zu dämpfen. Es gebe im Markt gegenwärtig so etwas wie einen „irrationalen Überschwang“, erklärt beispielsweise Philip Klapwijk, Vorstand des Londoner Analysehauses GFMS Limited im Gold Survey 2008, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

          Er rechnet damit, dass der Goldpreis in der ersten Hälfte des laufenden Jahres bis auf 800 Dollar zurückfallen könnte, bevor er gegen Jahresende möglicherweise wieder anziehen werde. Hohe Preise und die Volatilität dürften dafür sorgen, dass die Nachfrage aus der Industrie in den ersten sechs Monaten um bis zu einem Fünftel zurückgehen und hinter das Angebot von Seiten der Minen zurückfallen werde. Aus diesem Grund müssten Anleger ihre Nachfrage deutlich steigern, um den Markt in der Balance zu halten. Auf der anderen Seite lasse das robuste Wachstum in den Schwellenländern und die Abkoppelung ihrer Währungen den „Preisboden für Gold“ auf etwa 800 Dollar steigen.

          Abgesehen vom möglichen Interesse der Anleger: Nur wenige Gründe, die einen höheren Goldpreis erwarten lassen

          Abgesehen vom möglichen Interesse der Anleger gebe es insgesamt nur wenige Gründe, die einen höheren Goldpreis erwarten ließen. Hatten in den vergangenen Jahren einige Goldproduzenten noch ihre Hedge-Bücher reduziert, in diesem Rahmen per Termin verkauftes Gold zurückgekauft und auf diese Weise zum Preisauftrieb beigetragen, so scheinen weitere Transaktionen dieser Art künftig eher unwahrscheinlich zu sein. Interessant könnte es allerdings werden, sollten Zentralbanken in Arabien oder Asien damit beginnen, Währungsreserven in Gold zu diversifizieren.

          GFMS geht davon aus, dass die Minenproduktion im laufenden Jahr nur leicht zunehmen wird. Das Schrottangebot werde voraussichtlich um 15 Prozent wachsen, allerdings aufgrund der hohen Preiserwartungen in der ersten Jahreshälfte unter dem Vergleichsniveau des Vorjahres bleiben. Von offizieller Seite würden die Verkäufe trotz des Abkommens unter zwölf nationalen Notenbanken der Eurozone sowie der Zentralbanken Schwedens und der Schweiz, die jährlichen Goldverkäufe auf höchstens 500 Tonnen zu begrenzen, eher ab- als zunehmen. Auf der anderen Seite will der Internationale Währungsfonds (IWF) will mehr als 400 Tonnen Gold verkaufen und damit elf Milliarden Dollar erlösen.

          Insgesamt hängt die Goldpreisentwicklung kurzfristig vor allem vom Interesse der Anleger ab. Nur wenn diese wieder mehr kauften, liefe der Preis weiter nach oben. Kurzfristig scheinen die Profis zu Gewinnmitnahmen zu tendieren. Auf der anderen Seite dürfte der Goldpreis relativ rasch einen Boden finden, da in den vergangenen Monaten die Förderkosten deutlich angezogen haben. Sollte der Preis zu stark fallen, dürfte das Angebot rasch zurückgehen.

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