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Edelmetalle : Goldpreis touchiert die 600 Dollar-Marke

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Bild: F.A.Z.

Gold ist so teuer wie seit 26 Jahren nicht. Am Donnerstag kostete die Feinunze beim Vormittagsfixing in London 595,50 Dollar, am Nachmittag war es etwas weniger. Ein solches Niveau hatte der Goldpreis zuletzt im März 1980 verzeichnet.

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          Gold ist so teuer wie seit 26 Jahren nicht. Am Donnerstag kostete die Feinunze beim Vormittagsfixing in London 595,50 Dollar, am Nachmittag war es etwas weniger. Ein solches Niveau hatte der Goldpreis zuletzt im März 1980 verzeichnet.

          Im New Yorker Terminhandel übersprang der Kontrakt zur Lieferung von Gold im Juni zeitweise sogar die Marke von 600 Dollar. Auch andere Edelmetalle haussieren: Der Silberpreis hat das höchste Niveau seit fast 23 Jahren erreicht, und Platin notiert auf Rekordhoch.

          Sicherer Hafen in Krisenzeiten?

          Experten sehen eine Ursache für den Höhenflug des Goldes in der allgemeinen Hausse der Rohstoffe, die durch das immense Wachstum Chinas vorangetrieben wird. Als weiterer wichtiger Grund gilt der wachsende Zufluß von Investorengeldern in den gesamten Anlagebereich. Bei Gold im besonderen wird zudem immer wieder auf seine Funktion als sicherer Hafen in Krisenzeiten hingewiesen. Das Edelmetall dient als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken. Als Auslöser für den jüngsten Preisschub bei Gold machen Marktbeobachter denn auch Käufe von Investoren in Asien aus, die sich gegen einen steigenden Ölpreis absichern wollten. Und auch bei Gold zeige sich, was für viele andere Rohstoffe gelte, sagt Hans-Günter Ritter vom Edelmetallkonzern Heraeus: Die Produzenten hätten jahrelang aufgrund niedriger Preise wenig investiert. Das Angebot sei entsprechend knapp, auch wenn es immer wieder von Seiten der Notenbanken zu Verkäufen von Gold komme.

          "Im Gegensatz zu den Industriemetallmärkten spielt bei den Edelmetallen allerdings das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage eine vergleichsweise geringe Rolle," meint Sandra Ebner, Rohstoffanalystin bei der Deka Investment. Die Notierungen seien hier viel stärker spekulativ getrieben und daher eben auch volatiler. Auch andere Experten wie Ritter verweisen auf den wachsenden Einfluß der Finanzinvestoren. Es sei sehr viel Liquidität im Markt und das Interesse werde weiter zunehmen, ist er sich sicher. Was die weitere Entwicklung des Goldpreises anbelangt, geben sich Beobachter daher gerade vor diesem Hintergrund langfristig zuversichtlich. Denn neben den spekulativen Fonds investieren zunehmend auch Kapitalsammelstellen wie Pensionskassen oder Versicherer in Rohstoffe. Allerdings warnen Experten angesichts der deutlichen Preissteigerungen auch vor zeitweiligen Rückschlägen. Gerade solch psychologisch wichtige Marken wie 600 Dollar könnten bei Gold zu Gewinnmitnahmen führen, heißt es bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. In einer Konsolidierungsphase könnte der Goldpreis durchaus um 20 Dollar fallen, meint Ritter.

          Verschiedene Methoden, auf die Preisentwicklung zu spekulieren

          Anleger, die auf den Goldpreis setzen wollen, können dies über Zertifikate, direkt und indirekt über Goldminenaktien tun oder aber physisches Gold in Form von Barren und Münzen kaufen. Eine weitere Möglichkeit bieten börsengehandelte Fonds, die mit physischem Gold unterlegt sind. Es gibt derzeit nach Angaben von Heraeus fünf solche Fonds, deren Gesamtvolumen 8,9 Milliarden Dollar oder 15 Millionen Unzen betrage. Den Einfluß dieser Fonds auf den Goldpreis zeigt die Grafik. Experten führen den zuletzt steilen Anstieg des Silberpreises vor allem auf die durch Barclays Capital geplante Einführung eines solchen börsengehandelten Silberfonds zurück, da dieser Markt viel enger sei als der für Gold.

          Ein Aspekt, der bei einer Rohstoffanlage aber immer zu berücksichtigen ist, sind die Wechselkurse. Rohstoffe notieren in der Regel in Dollar. Aus Sicht eines Euro-Anlegers in Gold schlägt dies auf Jahressicht durch die Stärke der amerikanischen Währung positiv zu Buche: In den vergangenen zwölf Monaten ist der Goldpreis auf Dollar-Basis um gut 40 Prozent gestiegen, in Euro gerechnet waren es sogar 46 Prozent. Seinen Höchstpreis hatte Gold im Januar 1980 mit 850 Dollar je Feinunze erreicht. Gemessen an der heutigen Kaufkraft entspreche dies allerdings einem Goldpreis von 2.170 Dollar, meint Ebner.

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