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Edelmetalle : Goldpreis - Konsolidierung in der ersten Jahreshälfte möglich

  • Aktualisiert am

Bild: GFMS Ltd.

Der Goldpreis befindet sich auf Rekordniveau. GFMS prognostiziert einen Nachfragerückgang aus der Schmuckindustrie. Nach einer Preiskonsolidierung in der ersten werde der Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte 1.000 Dollar erreichen.

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          Die Entwicklung des Goldpreises sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten für Furore. Mit 914,30 Dollar je Feinunze des edlen Metalls erreichte der Preis zumindest gerechnet in amerikanischer Währung und nominal den höchsten Stand aller Zeiten. Damit wurde aus technischer Sicht der Weg für weitere Preissteigungen geöffnet.

          Ob und wann die kommen werden, hängt allerdings von verschiedensten Faktoren ab. Immerhin wurden die Preissteigerungen in der jüngeren Vergangenheit vor allem von spekulativen Kräften herbeigeführt, die im Rahmen der immer intensiver werdenden Kreditkrise, eines anhaltend schwachen amerikanischen Dollars und einer möglicherweise inflationärer werdenden amerikanischen Geldpolitik nach Alternativen Anlageformen suchten.

          GFMS prognostiziert einen Nachfragerückgang in der ersten Jahreshälfte aus der Schmuckindustrie

          So floss immer mehr Liquidität in einen Markt, der relativ klein und damit entsprechend preissensitiv ist. Auf dieser Weise entstand eine Eigendynamik, die sich selbst zu verstärken scheint, obwohl Edelmetalle an sich weder Dividenden noch Kupons abwerfen. Der Reiz zum Kauf besteht damit einerseits in der Hoffnung auf den steigenden Preis. Andererseits mag die Tatsache eine Rolle spielen, dass die Goldvorkommen begrenzt und damit im Gegenteil zu Währungen nicht beliebig vermehrbar sind.

          Solche Überlegungen sind allerdings relativ unabhängig von der physischen Nachfrage aus der Schmuck- oder auch aus der elektronischen Industrie. Und genau aus dieser Richtung könnte es nicht nur nach einer Analyse des Analysehauses GFMS Ltd in London (siehe auch: Die Edelmetall-Schwemme) zu einem gewissen Gegenwind kommen. „Der Goldpreis wird in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf bis zu 800 Dollar zurückfallen,“ prognostiziert Philip Klapwijk als Vorstand des Unternehmens. In der zweiten Jahreshälfte jedoch werde er die Marke von 1.000 Dollar sehen, erklärt er weiter.

          Hintergrund dieser Erwartung ist die Prognose, dass die Nachfrage nach Gold von Verarbeitungsseite, unter anderem von der Schmuckbranche, in der ersten Hälfte des laufenden Jahres um rund 18 Prozent auf 1.333 Tonnen fallen werde, da der hohe Preis die Käufer abschreckte. Die Nachfrage von Juwelieren war im vergangenen Jahr insgesamt um 5,5 Prozent gestiegen auf 2.407 Tonnen. Das waren etwa 62 Prozent des gesamten Goldkonsums. Dieser Anteil werden im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50 Prozent fallen, heißt es nun in der Analyse.

          Preiskonsolidierung in den ersten sechs Monaten - 1.000 Dollar in der zweiten Jahreshälfte

          Allerdings werde dieser Bereich dazu führen, dass der Goldpreis sehr wahrscheinlich nicht unter die Marke von 800 Dollar fallen werde, da die inzwischen „ausgetrocknete“ Nachfrage bei Preisrückschlägen sich sofort wieder beleben werde.

          Der Goldpreis sei im vergangenen Jahr nicht nur von der spekulativen Nachfrage beflügelt worden, sondern durch den überraschenden Rückgang der Minenproduktion auf 2.444 Tonnen. Das sei die geringste Minenproduktion seit dem Jahr 1996 gewesen, erklärt die Analyse von GFMS. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres werde die Minenproduktion voraussichtlich um 2,4 Prozent auf 1.226 Tonnen zunehmen. Dazu käme ein Zuwachs beim „Schrottangebot“ in Höhe von 15 Prozent auf 524 Tonnen, nachdem das Angebot von dieser Seite im Jahr 2007 um 19 Prozent gefallen sei.

          Die Goldverkäufe von Zentralbanken hatten im vergangenen Jahr um 33 Prozent zugenommen auf 488 Tonnen. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres würden sie jedoch voraussichtlich um 3,8 Prozent fallen auf 209 Tonnen. Die Nettoinvestitionen, also Käufe minus Verkäufe, lagen im vergangenen Jahr bei 101 Tonnen. Sie dürften in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf 444 Tonnen zunehmen, heißt. Im vergangenen Jahr traten vor allem die Zentralbanken von Katar, Kasachstan und der Ukraine und Griechenlands als Käufer auf, während Spanien und die Schweiz als größere Verkäufer auftraten.

          GFMS

          Link: ETF Securities

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