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Edelmetalle : Gold und Silber mit technischen Kaufsignalen

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Nach einer mehrmonatigen Auszeit ist in die Preisfindung von Gold und Silber wieder Schwung zu kommen. Und nachdem erste Charthürden geknackt wurden, steigen auch in Dollar gerechnet die Chancen auf neue Rekorde.

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          Relativ orientierungslos zeigten sich in den vergangenen Wochen und Monaten die Preise von Silber und Gold. Doch die dabei auch im Vergleich mit anderen Edelmetallen wie Platin und Palladium gezeigte Schwäche könnte nun langsam auslaufen.

          Zumindest deuten darauf charttechnische Signale hin. So ist es dem Goldpreis beim Vormittagsfixing in London mit einem Stand von 1.156 Dollar gelungen, ein neues Jahreshoch zu markieren. Und im Tageshandel mit Gold für die sofortige Lieferung stieg die Notierung in der Spitze auf 1.162,32 Dollar. In Euro gerechnet wurde mit knapp 863 Euro je Feinunze sogar erneut ein neues Allzeithoch erreicht.

          Im Zuge der Kursgewinne beim Gold hat sich zum Wochenausklang auch Silber verteuert. Das Edelmetall kostete mit 18,33 Dollar je Feinunze zeitweise so viel wie seit dem 20. Januar nicht mehr. In Euro gerechnet erreichte es mit 13,69 Euro den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

          Chartbilder hellen sich auf

          Wegen der Griechenland-Krise griffen Anleger verstärkt zu den als sicher geltenden Edelmetallen, hieß es allgemein zur Erklärung. Außerdem habe nicht nur der Euro Probleme, sondern auch der Dollar und der Yen würden wegen der hohen Verschuldung in Amerika und Japan zusehends kritisch beäugt.

          Unabhängig davon, was der Grund für die jüngsten Kursgewinne ist, haben sich dadurch in beiden Fällen die Chartbilder aufgehellt. Endgültig frei nach oben wäre der Weg jeweils zwar erst bei neuen Rekordhochs in Dollar. Aber auch jetzt sind schon kurz- und mittelfristige Abwärtstrend überwunden worden. Und dadurch haben sich die Chancen darauf, dass demnächst ein erfolgreicher Angriff auf die Jahreshochs anstehen wird, deutlich verbessert. Schon vor dem Anstieg am Freitag bezeichnete Werner Ullmann, Rohstoffexperte von ERA Resources, die charttechnische Ausgangslage als ermutigend. „Rein technisch betrachtet sehen wir für Gold bereits in Euro, Schweizer Franken und britischem Pfund deutliche Kaufsignale.“

          Diese Entwicklung lässt kurzfristig orientierte Anleger natürlich nicht unberührt. Der bereits im kleinen Stil vollzogene Ausbruch aus der seit Mitte Dezember gültigen Handelsspanne zieht vielmehr scheinbar in großem Maße Investoren in den Goldmarkt, wie die Analysten der Commerzbank vermuten. Als Beleg für diese These verweisen sie darauf, dass der größte börsennotierte Goldfonds, der SPDR Gold Trust, alleine gestern einen Zufluss von fast 10 Tonnen auf ein neues Rekordniveau von über 1400 Tonnen verzeichnete und den bisherigen Höchststand von Anfang Juni 2009 um 6 Tonnen übertroffen hat.

          Silber wird noch mehr als Gold zugetraut

          Die Preisanstiege spiegeln den Mittelabfluss aus den Papierwährungen wieder. Das ist derzeit die treibende Kraft“, so Stephen Platt, Analyst bei Archer Financial Services. Das sehen auch die Analysten der Commerzbank ähnlich, schreiben sie in einem Tagesbericht doch folgendes: „Die anhaltende Sorgen über die finanzielle Lage in Griechenland, gepaart mit wenigen attraktiven Anlagealternativen aufgrund anhaltend niedriger Zinsen in Amerika und im Euroraum, dürfte das Interesse an Gold weiter hoch halten und den Preis unterstützen.“

          Noch optimistischer als man allerdings für Silber gestimmt. Dem Gold des kleinen Mannes, wie Silber auch betitelt wird, trauen die Commerzbank-Analysten mittel- bis langfristig eines bessere Entwicklung als dem Gold. Dafür sprechen die relative Knappheit und eine starke industrielle Nachfrage. Zwar sollte der konjunkturelle Optimismus auch Gold auf die Beine helfen, weil dies den Schmuckabsatz fördert. Jedoch sinkt dadurch die Angst vor den Finanzmarkt-, geopolitischen und anderen Risiken, die vor einem Jahr der wichtigste Treibfaktor am Goldmarkt war. So hat die britische Münze für das erste Quartal eine Halbierung ihrer Goldmünzenproduktion im Jahresvergleich bekannt gegeben. Auch die anderen Prägeanstalten haben zuletzt einen starken Rückgang der Nachfrage nach Goldmünzen berichtet.

          Auch Ullmann von ERA Resources sieht kurzfristig das größte Potenzial für Silber. „Der Silberpreis hat sich in den vergangenen Monaten deutlich fester behauptet als Gold und sollte in den nächsten Wochen sein Novemberhoch von 19,21 Dollar je Feinunze testen“, so Ullmann.

          Koppelung an die Dollarentwicklung nicht mehr so hoch wie früher

          Fundamentale Faktoren stützen dabei die technischen Signale: Angesichts wachsender Staatsverschuldung verlieren Anleihen laut Ullmann zunehmend ihren Status als sichere und nachhaltige Anlageform. „Über die vergangenen Jahre hat sich bei Staatsanleihen eine enorme Blase gebildet, die sich mit wachsenden Unsicherheiten sukzessive abzubauen beginnt“, so Ullmann. „Um weitere Kursverluste zu vermeiden, schichten Investoren zunehmend in Aktien und Rohstoffe um.“

          Dieser Umstand könnte auch mit als eine Erklärung dafür dienen, warum es den Preisen für Gold und Silber zuletzt gelungen ist, sich etwas vom Dollar abzukoppeln. Denn während Edelmetalle sich traditionell normalerweise entgegengesetzt zum Dollar entwickeln, konnte die jüngste Dollarerholung den Preisen zuletzt nur bedingt etwas anhaben.

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