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Edelmetalle : Gold schlägt alles

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ist der hohe Goldpreis ein Zeichen dafür, dass Europas Anleger um ihre Währung bangen? Noch nicht. Bisher ist es das Wachstum in Asien, das den Kurs beflügelt.

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          Der Goldrausch hat die Supermärkte und Drogerieketten erfasst. Tutenchamun kann man bei Schlecker kaufen, er ist aus purem Gold, wie es einem Pharao gebührt, und kostet 49,99 Euro. Die kleine Goldmünze wiegt nur ein halbes Gramm und steht nicht weit entfernt von der Flüssigseife, die ausgerechnet Cleopatra heißt.

          Wer sich mit dem Leichtgewicht nicht abgeben mag, kauft gleich „Würzburg 2010“, die 100-Euro-Goldmünze mit 15,5 Gramm für 599 Euro. Das ist mehr, als Duschgelkäufer sonst in Schlecker-Filialen ausgeben, aber die Münzen gibt es auch nur in Schleckers Internetshop. Da verkaufen sie sich gut. Der Discounter Lidl machte es vor: Er nahm die Würzburg-Münze im Oktober ins Programm, Anfang Dezember war sie ausverkauft. Zum Golde drängen dieser Tage alle, so scheint es. Egal zu welchem Preis.

          Die Ur-Emotion

          So ist der Kurs unaufhaltsam gestiegen und hat ein neues Allzeithoch erreicht. Die Unze kostet jetzt mehr als 1400 Dollar. Dabei nannten vor Jahresfrist schon viele die 1000-Dollar-Marke das Ende der Fahnenstange und warnten vor der Korrektur. Aber der Kurs stieg. Innerhalb von zwei Jahren hat er sich verdoppelt.

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          Eine Begründung haben viele schnell parat: Mit jeder Debatte über zu rettende Euro-Staaten, mit jeder Milliarde, die von der amerikanischen Notenbank Fed auf den Markt gepumpt wird, flüchteten die Anleger ins Gold. In das Edelmetall, das seit Jahrtausenden als Alternativwährung und Inflationsschutz gilt. Aber ist der steigende Goldpreis wirklich ein Indikator dafür, dass sich die Krise wieder zuspitzt? Dass die Menschen dem Papiergeld nicht mehr trauen? Das stimmt so nicht.

          Sicher spricht Gold eine Ur-Emotion an. Schon immer haben die Menschen ihm besonderen Wert zugesprochen. Weil Gold zwar in freier Natur zu finden ist, aber so selten. Weil es schön glänzt, aber nicht verrottet. Weil es leicht formbar ist, sich zu Münzen pressen und zu Ketten drehen lässt. So ist Gold beliebte Tauschware, seit die ersten Münzen 600 vor Christus in Umlauf waren.

          Und im Gegensatz zu fast allen anderen Dingen auf der Welt, die sich zigtausendfach vermehrt haben, blieb die Menge an Gold überschaubar: Die Gesamtmenge des jemals geförderten Goldes passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von 20 Metern. Für jeden Erdenbewohner sind das 25 Gramm. Mehr nicht. Deshalb hat Gold seinen Wert konstant gehalten: Im alten Rom bekam man für eine Unze Gold eine Tunika, im Kaiserreich einen Anzug, heute einen Maßanzug. So war es in vielen schlimmen Wirtschaftskrisen die harte Währung, zu der die Menschen griffen.

          Viele Gerede, wenig Handel

          Ist es auch diesmal so? In der Krise erzählten viele von einem Ansturm auf die Goldhändler. Von Menschenmengen, die Euroscheine in Goldbarren tauschten. Das waren Momentaufnahmen aus wenigen turbulenten Tagen, sagen Händler. Jetzt sei es wie immer: Es werde mehr über Gold geredet, als tatsächlich gehandelt wird. Das bestätigt eine Umfrage der Postbank, laut der knapp jeder dritte Deutsche Gold für eine sehr sichere Geldanlage hält. Acht Prozent derer, die mehr fürs Alter vorsorgen wollen, wollten Gold kaufen. Da aber nur jeder Vierte mehr vorsorgen will, wie andere Studien sagen, beliefe sich die Zahl der Käufer auf 2 von 100 Bundesbürgern. Klingt nicht so, als wären die Deutschen derzeit Goldhamster.

          Einige Hedge-Fonds und Vermögensverwalter haben sich dagegen reichlich mit Gold eingedeckt, gaben Starspekulanten wie John Paulson und George Soros jüngst zu. Und natürlich hortet auch Rohstoffpapst Jim Rogers Goldreserven. Bei der Frage, ob er zukauft, winkt er ab: „Nicht zu diesem Preis! Was ich habe, gebe ich nicht her. Aber ich halte den Goldpreis für überbewertet.“ Es sind weder die Anleger in der Eurozone noch in Amerika, die den Preis treiben, sagt das World Gold Council. Wer ist es dann?

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