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Edelmetalle : Gold ist gefragt und wird es bleiben

In eine goldene Zukunft? Bild: Reuters

Der Goldpreis stieg als Reflex auf die schlechten Brexit-Nachrichten verganegen Woche jäh an. Mittlerweile hat sich der Markt wieder beruhigt.

          George Soros tut es, die Münchener Rück tut es, und Privatleute tun es wie verrückt: Überall auf der Welt flüchten Anleger aller Art ins Gold. Was zur Folge hat, dass der Goldpreis inzwischen so hoch ist wie seit zwei Jahren nicht mehr.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was gerade an den Märkten passiert, kann man daher getrost einen Goldrausch nennen. Er ist umso erstaunlicher, weil das Edelmetall in der jüngsten Vergangenheit drauf und dran war, seinen Ruf als sichere Anlageklasse zu verlieren.

          Als Absicherung zur Inflation taugt es schließlich nicht, wenn die Teuerungsrate vielerorts nahe null ist. Und selbst in politischen Ausnahmesituationen wie vor einem Jahr, als Griechenland kurz vor dem Ausscheiden aus der Eurozone stand, hielten sich die Goldkäufe in Grenzen.

          Gold

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          Dass es nun anders ist, könnte daran liegen, dass die Abwendung des Vereinigten Königreichs von der EU als einschneidender empfunden wird als ein Abschied von Griechenland aus der gemeinsamen Währung. Der Brexit ist bedrohlicher als ein Grexit.

          Aber das Edelmetall ist als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten vor allem deshalb wieder gefragt, weil andere sichere Anlagen wie Anleihen kaum noch etwas abwerfen. Am Freitag, dem Tag nach dem britischen Referendum, stieg der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) um mehr als fünf Prozent und damit so stark wie an kaum einem anderen Tag seit der Finanzkrise 2008. In Pfund gerechnet, war der Preisanstieg sogar so groß wie seit dreißig Jahren nicht, da die britische Währung gegenüber dem Dollar stark an Wert verlor.

          Die Begeisterung hat allerdings dananch etwas nachgelassen. Seit Montag ist der Goldpreis wieder um zehn Dollar oder gut ein Prozent gefallen. Das liegt nicht zuletzt am steigenden Dollar. Erfahrungsgemäß laufen Gold und Dollar gegeneinander.

          Obwohl Gold nun seit Jahresbeginn um rund 24 Prozent teurer geworden ist, könnte sich selbst jetzt noch ein Kauf lohnen; zumindest dann, wenn das Edelmetall zur Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios gedacht ist. Denn die Unruhe auf den Devisen- und Aktienmärkten wird wohl noch eine Weile andauern: zum einen, weil nach dem britischen Nein zur EU auch weitere Länder in Versuchung kommen könnten, ein solches Referendum abzuhalten und somit für Verunsicherung zu sorgen. Zum anderen, weil die Notenbanken an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten und Anleihen daher weiter kaum Erträge abwerfen. Goldinvestments bringen zwar keine Zinsen, lassen aber in überschaubarer Zeit auf Gewinne hoffen.

          Dennoch sollte sich niemand vom neuen Glanz des Goldes völlig blenden lassen. Es ist äußerst zweifelhaft, ob das Edelmetall auf alte Höhen um die 1900 Dollar wie 2011 zurückkehrt.

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