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Edelmetalle : Der Silberanteil der Gedenkmünze Silberzehner wird kleiner

Bild: REUTERS

Die Preise für Gold und Silber sind gestiegen - aus unterschiedlichen Gründen. Gold ist vor allem bei Anlegern gefragt. Silber ist auch ein Industrierohstoff, gute Konjunkturprognosen treiben den Preis. Es könnte daher noch teurer werden.

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          Der Silberzehner, die deutsche Silbermünze im Nennwert von 10 Euro, soll eine neue Legierung erhalten. Das hat das Bundesfinanzministerium am Mittwoch auf Nachfrage bestätigt. Geplant sei, von 925er auf 625er Sterlingsilber überzugehen, sagte eine Sprecherin. Außerdem sei vorgesehen, das Gewicht von 18 auf 16 Gramm zu reduzieren. Momentan enthält ein Silberzehner etwas mehr als eine halbe Unze Silber (rund 16,55 Gramm), was ungefähr einem Wert von 8 Euro entspricht. Der geringere Silberanteil solle verhindern, dass die Kosten für das Silber und die Prägung der Münzen den Nennwert von 10 Euro übersteigen. Für den Finanzminister hat die Reduzierung des Silbergehalts einen erfreulichen Nebeneffekt. Der Bund hat das Münzregal. Anders als bei der Ausgabe von Geldscheinen durch die Bundesbank steht der Gewinn aus der Ausgabe von Münzen direkt dem Finanzminister zu.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Einen höheren Silberpreis zu erwarten deckt sich mit der aktuellen Preisentwicklung auf dem Markt für Edelmetalle. Sowohl Silber als auch Gold sind am Mittwoch teurer geworden und haben jeweils wichtige Kursmarken überwunden. Während der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) Gold über 1260 Dollar kletterte und damit nur noch 5 Dollar unter ihrem historischen Höchststand notierte, verteuerte sich eine Feinunze Silber auf mehr als 20 Dollar – soviel kostete Silber zuletzt im März 2008.

          Silber ist auch Industriemetall

          Beide Edelmetalle setzen damit ihren Trend aus den vergangenen Monaten fort. „Das gute Umfeld für Gold und Silber ist nach wie vor intakt“, sagt Gabor Vogel, der für die DZ Bank Edelmetalle analysiert. Dabei sind die Gründe für die Preissteigerungen nicht identisch. Gold bleibt die Fluchtmöglichkeit für verunsicherte Anleger, die sich sowohl um die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten sorgen als auch über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und die hohen Staatsschulden in Portugal und Irland. Wenn diese Sorgen zunehmen, ziehen sie regelmäßig Geld aus ihren Aktienanlagen ab und kaufen damit entweder für ausfallsicher gehaltene Staatsanleihen oder Gold.

          Bemerkbar macht sich das zumeist durch Zuflüsse in börsengehandelte Indexfonds (ETF). Das sind Wertpapiere, welche die Preisentwicklung eines Börsenindex oder eines Rohstoffs nachbilden und so auch Privatanlegern ermöglichen, daran teilzuhaben. Die ETF-Anbieter hinterlegen das Vermögen ihrer Anleger häufig und kaufen physisches Gold, was dessen Preis treibt. Dasselbe gilt auch für Silber-ETF. Ihre Käufe haben den Silberpreis jüngst maßgeblich beeinflusst. Nach Angaben der Rohstoffanalysten der Commerzbank sind alleine am Dienstag dieser Woche rund 15 Tonnen Silber von ETF-Anbietern erworben worden.

          Im Gegensatz zu Gold ist Silber allerdings nicht nur eine Möglichkeit, Werte aufzubewahren, sondern zugleich auch ein Industriemetall. Sowohl Unternehmen der Elektroindustrie als auch aus dem Bereich der Medizintechnik verwenden es und fragen physisches Silber nach. „Auch eine höhere Nachfrage aus der Industrie treibt den Silberpreis“, sagt Vogel. Dem Silberpreis haben aus seiner Sicht dabei neue Daten zur wirtschaftlichen Situation Amerikas aus der vergangenen Woche geholfen, die wesentlich besser ausgefallen waren als zuvor von den Beobachtern erwartet. Eine bessere wirtschaftliche Entwicklung hat vor allem Folgen für das Verhältnis zwischen Silber und Gold.

          „Je besser die Konjunktur sich entwickelt, um so stärker steigt der Silberpreis im Vergleich zum Goldpreis.“ Vogel sagt voraus, dass eine Silberunze im Verlauf dieses Jahres auf einen Preis von bis zu 25 Dollar steigen könnte. Dafür sorgen auch Finanzinvestoren, die nach aktuellen Zahlen wieder stärker auf einen steigenden Silberpreis setzen.

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