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Edelmetalle : Der Goldpreis treibt die Platinmetalle

  • Aktualisiert am

Platin: Gefragter Diamantenträger Bild: Kretzer, Michael

Der steigende Goldpreis reißt auch den Platinpreis mit nach oben. Palladium kann davon zwar auch profitieren, hinkt aber hinterher.

          3 Min.

          Wenn sich die Unsicherheit an den Börsen breit macht, dann greifen die Anleger gerne wieder zu etwas, was sie auch in der hand halten können. Vorzugsweise ist das Gold, andere Edelmetalle kommen weit weniger zum Zug.

          So ist das zumindest üblicherweise. In den vergangene Monaten war Gold auch durchaus gefragt, Silber nicht, dafür warfen die Investoren aber auch begehrliche Blicke auf Platinmetalle. Auch diese erleben derzeit Höhenflüge. Iridium notiert mit 425 Dollar je Unze unweit seines Fünf-Jahres-Hochs vom Jahres-Anfang und Rhodium ist mit 6.425 Dollar seit mindestens fünf Jahren nicht so teuer gewesen.

          Palladium: „Spitzen-“Metall

          Viel interessantern sind natürlich die in größeren Mengen gehandelten Zwillinge Platin und Palladium. Gerade Platin sorgt derzeit für Furore, erlebt der Preis doch praktisch jeden Tag ein neues Allzeithoch, aktuell bei 1.474 Dollar je Unze. Palladium hat es da nicht so leicht. Nach einer völligen Überbewertung, die den Preis im Jahr 2001 bis auf 1.090 Dollar nach oben schießen ließ, so dass das Metall sogar teuer war als das viel seltener Platin, vegetierte dieser lange in der Baisse um 200 Dollar.

          Dabei erlebte er immer wieder kurzfristige Spitzen. 2004 trieb es ihn zwei Monate lang bis auf 325 Dollar, im vergangene Jahr von dem schon erhöhten Grundniveau von 325 Dollar für zwei Monate bis auf 392,50 Dollar.

          Aktuell dümpelt der Preis auf abermals erhöhtem Niveau zwischen 365 und 375 Dollar wieder einmal vor sich hin, nachdem er sich von einem drastischen Einbruch im August erholt hat, der ihn bis auf 318 Dollar nach unten getrieben hatte.

          Schmucke Legenden

          Ursächlich war ein allgemeines Nachgeben der Edelmetallkurse, nach dem die Maßnahmen der Notenbanken den Dollar kurzfristig gestärkt hatten. Dieser trieb den Palladiumpreis stärker als Gold und Platin nach unten, weil die fundamentalen Daten für Palladium am schwächsten sind.

          Die Verwendungsmöglichkeiten für Platinmetalle sind grundsätzlich sehr ähnlich, zum einen in der Schmuckindustrie, zum anderen in den Katalysatoren der Automobilindustrie. Als Schmuck hat Platin grundsätzlich einen simplen Vorteil: Es ist bekannter und geschätzter.

          Immer wieder wird berichtet, dass Palladium, das auch fast so aussieht wie Platin, diesem den Rang ablaufe und als Schmuckmetall stärker gefragt sei. Indes ist Palladiumschmuck keineswegs eine Neuheit, die Schmuckkäufer sehr konservativ und zahlen für Platinschmuck auch durchaus mehr.

          Zwar steigt nach Berichten von Johnson Matthey, einem der weltweit führenden Hersteller und Raffineure von Edelmetallen, das Interesse an Palladiumschmuck tatsächlich - doch Platinschmuck ist - insbesondere als Rahmen für wieder gefragte Diamanten - begehrter. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Palladium im Unterschied zu Platin ein Polieren nicht so gut verträgt und tendiert im Zeitablauf matt zu werden. Der Vorteil ist der niedriger Preis und das geringere spezifische Gewicht. Am beliebtesten ist es jedoch als Legierung mit Gold, als Weißgold eben.

          Traum-Katalysatoren

          Eine zweiter periodisch auftretender Antrieb für den Palladiumpreis ist die seit Jahren immer wieder zu lesende Meldung, es könne das teure Platin in Katalysatoren ablösen. Auch dies hat sich immer wieder als voreilig erwiesen. Neue Verwendungsmöglichkeiten für das Metall gibt es immer wieder. Zuletzt gelang es etwa einer deutschen Forschergruppe der TU Darmstadt mithilfe von Palladium die Lösungsmitteleigenschaften von Wasser deutlich zu verbessern.

          Andererseits hat die amerikanische Biotechfirma Cell Therapeutics unter Verwendung von Platin in prä-klinischen Studien bei der Tumorbekämpfung erreicht. Neue Einsatzmöglichkeiten werden laufend entdeckt. Solange keine davon weltumwälzend wirkt, wird sich die Stellung von Palladium nicht verbessern.

          Momentan wird der Edelmetallmarkt nach Ansicht der Analysten der Standard Bank vor allem von der starken Goldnachfrage getrieben. Dabei wird Platin aufgrund seiner Wertschätzung am ehesten mitgerissen.

          Öl und Gold als Treiber

          Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt zwar auch der Ölpreis, der die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen und entsprechenden Katalysatoren fördert. Der Edelmetallverarbeiter Heraeus in Hanau berichtet, im Vorfeld der Autoausstellung in Tokio habe sich der Eindruck verstärkt, dass sich der Dieselmotor zunehmend auch in Japan durchsetze.

          Auch die Investmentbank UBS vermutete zuletzt, dass immer mehr Amerikaner auf sparsamere Dieselfahrzeuge umsteigen werden. Johnson Matthey schätzt, dass allein die Nachfrage für Dieselmotoren künftig 6 Prozent des verfügbaren Angebots an Platin abdecken wird. Dies käme auch abermals mehr Platin als Palladium zugute.

          Andererseits war die Resonanz auf ein Programm des Bundesstaates Texas zur Förderung des Einbaus von Platin-Katalysatoren in Firmenflotten gering, obwohl den Unternehmen eine Abgabe droht.

          Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von Heraeus schätzt, dass es in diesem Jahr eine „massive Lücke“ zwischen der Neuproduktion von Platin und der Nachfrage geben wird. „Wir erwarten, dass die Nachfrage mindestens um 10 000 Tonnen (320 000 Unzen) über der Neuproduktion liegen wird. Damit wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Jahr 2007 so hoch sein wie zuletzt im Jahr 2003“, sagt Wrzesniok-Rossbach.

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