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Edelmetall mit Doppelfunktion : Analysten ziehen Silber vor

Lohnende Geldanlage: Gold oder Silber? Bild: ddp

Die industrielle Verwendung und das Rendite-Risiko-Profil von Silber gelten als Pluspunkte gegenüber Gold. Bleibt das starke Engagement von Finanzinvestoren erhalten, könnte es zu einer Höherbewertung des Edelmetalls kommen.

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          Einst wurde Silber für wertvoller gehalten als Gold. Diese Zeiten sind zwar lange vorbei und entsprechende Berichte reichen bis in das Altertum zurück. Mittlerweile trauen die Analysten Silber jedoch wieder eine wachsende Bedeutung im Vergleich zu Gold zu. Begründet wird dies mit der Doppelfunktion von Silber. Zum einen ist es wie Gold ein Edelmetall mit jahrhundertealter Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel in Krisenzeiten, zum anderen ist Silber jedoch auch ein Industriemetall, das in immer mehr Produkten zur Anwendung kommt.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es ist nicht unrealistisch, dass der jährliche Silberverbrauch in der Industrie in den nächsten zehn Jahren um 40 Prozent steigt“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Rohstoffexperte der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. „Im Bereich der Solarzellen ist ein stark wachsender Silberbedarf zu erkennen, aber auch in der Wasserreinigung und -aufbereitung, in der Wundheilung, in Deos und natürlich in der Elektroindustrie.“ Da ein erheblicher Teil des Silbers in diesen Anwendungen nicht recycelt werde, könne es deshalb in den nächsten fünf Jahren zu einer Höherbewertung von Silber kommen. Nötig dafür wäre jedoch ein weiterhin starkes Engagement von Finanzinvestoren.

          Höhere Preisschwankungen bei Kupfer

          Bislang hat die Doppelfunktion von Silber die Anleger jedoch noch nicht wirklich überzeugt. Diejenigen Marktteilnehmer, die aus der Finanzkrise eine langjährige Krise des Wirtschafts- und Währungssystems erwachsen sehen, bevorzugen Gold als Anlageklasse. Gold ist mit gut 1200 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) fast 70 mal so viel wert wie die gleich schwere Feinunze Silber mit einem Preis von nur knapp 18 Dollar.

          Bild: F.A.Z.

          Noch vor Beginn der Finanzkrise war Gold weniger als 50 mal so viel wert wie Silber, im 19. Jahrhundert betrug der Faktor sogar nur 11. Die weniger pessimistischen Anleger, welche die Weltwirtschaft schon im nächsten Aufschwung wähnen, greifen dagegen lieber zu klassischen Industriemetallen wie Kupfer, das von wirtschaftlichen Aufschwungphasen typischerweise besonders profitiert, anstatt zu Silber. Die Preisschwankungen bei Kupfer sind jedoch höher.

          Zahlreiche Analysten halten daher das Rendite-Risiko-Profil von Silber für besser als das der klassischen Industriemetalle und auch besser als das von Gold. Wer dieser Einschätzung als Anleger folgen will, findet in Zertifikaten die einfachste Form, um an der Entwicklung des Silberpreises zu partizipieren. Ein typisches Produkt, dass den Silberpreis exakt nachvollzieht, ist ein Zertifikat von Goldman Sachs auf den im Londoner Fixing festgestellten Silberpreis (Wertpapierkennnummer WKN: GS0HH3). Gebühren gibt es keine, lediglich die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis geht zu Lasten des Anlegers. Sie beträgt aktuell jedoch lediglich 2 Cent bei einem Preis für das Zertifikat von etwa 14,30 Euro.

          Auch ETCs können wertlos verfallen

          Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass der Silberpreis in Dollar notiert. Der Anleger setzt somit nicht nur auf einen steigenden Silberpreis, sondern zudem auf einen höheren Dollar-Kurs gegenüber dem Euro. Wer diese zusätzliche Währungskomponente ausschließen möchte, findet dazu Quanto-Zertifikate (WKN: GS72X0). Hier wird jedoch jährlich eine Gebühr für den Ausschluss des Währungsrisikos von 4 Prozent fällig. Darüberhinaus unterliegen alle Zertifikate dem Ausfallrisiko des Emittenten. Wird dieser zahlungsunfähig, kann auch das Zertifikat unabhängig vom Silberpreis wertlos verfallen.

          Als Alternative gewinnen Exchange Traded Commodities (ETCs) unter Anlegern an Zuspruch. Diese Papiere sind zwar ebenfalls Schuldverschreibungen und können bei der Insolvenz des Emittenten wertlos verfallen. Einige Anbieter hinterlegen jedoch Sicherheiten, auf die ein Treuhänder im Insolvenzfall Zugriff hat und die er dann zugunsten der Anleger verkauft. So bietet die Deutsche Bank ein Silber-ETC, das mit Silber hinterlegt ist (WKN: A1EN2H). Für diese Sicherheit zahlen die Anleger eine jährliche Gebühr von 0,45 Prozent. Ende Juli soll eine ETC-Variante mit Währungsschutz emittiert werden.

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