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Verluste vor May-Rede : Drohender „harter“ Brexit schickt das Pfund auf Talfahrt

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Vor einer Grundsatzrede der britischen Premierministerin Theresa May zum Brexit mehren sich Anzeichen, dass die britische Regierung auf EU-Konfrontationskurs wird. Bild: POOL/EP/REX/Shutterstock

Die Sorge vieler Investoren vor einem scharfen Brexit-Kurs der britischen Regierung setzt dem Pfund zu. Analysten halten eine weitere Abwertung um fünf bis zehn Prozent für realistisch.

          Am Devisenmarkt sind zum Wochenauftakt starke Verluste des britischen Pfunds das alles beherrschende Thema. gegenüber dem Dollar wertete der Sterling in der Nacht zum Montag bis auf 1,1984 Dollar ab. Im Tagesverlauf wertete das Pfund weider leicht auf.

          Es ist dies ein neuer Tiefstand für die britische Währung, die im Oktober 2016 erstmals auf das niedrige Niveau der Kurse von 1985 fiel. Bis zu einem historischen Tief ist es allerdings noch weit. In der ersten Hälfte der Achtziger Jahre war für das Pfund teilweise nur 1,05 Dollar bezahlt worden.

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          Auslöser der fortgesetzten Talfahrt sind Presseberichte vom Wochenende, wonach die britische Regierung bei den Verhandlungen über einen Austritt des Königreichs aus der EU einen harten Kurs steuern wird. Am Markt wird damit gerechnet, dass Premierministerin Theresa May bei der mit Spannung erwarteten Grundsatzrede am Dienstag ihren harten Brexit-Kurs offiziell verkünden wird.

          „Es ist unmöglich, vorherzusagen, wie stark ein „harter“ Brexit das Pfund schwächen würde", schreiben die Analysten der Investment-Bank JPMorgan in einem Kommentar. Eine weitere Abwertung um fünf bis zehn Prozent sei realistisch. Aktuell notiert die Währung rund 20 Prozent unter ihrem Niveau kurz vor dem Brexit-Referendum vom vergangenen Juni. Das britische Pfund steht seit der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt Ende Juni unter Druck. Seither verlor die Währung gegenüber dem Dollar knapp 20 Prozent an Wert.

          Neil Wilson, Marktanalyst bei ETX Capiutal, ist mit dem Verhalten der Downing Street sichtlich unzufrieden: „Als ob wir noch mehr Unsicherheit gebraucht hätten“, schimpft er. „Wir wissen noch nicht einmal, wann Theresa May sprechen wird. Dass das Büro der Premierministerin dies abgelehnt hat, erzürnt die Marktbeobachter.“ Dies sei angesichts der Empfindlichkeit der Märkte doch ein wenig seltsam, besonders weil der Kern der Botschaft schon in der Wochenendpresse zirkuliert habe.

          Wenn Großbritannien ohne Übergang aus dem Binnenmarkt ausschere, werde das Pfund noch viel weiter fallen. Auch die zwanzigprozentige Abwertung reflektiere nicht den Austritt aus dem Binnenmarkt. Andeutungen hinsichtlich eines Übergangs könnten den Fall des Wechselkurses dämpfen, doch längerfristig seien die Bären nicht abzuschütteln.

          In Euro notiert das Pfund aktuell bei 1,1384. Im Oktober war die britische Währung mit 1,1065 Euro allerdings schon weniger wert gewesen. Indes wertete der Sterling gegenüber der Gemeinschaftswährung seit Mitte Dezember um rund fünf Prozent ab.

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