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Dollarschwäche : Der Euro ist nicht alleine stark

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Bild: F.A.Z.

Der amerikanische Dollar ist schwach, am Mittwoch erreichte er gegen den Euro ein neues Rekordtief. Allerdings wertet nicht nur der Euro auf, sondern auch andere Währungen legen deutlich zu.

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          Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gegen den Dollar erstmals auf mehr als 1,47 Dollar gestiegen. Auslöser des jüngsten Aufwertungsschubs sind Äußerungen des Vizepräsidenten der chinesischen Zentralbank, die auf eine Diversifizierung der Währungsreserven hindeuten. Es wurde allerdings auch schon früher vermutet, dass China einen Teil seiner Reserven, die einen Wert von 1.430 Milliarden Dollar haben, in Euro anlegen könnten. Zudem habe der Vize-Präsident keine Entscheidungsgewalt, sagte Hans Redeker, Chef-Devisenstratege der BNP Paribas. Dennoch stieg der Außenwert des Euro.

          Mit Wechselkursen von bis zu 1,4731 Dollar je Euro war es für Europäer noch nie in der Vergangenheit so günstig wie am Mittwoch, Waren und Dienstleistungen einzukaufen, deren Preise in Dollar oder nahen Währungen ausgewiesen werden.

          Auf der anderen Seite wird es für Unternehmen mit überwiegend europäischen Standorten immer schwieriger und kostspieliger, in den Dollarraum zu exportieren bzw. dort erzielte Gewinne in die heimische Währung umzurechnen.

          Eine starke Währung bietet Vor- und Nachteile

          Sie können sich zwar kurz- und mittelfristig gegen Wechselkursschwankungen absichern. Das gilt jedoch nicht für das einmal erreichte Kursniveau. Auf den starken Euro müssen sich die Firmen operativ einstellen, um ihre Wettbewerbesfähigkeit nicht zu gefährden. Das kann zu einer Verlagerung der Produktion ins Ausland oder zu Rationalisierungsmaßnahmen im Inland führen.

          Vorteile bietet ihnen die starke Währung hingegen dort, wo es um den Einkauf von Energie, Rohstoffen oder auch Edelmetallen geht. Ihre Preise liefen in den vergangenen Monaten mit dem Euro nach oben: Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent erreichte am Mittwoch mit einem Plus von knapp einem Prozent auf 94,17 Dollar ein Allzeithoch, während der Goldpreis 2,5 Prozent auf bis zu 845 Dollar je Feinunze zulegte. Das ist der höchste Stand seit 27 Jahren.

          Gut für den Konsumenten

          Die Wirkung der starken Währung ist nicht eindeutig. „Für den Konsumenten ist sie zunächst einmal gut,“ erklärt Rainer Sartorius von HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Sie dämpft die Inflationsentwicklung. Hätten wir nicht den starken Euro, so würde sich der hohe Ölpreis bei uns noch deutlicher bemerkbar machen. Er vergünstigt generell die Importe, in einem Umfeld, in der wir mit der Preisentwicklung schon Probleme haben,“ erläutert er weiter. Schlecht sei sie dagegen grundsätzlich für die Exportwirtschaft, bei der sich der starke Euro in den kommenden Quartalen sehr wahrscheinlich negativ bemerkbar machen werde.

          In den vergangenen Tagen hat sich die inzwischen schon fünfeinhalb Jahre anhaltende Abwertungsbewegung der amerikanischen Devise gegen die europäische Einheitswährung merklich beschleunigt. Alleine am Mittwoch muss sie einen Kursverlust von mehr als einem Prozent hinnehmen. Für den Devisenmarkt ist das viel, erklären Experten. Auf der anderen Seite sei im Markt bisher keinerlei Panik zu verspüren. Die Volatilitäten hätten nur wenig angezogen, erklären sowohl Sartorius als auch Redeker.

          Aus diesem Grund gehen beide davon aus, dass der Dollar gegen den Euro zumindest kurzfristig weiter abwerten kann, bevor es schließlich zu einer unter Umständen deutlichen Gegenbewegung kommen könne. Redeker hält Extremkurse von bis zu 1,65 Dollar je Euro nicht für ausgeschlossen. Gemessen an theoretischen Modellen wie der Kaufkraftparität dürfte der Euro an den Devisenmärkten nur zwischen 1,16 und 1,21 Dollar kosten.

          Handelsgewichtet wertet der Euro weniger stark auf als gegen den Dollar allein

          Die starke Aufwertung von etwas mehr als zehn Prozent des Euro gegen den Dollar seit Jahresbeginn mag zunächst beeindrucken. Allerdings ändert sich das Bild etwas, wenn man den effektiven Wechselkurs der Europäischen Zentralbank betrachtet. Er hat seit Beginn des Jahres gerade einmal 4,5 Prozent auf zuletzt 110,26 zugelegt. Da er von gewichteten bilateralen Wechselkursen der 24 wichtigsten Handelspartner abgeleitet wird, ist er objektiver, als der alleinige Blick auf das Verhältnis von Euro und Dollar. Besonders ins Gewicht fallen in diesem Korb die Währungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Japans, Chinas, der Schweiz und Schwedens.

          Objektiver wird das Bild auch dann, wenn man den Blickwinkel ausweitet. Es zeigt, dass Währungen wie der kanadische Dollar, der brasilianische Real, die neue türkische Lira und nicht zuletzt auch der australische Dollar sogar noch gegen den an sich schon starken Euro aufgewertet haben. Sie profitieren bisher vom anhaltenden Boom im Energie- und Rohstoffbereich, der die Investitionstätigkeit in den gut „ausgestatteten“ Staaten direkt und den Konsum indirekt anregte.

          Auf der anderen Seite stehen Währungen wie der Taiwan-Dollar, der Yuan und nicht zuletzt auch der Yen und der Schweizer Franken, die in den vergangenen Monaten schwach, aber gegen den Euro weniger schwach waren als der Dollar. Ihre relative Schwäche liegt an den niedrigen Zinsniveaus, die sie in den vergangenen Jahren zu Finanzierungswährungen machten und die einheimischen Anleger zum Teil auch an die internationalen Finanzmärkte trieben. Auf diese Weise wurden ihre Währungen geschwächt.

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