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Wechselkurse : Der Dollar neigt zur Schwäche

Für die nächsten Monate sagen die Analysten einen Kurs von 1,04 Dollar gegenüber dem Euro voraus. Bild: dpa

Die Notenbanken und Donald Trump prägen derzeit den Kurs des Dollar. Analysten der Citi erwarten nicht länger eine Parität zum Euro. Der wird durch Nachrichten aus Europa gestärkt.

          Kurzzeitig hatte der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) Gold in der Vorwoche die Marke von 1200 Dollar unterschritten, und die auf eine Baisse des Edelmetalls wettenden Hedgefonds sahen sich schon auf der Gewinnerstraße. Nun bewegt sich der Preis für eine Feinunze Gold bei 1232 Dollar. Aber nicht nur gegenüber dem Edelmetall hat die amerikanische Währung in den vergangenen Tagen an Wert verloren, sondern auch gegenüber anderen Währungen, und darunter auch gegenüber dem Euro.

          Die Analysten der amerikanischen Großbank Citi haben ihre Prognose verändert: Hatten sie bisher auf mittlere Sicht einen Fall des Wechselkurses unter die sogenannte Parität von einem Dollar für einen Euro gesehen, sagen sie nun für die kommenden sechs bis zwölf Monate einen Kurs von 1,04 Dollar voraus.

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          Erwartungen an die Fed wurden enttäuscht

          Ein Grund für diese Entwicklung ist in den Vereinigten Staaten zu suchen. „Die Federal Reserve geht den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gelassen an“, heißt es beim Vermögensverwalter Axa Investment Managers. Die Fed hat in der Vorwoche, wie überwiegend erwartet, ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht und zwei weitere Leitzinserhöhungen für den Jahresverlauf in Aussicht gestellt. Aber an den Finanzmärkten hatte sich vor der Sitzung in der vergangenen Woche die Ansicht verbreitet, die amerikanische Wirtschaft wachse so stark, dass die Fed möglicherweise noch schneller ihren Leitzins erhöhen müsse. Diese Erwartungen wurden allerdings von der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen auf der Pressekonferenz am Mittwoch enttäuscht.

          Zudem setzt sich an den Finanzmärkten die Erkenntnis durch, dass die neue amerikanische Administration kein großes Interesse an schnell steigenden Zinsen haben dürfte. So fand kürzlich das öffentliche Lob des Trump-Wirtschaftsberaters Gary Cohn für die im Wahlkampf noch gescholtene Fed Aufmerksamkeit. Zudem stärken zurückhaltende Äußerungen aus Washington gegenüber dem Freihandel die Auffassung, dass die Amerikaner stärker als früher ihre Außenhandelsbilanz in den Vordergrund ihrer Überlegungen stellen – und das Defizit in der Bilanz spricht nicht für einen Wunsch nach einem sehr starken Dollar an den Devisenmärkten.

          Linie der EZB stärkt Euro

          Die Analysten der Citi geben auch zu bedenken, dass Konflikte zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress über die Gesundheitspolitik die Verabschiedung einer unternehmensfreundlichen Steuerreform verzögern könnten.

          Aber auch Nachrichten aus Europa stützen am Devisenmarkt den Euro gegenüber dem Dollar. Denn nun hat sich mit dem Gouverneur der Banca d’Italia, Ignazio Visco, auch ein Repräsentant der aktuell lockeren geldpolitischen Linie der Europäischen Zentralbank (EZB) öffentlich mit der Möglichkeit einer Erhöhung des negativen Einlagenzinses vor einer Beendigung der Anleihekäufe beschäftigt.

          Visco sagte am Rande des Treffens der G-20-Gruppe in Baden-Baden, die bisherige Ankündigung der EZB, sie werde noch lange nach Beendigung der Anleihekäufe ihre Leitzinsen niedrig halten, könne geändert werden. Zuvor hatte der Präsident der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, die Möglichkeit einer früheren Erhöhung des Einlagenzinses erwähnt.

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