https://www.faz.net/-gv6-3ewg

Dollar-Schwäche : Euro startet neuen Angriff auf die Parität

  • Aktualisiert am

Der Euro hat wieder was zu feiern Bild: AP

Die Stimmung unter den Anlegern zum Dollar bleibt schlecht. Das kommt dem Euro zu Gute, der nach Händleransicht in Kürze die Parität knacken kann.

          2 Min.

          Der Euro bleibt gefragt. Oder besser ausgedrückt: Die Schwäche des Dollar hält an. Am Freitag ist die europäische Einheitswährung zum ersten Mal seit Februar 2000 wieder über die Marke von 0,9950 Dollar gestiegen und erreichte im Hoch schon 0,9990 Dollar. Gegen 14.50 Uhr notiert er bei 0,9955 Dollar und bewegt sich damit in Reichweite der Parität.

          Händler sind sich uneinig darüber, ob bereits beim jetzigen Anlauf diese psychologisch und symbolisch wichtige Marke tatsächlich überwunden werden kann. Einerseits würde eine Konsolidierung nach den bereits gesehenen Gewinnen gut tun. Anderseits spreche die Nachrichtenlage weiter gegen die US-Devise. „Der Euro könnte die Parität noch am Freitag erreichen“, glaubt deshalb Will Rugg von Standard and Poor's in London.

          Bilanzskandale belasten die Stimmung

          Nach dem jüngsten schlagzeilenträchtigen Bilanzskandal um Worldcom gibt es zum Wochenausklang jedenfalls neue Sorgen wegen angeblicher Bilanzunregelmäßigkeiten bei Xerox. Meldungen wie diese untergraben das Vertrauen in die US-Wirtschaft sowie die Verlässlichkeit der Wall Street und belasten damit indirekt auch den Dollar. Seit Wochen hat dies den Abfluss von Kapitalströmen aus den USA zur Folge.

          Schon bei Bekanntgabe des Worldcom-Skandals hatte im Anschluss daran Beobachter wie Tony Norfield, leitender Devisenanalyst bei ABN Amro, gemutmaßt: „Die Angst, ein weiterer US-Unternehmensskandal könnte nach Worldcom ans Tageslicht kommen, belastet die Dollar-Stimmung."

          Am Freitag hatte auch der bekannte Großinvestor George Soros von der Möglichkeit eines Endes der siebenjährigen Aufwärtsbewegung beim Dollar gesprochen. Besonders beunruhigt zeigte sich Soros darüber, dass es nach seiner Auffassung „bei den Regierungsstellen in den USA keinen großen Drang gibt, etwas zu tun.“ Hinzu kommt als Belastungsfaktor natürlich das hohe Handelsbilanzdefizit der USA. „Das macht den Dollar anfällig“, weiß nicht nur Tim O´Dell, Fondsmaanger bei Investec Asset Management.

          Auch der Yen zeigt weiter Stärke

          Wie negativ die Stimmung gegen den Dollar derzeit ist, zeigt sich auch daran, dass das am Donnerstag überraschend stark von 5,6 auf 6,1 Prozent nach oben revidierte US-Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal den Dollar nicht nachhaltig stärken konnte. Ein Indiz ist aber auch das britische Pfund, das mit 1,5351 Pfund so hoch wie seit Mai 2000 nicht mehr notiert.

          Vor diesem trüben Hintergrund zeigen selbst die Interventionsversuche der Japaner zu Gunsten des Dollar bisher wenig Erfolge. Zumindest gewinnt der Yen gegenüber der US-Devise am Berichtstag mit Kursen von 118,40 Yen ein weiteres Prozent an Wert hinzu. Zur Erinnerung: Im Januar wurden noch 134,76 Yen bezahlt.

          Und angesichts der jüngsten Dynamik der Bewegung spricht aktuell wenig gegen ein abruptes Ende der Dollar-Schwäche. Gemessen an einem Korb mit den wichtigsten Weltwährungen hat die US-Devise in diesem Quartal zumindest elf Prozent verloren und damit die stärksten Quartalseinbußen seit dem 4. Quartal 1987 hinnehmen müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.