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Bargeld : Das Geheimnis der großen Scheine

610 Millionen 500-Euro-Scheine gibt es momentan - Tendenz steigend. Bild: dpa

Zum Einkaufen braucht man sie fast nie, und Tankstellen lehnen sie oft ab. Trotzdem nimmt die Zahl der großen Banknoten beständig zu. Was steckt dahinter?

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          Besonders auffällig ist es in der Schweiz. Der 1000-Franken-Schein, die größte Banknote dieser Währung, die von vielen nach einer Abbildung auf einer früheren Version „Ameise“ genannt wird, ist beliebt wie nie. Fast 42 Millionen dieser Scheine sind nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mittlerweile im Umlauf. Mit einem Wert von gut 42 Milliarden Franken machen sie zusammen mehr als 60 Prozent des gesamten Franken-Bargeldes aus. Allein in den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Tausender um mehr als 10 Prozent gestiegen – das ist selbst für die Schweiz außergewöhnlich.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders war die Entwicklung im Euroraum. Dort hat man vor allem in der Finanzkrise einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach großen Geldscheinen registriert. Als Lehman insolvent wurde, deckten sich viele Banken vorsichtshalber mit Bargeld ein – und viele Bürger horteten Bargeld, weil sie den Banken nicht trauten. In dieser Zeit verzeichnet die Statistik der EZB eine deutliche Zunahme der 500-Euro-Scheine. Von September zu Oktober 2008 stieg sie von 470 auf 520 Millionen, also um 11 Prozent in einem Monat. Seither ist der Anstieg der Zahl der großen Scheine etwas gemächlicher geworden. Immerhin aber gibt es inzwischen gut 610 Millionen – mehr als jemals zuvor. Fast ein Drittel des umlaufenden Bargelds besteht aus Fünfhundertern.

          Was ist da los? Warum sind diese Scheine, die man zum Einkaufen praktisch nie braucht und die an der Tankstelle oft sogar abgelehnt werden, so beliebt?

          Große Scheine vor allem für Verbrechen genutzt

          Kritiker des Bargeldes sagen: Die großen Scheine werden vor allem zur Steuervermeidung und für illegale Geschäfte genutzt. In Großbritannien gab es vor fünf Jahren eine Untersuchung der Polizei, der zufolge zumindest dort die 500-Euro-Scheine zu 90 Prozent für Verbrechen benutzt würden. Bei britischen Banken und Wechselstuben sollte man diese Scheine seither nicht mehr bekommen. In Amerika war die 500-Dollar-Note in den 60er Jahren aus ähnlichen Gründen abgeschafft worden. Und auch der größte Schein der Welt, der 10000-Dollar-Schein in Singapur, wird nicht mehr gedruckt und nach und nach eingezogen.

          Anders als in Deutschland gibt es aus ähnlichen Überlegungen in vielen europäischen Ländern Obergrenzen für die Bargeldzahlung. Frankreich hat diese Grenze gerade herabgesetzt. Seit dem 1. September liegt sie bei 1000 Euro statt 3000 Euro. Den umgekehrten Weg will Italien gehen: Dort gibt es eine Höchstgrenze bei 1000 Euro, die auf 3000 Euro hochgesetzt werden soll.

          Auch in Deutschland gibt es eine solche Debatte: So hatte sich der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans (SPD), für eine Obergrenze für Barzahlungen zwischen 2000 und 3000 Euro ausgesprochen, der Finanzminister des Saarlandes, Stefan Toscani (CDU), für eine Grenze bei 5000 Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte dem bislang ganz grundsätzlich entgegengehalten, man solle es den Menschen aus seiner Sicht freistellen, ob sie bar zahlen wollten. Allerdings hieß es jetzt beim Bundesfinanzministerium diplomatisch, man habe sich europaweit nicht auf einheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Geldwäsche verständigen können. Deshalb sei bereits jetzt festzustellen, „dass sich Kriminelle, die in Ländern mit Obergrenzen für Barzahlungen domizilieren, diese Situation zu Nutze machen und ihre illegal generierten Erträge verstärkt in Mitgliedstaaten waschen, die keine Obergrenze für Barzahlungen kennen“. Gegenwärtig werde daher geprüft, mit welchen Maßnahmen dieser Trend gestoppt werden könne.

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