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Die technische Analyse : Die Goldhausse nähert sich dem Ende

  • -Aktualisiert am

Verliert Gold bald seinen Glanz? Bild: dpa

Der schlimmste denkbare und gleichzeitig häufigste Analystenfehler ist es, vorzeitig das Ende eines intakten Trends vorhersagen zu wollen. Trotzdem legt die technische Analyste nun das Ende der langfristigen Goldhausse nahe.

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          Der schlimmste denkbare und gleichzeitig häufigste Analystenfehler ist es, vorzeitig das Ende eines intakten Trends vorhersagen zu wollen. Die Liste dieser klassischen analytischen Fehlleistungen allein in den vergangenen zehn Jahren würde diesen Finanzteil gut füllen.

          Wenn sich die Kurse einer Branche wie die der Banken binnen anderthalb Jahren fünfteln oder wenn sich die Aktien wie die der deutschen Autobauer in nicht einmal zwei Jahren im Durchschnitt fast vervierfachen, dann liegt das fast immer jenseits der Vorstellungskraft der meisten Marktteilnehmer.

          Technische Analyste legt das Ende der Goldhausse nahe

          Genau das gilt auch für Gold. Wer vor zehn Jahren dem Stoff, aus dem viele Träume sind, eine Verfünffachung verheißen hatte, der ist bestenfalls belächelt und schlimmstenfalls für durchgeknallt erklärt worden. Und wer im zurückliegenden Jahrzehnt das baldige Ende der Goldhausse verkündet hatte, der ist heftig auf den Hosenboden gefallen. Trends sind das Faszinierendste, gleichzeitig aber auch das Unglaublichste und deshalb das beachtenswerteste Phänomen der Finanzwelt. Der Goldhausse hier und jetzt ihr Ende zu verkünden, will und muss extrem gut überlegt und die Gründe für eine solche Prognose müssen überragend sein. Sind sie es?

          Der abgebildete Chart basiert auf den Wochenschlusskursen von Gold der vergangenen zehn Jahre und zeigt zwei dieser geforderten analytischen Momente. Zum einen sind da die Elliott-Wellen, die unbedingt einem abgeschlossenen Hausse-Zyklus seit 1999 das Wort reden.

          Die Theorie der Elliott-Wellen geht davon aus, dass sich ein Aufwärtstrend immer in fünf Phasen vollzieht. Die Wellen 1, 3 und 5 sind nach oben gerichtet, während die Wellen 2 und 4 diese Kursanstiege konsolidieren beziehungsweise korrigieren. Ist ein solcher Hausse-Zyklus abgeschlossen, muss es notwendigerweise zumindest zu einer nachhaltigen Unterbrechung dieses Aufwärtstrends kommen.

          Diese Einschätzung wird zum andern durch das zweite abgebildete Kernargument, den "negativen Divergenzen" des MACD-Indikators, nicht nur bestätigt, sondern auch verstärkt. Dieses Phänomen tritt beispielsweise auf, wenn die Dynamik im Aufwärtstrend nachlässt, weil die Investoren nicht mehr bereit sind, jeden Preis zu zahlen. "Negative Divergenzen" sind auch ein guter Hinweis darauf, dass ein Markt für weniger gute Nachrichten empfänglich und damit anfällig geworden ist. Brisanz erfährt diese Einschätzung der Feinunze jetzt, weil der auf Tagesschlusskursen basierende Chart (nicht abgebildet) der vergangenen beiden Jahre fast genau so oder in der Sprache der Elliott-Wellen und - nur nebenbei - auch der Chaostheorie "selbstähnlich" aussieht. Auch da, eine analytische Ebene tiefer, ist eine Elliott-Impulswelle abgeschlossen, und auch da zeigt der MACD die gleichen vertrackten Divergenzen.

          Selbst wenn wie immer die Einschränkung gilt, dass alles ganz anders kommen kann, weil Prognosen nur der Versuch sein können, der Zukunft ihren Schleier zu entreißen und sie nie irgendetwas mit Gewissheit behaupten können: Wenn ich als technischer Analyst unter diesen Vorzeichen jetzt nicht mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75 Prozent mit dem Ende des Aufwärtstrends rechne, dann nehme ich meinen Job nicht besonders ernst. Deshalb gilt hier ausdrücklich: Der langfristige Aufwärtstrend der Feinunze neigt sich seinem Ende zu. Ich rechne für dieses Jahr dezidiert mit spürbaren Kursverlusten. Mit einem Fall des Goldpreises in Bereiche um 1000 Dollar und damit auf das Niveau der eingezeichneten langfristigen Trendlinie muss gerechnet werden.

          Der langfristige Aufwärtstrend neigt sich seinem Ende zu

          Der Dax hat uns den erwartet holprigen Jahresauftakt beschert, und bislang spricht einiges dafür, dass es in den nächsten Wochen auch so weitergehen wird. Der Widerstandsbereich zwischen rund 7.050 und 7.250 Punkten war, ist und bleibt ein ziemlich dickes Brett. Für seine Überwindung wird es mehr Kraft brauchen, als dem Dax nach meiner Einschätzung momentan zur Verfügung steht. Verluste von 5 bis 7 Prozent und Indexstände um 6660 Punkte sind bisher nicht aus der Welt.

          Aber gerade die Erholung zur Wochenmitte ist auch ein guter analytischer Fingerzeig darauf, dass Schmalhans nicht auf Dauer Küchenmeister bleiben wird. Der Dax befindet sich trotz kurzfristig möglicher Jahreshochs nach wie vor in einer Konsolidierungsphase, die für die Jahreszeit zwar eher untypisch, ansonsten aber alles andere als ein Beinbruch ist. Sie wird von dauerhaft steigenden Indexständen in absehbarer Zeit abgelöst, und dann werden die Jahreshochs aus 2010 wohl noch im ersten Quartal 2011 signifikant überboten werden.

          Anders als bei Gold zeigen die Trends an den deutschen wie auch zum Beispiel an den amerikanischen Aktienmärkten eben keine langfristig zu deutenden Abnutzungserscheinungen oder Warnsignale irgendeiner Art. Auch wenn in meinen Augen steigende Goldpreise alles andere als gute Krisenindikatoren und deshalb fallende Preise auch keine guten Wohlfühl-Indikatoren sind, so spricht vielleicht beides doch für eine weitere Normalisierung der Lage. Wenn Gold "out" ist und Aktien "in" sind, dann nimmt wahrscheinlich wenigstens bis zu einem gewissen Grad das Sicherheitsgefühl der Investoren zu und deren Sorgen ab.

          Auch beim Euro bleibt das technisch zumindest halbwegs gut begründete Gefühl, dass die europäische Währung kurzfristig schlechter gemacht und geredet wird, als sie wirklich ist. Die Angst, mit der im Vorfeld über die anstehende Auktion portugiesischer Anleihen am vergangenen Mittwoch berichtet wurde, und der reibungslose Verlauf sprechen genau dafür. Ich erwarte weiterhin - kurzfristig, mehr nicht - eine spürbare Erholung des Euro.

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