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Digitalwährung : Die Schwierigkeiten der Bitcoin-Produzenten

Kämpft mit traditionellen Problemen: die virtuelle Währung Bitcoin Bild: REUTERS

Die Internetwährung Bitcoin hat mittlerweile mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen wie die alteingesessene Finanzbranche. Das wird zum Hindernis - hat aber auch Vorteile.

          Die digitale Währung Bitcoin ist noch sehr jung. Gerade einmal vor fünf Jahren erblickte sie das Licht der Welt, richtig berühmt wurde sie erst im Vorjahr mit einem famosen Preisanstieg auf bis zu 1200 Dollar. Doch mittlerweile ist Ruhe eingekehrt, die Preise sind stark gesunken. In diesen Tagen handelt die digitale Währung zwischen rund um 500 Dollar - damit hat sie allein im vergangenen Monat wieder einmal 150 Dollar an Wert verloren. Es kam im Zuge des aktuellen Preisverfalls auch immer wieder zu sogenannten „Flash-Crashes“. Bei diesen Kurseinbrüchen fällt innerhalb von wenigen Augenblicken der Preis. Ein Phänomen, wie man es auch aus der alteingesessenen Finanzbranche kennt. Schon der Dax und der Dow Jones hatten damit immer wieder zu kämpfen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch warum ist das nun bei den Bitcoins so? Eine Ursache könnte das sogenannte Margentrading sein, wie der Analyst Raffael Danielli von der Bank ING schreibt. Dabei wird nach Termin investiert. Konkret bedeutet das: Ein Investor leiht sich Geld bei anderen Brokern, um auf bestimmte Entwicklungen zu setzen. Zu einem bestimmten Termin erhält der Investor entweder den Differenzbetrag, falls der Kurs gefallen ist, oder eine Gutschrift, sollte der Kurs gestiegen sein. In der etablierten Finanzbranche sind solche Geschäfte gang und gäbe. Mit der Einführung solcher spekulativen Investments ging auch der Boom der Bitcoins einher.

          Nun wurden die Investoren aber auf dem falschen Fuß erwischt. Denn nachdem es einige positive Nachrichten seitens der amerikanischen Regierung gab, stiegen immer mehr Leute mit geliehenem Geld in den Markt ein, um ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Aber nun steigen die Kurse nicht mehr, sie stagnieren eher beziehungsweise fallen sogar. An sich sind solche Geschäfte kein Problem. Doch auf dem Bitcoin-Markt tummeln sich nur verhältnismäßig wenige Spieler. Das heißt: Schon kleine Transaktionen führen bei der niedrigen Volatilität zu großen Kursbewegungen. Fällt der Bitcoin dann unter eine gewisse Marke, muss eine Nachzahlung vom Investor geleistet werden. Kann oder möchte der Spekulant das nicht machen, wird der Bitcoin zwangsweise verkauft. Da nicht gezahlt wird, fällt der Preis weiter. Und eben das setzt eine Abwärtsspirale in Gang.

          Eine andere Erklärung für solche Flash-Crashes gibt es auch an den regulären Finanzmärkten. Teilweise liegt das an den Margengeschäften, teilweise auch an den „Fat Fingers“. So wird ein Phänomen genannt, wenn ein Händler beim Kaufen oder Verkaufen einer bestimmten Position sich vertippt und dadurch eine ungewollte Reaktion auslöst.

          Für Spekulanten interessant

          Der anhaltende Preisverfall wird nun auch für die Bitcoin-Produzenten zum Problem. Nicolas Courtois, Kryptographie-Fachmann aus London, sagte gegenüber der „Financial Times“, dass diese Produzenten bereits mindestens eine Milliarde Dollar in Computer investiert haben, die speziell zum Herstellen von Bitcoins dienen. Courtois geht davon aus, dass die meisten Produzenten Verlust machen. Denn den hohen Kosten stehen keine wachsenden Gewinne gegenüber, wie die Grafik von Blockchain zeigt. So haben bisher nur wenige Produzenten wirklich von dem Boom profitiert. Allerdings stecken die großen Bitcoin-Produzenten in der Falle. Denn sie müssen weiter investieren, um überhaupt Schritt halten zu können mit anderen Produzenten. Tun sie das nicht, werden sie noch unprofitabler.

          Doch dass die Bitcoins den regulären Finanzmärkten immer ähnlicher werden, hat auch Vorteile. So rechnet die Investmentfirma Wedbush Securities damit, dass die Wall Street die Volatilität zu schätzen weiß. Aus Gesprächen mit Wall-Street-Händlern gehe hervor, dass der Bitcoin-Handel wegen der starken Ausschläge auf Nachrichten - ob gute oder schlechte - interessant sei. Das zieht immer mehr Spekulanten an, die dann professionelle Finanzwerkzeuge aus dem Aktienhandel zu Hilfe nehmen - wie eben den Margenhandel, aber auch den Computer und Derivatehandel. Die starken Kursbewegungen seien für Kunden übrigens kein Problem. Denn eine Hand voll Unternehmen würde an Lösungen arbeiten, um Händler vor solchen Preisstürzen zu bewahren.

          Als Zahlungsmittel wurden Bitcoins aber seit jeher von sehr wenigen Menschen behandelt. Schon im Internet gibt es nur wenige Unternehmen, bei denen man mit der digitalen Währung zahlen kann. Im realen Leben sind es noch weniger. Die Suche nach solchen Läden gleicht der nach einer Nadel im Heuhaufen. Zuletzt hatten auch in den Vereinigten Staaten wiederholt Behörden vor den Bitcoins gewarnt, was einige Analysten auch zu der Einschätzung führte, der Preisverfall könnte auch mit diesen Warnungen zusammenhängen.

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