https://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/die-preise-fuer-gold-oel-und-kupfer-werden-weiter-sinken-13296956.html

Rohstoffpreise : Düstere Ausblicke für Gold und Öl

So billig wie seit 2010 nicht mehr: Kupfer fällt auf unter 6200 Euro die Tonne. Bild: dpa

Viele Rohstoffwerte sind auf mehrjährige Tiefstände gefallen. Analysten sehen weitere Preissenkungen voraus. Anleger sollten sich zurückhalten – für sie lohnt sich der Kauf im Moment nicht.

          2 Min.

          Für Rohstoffwerte wird es wohl ein düsteres Jahr 2014 werden: Am Montag sind abermals die Preise für Gold, Öl, Kupfer und andere Rohstoffe gefallen. Brent notierte mit 67,53 Dollar je Barrel auf einem mehrjährigen Tiefstwert. Gold fiel bis auf 1141 Dollar und war vom Vierjahrestief nur noch 10 Dollar entfernt.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hauptgrund war immer noch die Opec-Entscheidung vom vergangenen Freitag, in deren Sog auch andere Rohstoffe deutlich schwächer notierten. Auch der schwach ausgefallene Einkaufsmanagerindex aus dem rohstoffhungrigen China hat dazu beigetragen. Er ist auf 50,3 Punkte gesunken und damit stärker als erwartet. Damit hält er sich nur noch knapp über der wichtigen Marke von 50 Punkten, die Expansion anzeigt. Am Nachmittag erholten sich die Rohstoffwerte aber von den Tagesverlusten und notierten deutlich im Plus.

          Der Preisboden für Öl wird nun von den Analysten der Deutschen Bank und von BNP Paribas bei nur noch 60 Dollar gesehen. Für Gold sieht Goldman Sachs sogar nur noch 1050 Dollar zum Jahresende. Auch auf der Seite der Industriemetalle sind die Vorzeichen negativ. Sie stehen im Umfeld der Risikoaversion wie die anderen Rohstoffe unter Druck.

          Preise fallen durch Überangebot

          So fiel der Kupferpreis bereits auf 6200 Dollar je Tonne und notierte damit so tief wie zuletzt im Frühjahr 2010. Die Wirkung der Zinssenkung von vergangener Woche scheint damit nun komplett verpufft und von den Sorgen überlagert zu sein.

          In nächster Zeit ist auch nicht zu erwarten, dass die Rohstoffpreise wieder ansteigen werden. Das liegt zum einen am Superzyklus. Solch ein Zyklus tritt dann auf, wenn es zu starken strukturellen Veränderungen bei Angebot und Nachfrage kommt. In der ersten Phase zieht dazu die Nachfrage an, aber das Angebot kann damit nicht Schritt halten. Diese Phase wurde durch den Aufstieg Chinas seit Ende der 90er Jahre ausgelöst. Dadurch stiegen auch die Rohstoffpreise.

          Die großen Bergbaukonzerne erzielten höhere Margen und investierten mehr in den Ausbau ihrer Kapazitäten. Dadurch wird der Markt in der zweiten Phase besser versorgt – und die Preise steigen zuerst langsamer und dann gar nicht mehr. In der dritten Phase fallen die Preise dann schließlich, weil ein Überangebot herrscht. Das liegt momentan einerseits an den hohen Kapazitäten, aber auch an der schwachen weltwirtschaftlichen Lage, da in vielen Regionen die Konjunktur deutlich schwächelt.

          Bank warnt vor Europa

          Privatanleger sollten zumindest im Moment daher die Finger von Rohstoffwerten lassen. Nachdem der Superzyklus nun für viele Rohstoffe in der Schlussphase steht, reagieren diese sehr volatil. Schon kleinste Nachrichten führen zu großen Ausschlägen nach oben oder unten. Doch ab wann sie genau wieder steigen, ist pure Spekulation. Daher ist eine Anlage auf diesen Märkten im Moment pure Spekulation und wenn überhaupt dann nur für Zocker zu empfehlen.

          Für Anleger empfiehlt sich eher ein Blick auf andere Anlageklassen. Die Société Générale rechnet damit, dass die sinkenden Benzinpreise allein in den Vereinigten Staaten den Verbrauchern einen Kaufkraftzuwachs von rund 100 Milliarden Dollar bescheren. Auch Japan, der drittgrößte Ölimporteur, ist Nutznießer eines niedrigen Ölpreises. Davon könnten wiederum einige Aktien aus den dortigen Ländern profitieren. Dagegen warnt die Bank vor Werten aus den Schwellenländern und Europa, da diese zu unberechenbar seien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umgang mit Krisen : Wie wir in düsteren Zeiten Hoffnung finden

          Krieg, Klimawandel, Pandemie, Inflation, Energiekrise – und nun kommt die schwerste Jahreszeit. Wie hält man das durch? Wir haben Menschen gesprochen, die das schaffen, trotz allem.
          Putin mit den Müttern von Kämpfern

          Putin trifft Mütter : Lieber Heldentod als Verkehrsunfall

          Um auf Kritik zu reagieren, arrangiert der Kreml ein Treffen mit ausgewählten Müttern von Kämpfern. Ihnen erzählt der Präsident, wie gut es sei, für die Heimat zu sterben statt durch Alkohol oder einen Unfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.