https://www.faz.net/-gv6-8hlf3

Diamantenpreise : Die Entdeckung der Edelsteine

Eine Diamant-Smaragd-Brosche von Cartier um 1920. Bild: Helmut Fricke

Keiner verkauft so viele Rubine, Smaragde und Saphire wie das Londoner Unternehmen Gemfields. Jetzt kommt endlich Farbe ans Dekolleté - und zwar für weniger Geld als man denkt.

          Wenn Ian Harebottle anfängt, von seinen Schätzen zu schwärmen, gibt es kein Halten mehr. „Da kratzt man hier und dort im Sand, und plötzlich blitzt etwas Grünes, etwas Rotes oder etwas Blaues auf. Es ist phantastisch. Diese Kostbarkeiten ruhen seit 500 Millionen Jahren in der Erde, und wir sind die ersten, die sie zu Gesicht bekommen.“ Der 53 Jahre alte Südafrikaner erzählt im Gespräch mit dieser Zeitung von seinen „Lieblingen“: Rubine, Smaragde, Saphire und Amethyste. Viele denken dabei an Märchenkönige, für Harebottle ist es Tagesgeschäft. Er führt Gemfields, den in London beheimateten größten Edelsteinförderer auf der Welt.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Schon Kleopatra schmückte sich mit den bunten Steinen. Doch in jüngerer Zeit wurden sie von Diamanten in eine Marktnische gedrückt, galten als altbacken. Harebottle hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. „Wenn ein Mädchen heute in die Schmuckschatulle ihrer Mutter schaut, funkelt darin alles nur weiß. Das ist so langweilig, wir brauchen endlich Farbe.“

          Der gebürtige Johannesburger, der nur mit leichtem südafrikanischen Akzent spricht, tummelt sich berufsbedingt in der Welt der Reichen und Schönen. Angesprochen auf seinen Job, zückt er mit verschmitztem Lächeln sein Handy und zeigt ein Foto, auf dem er mit der attraktiven Mila Kunis zu sehen ist. „Diese Arbeit ist so unglaublich hart. Meine Aktionäre wissen gar nicht, was ich alles für sie ertragen muss“, witzelt er. Die Schauspielerin - Markenbotschafterin für Gemfields - drückt ihm gerade einen filmreifen Kuss auf die Wange.

          In vielen Segmenten des Rohstoffmarktes herrscht Krisenstimmung. Auch die Preise für Diamanten legen kaum zu. Doch Harebottle strotzt vor guter Laune. Jüngst vermeldete Gemfields einen neuen Rekordpreis für Smaragde. Zwar haben sich die Preise für Rubine und Saphire nach dem Preisindex Gemval gegenüber 2005 fast verdoppelt. Allerdings sind Rubine immer noch deutlich günstiger als Diamanten. Hohe Preise auf Auktionen, wie sie farbige Diamanten erzielen, sind die Ausnahme: Ein taubenblutroter Rubin wechselte im vergangenen Jahr für 30,33 Millionen Dollar den Besitzer.

          "Edelsteine sind zu sehr in Vergessenheit geraten"

          Gemfields war noch vor acht Jahren ein kleiner, weitgehend unbekannter Förderer. Dem Gründer fehlte das Kapital, um das Unternehmen auszubauen, schließlich musste er es von der Börse nehmen. Darin witterte der südafrikanische Bergbau-Magnat Brian Gilbertson, kurzzeitig auch Chef des Bergbauriesen BHP Billiton, eine Chance. Er schnappte sich mit seiner Investitionsgesellschaft Pallinghurst den Förderer, kurz nachdem er das Kagem-Bergwerk in Sambia, die größten Smaragdlagerstätte der Welt, übernommen hatte. Es war ein riskantes Unterfangen, denn die Mine war marode, von Dieben ausgeweidet und hoch verschuldet. Doch nach hohen Investitionen und einer Radikalkur schrieb sie Gewinn. Nach und nach kamen weitere Minen und Explorationsprojekte hinzu: in Moçambique, Kolumbien, Äthiopien, Sri Lanka und Madagaskar.

          Harebottle - sein Vater arbeitete in der Diamantenbranche - ist fast von Anfang an mit von der Partie. Nach dem Studium begann er als Berater, wechselte dann an die Spitze des spezialisierten Edelsteinförderers Tanzanite One. Dass er es nicht nur bunt, sondern auch rasant mag, merkt man nicht nur an seinem Sprechtempo. In der Freizeit fährt er mit den beiden Söhnen Autorennen. Vor allem aber versprüht er eine Begeisterung für sein Geschäft, die auch Investoren ansteckt. Der Gemfields-Aktienkurs hat zwar seit Mitte 2015 gelitten, ist aber dreimal so hoch wie vor fünf Jahren.

          Weitere Themen

          „Es gibt keine Schuldenkrise“

          EZB-Konferenz in Sintra : „Es gibt keine Schuldenkrise“

          Die Eurozone braucht eine expansive Finanzpolitik und weniger strenge Schuldenregeln, sagt der Ökonom Olivier Blanchard bei der EZB-Konferenz in Sintra. Strukturreformen alleine genügten nicht, um das Wirtschaftswachstum zu beleben.

          Topmeldungen

          Iran-Konflikt : Amerika schickt weitere Soldaten in den Nahen Osten

          Die Spannungen zwischen Iran und Amerika nehmen zu. Zwar betont man in Washington, man suche nicht die Konfrontation mit Teheran – dennoch verstärkt Amerika seine Truppen im Nahen Osten. Eine Ankündigung des Irans verschärft die Lage weiter.
          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.