https://www.faz.net/-gv6-8hlf3

Diamantenpreise : Die Entdeckung der Edelsteine

Eine Diamant-Smaragd-Brosche von Cartier um 1920. Bild: Helmut Fricke

Keiner verkauft so viele Rubine, Smaragde und Saphire wie das Londoner Unternehmen Gemfields. Jetzt kommt endlich Farbe ans Dekolleté - und zwar für weniger Geld als man denkt.

          4 Min.

          Wenn Ian Harebottle anfängt, von seinen Schätzen zu schwärmen, gibt es kein Halten mehr. „Da kratzt man hier und dort im Sand, und plötzlich blitzt etwas Grünes, etwas Rotes oder etwas Blaues auf. Es ist phantastisch. Diese Kostbarkeiten ruhen seit 500 Millionen Jahren in der Erde, und wir sind die ersten, die sie zu Gesicht bekommen.“ Der 53 Jahre alte Südafrikaner erzählt im Gespräch mit dieser Zeitung von seinen „Lieblingen“: Rubine, Smaragde, Saphire und Amethyste. Viele denken dabei an Märchenkönige, für Harebottle ist es Tagesgeschäft. Er führt Gemfields, den in London beheimateten größten Edelsteinförderer auf der Welt.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Schon Kleopatra schmückte sich mit den bunten Steinen. Doch in jüngerer Zeit wurden sie von Diamanten in eine Marktnische gedrückt, galten als altbacken. Harebottle hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. „Wenn ein Mädchen heute in die Schmuckschatulle ihrer Mutter schaut, funkelt darin alles nur weiß. Das ist so langweilig, wir brauchen endlich Farbe.“

          Der gebürtige Johannesburger, der nur mit leichtem südafrikanischen Akzent spricht, tummelt sich berufsbedingt in der Welt der Reichen und Schönen. Angesprochen auf seinen Job, zückt er mit verschmitztem Lächeln sein Handy und zeigt ein Foto, auf dem er mit der attraktiven Mila Kunis zu sehen ist. „Diese Arbeit ist so unglaublich hart. Meine Aktionäre wissen gar nicht, was ich alles für sie ertragen muss“, witzelt er. Die Schauspielerin - Markenbotschafterin für Gemfields - drückt ihm gerade einen filmreifen Kuss auf die Wange.

          In vielen Segmenten des Rohstoffmarktes herrscht Krisenstimmung. Auch die Preise für Diamanten legen kaum zu. Doch Harebottle strotzt vor guter Laune. Jüngst vermeldete Gemfields einen neuen Rekordpreis für Smaragde. Zwar haben sich die Preise für Rubine und Saphire nach dem Preisindex Gemval gegenüber 2005 fast verdoppelt. Allerdings sind Rubine immer noch deutlich günstiger als Diamanten. Hohe Preise auf Auktionen, wie sie farbige Diamanten erzielen, sind die Ausnahme: Ein taubenblutroter Rubin wechselte im vergangenen Jahr für 30,33 Millionen Dollar den Besitzer.

          "Edelsteine sind zu sehr in Vergessenheit geraten"

          Gemfields war noch vor acht Jahren ein kleiner, weitgehend unbekannter Förderer. Dem Gründer fehlte das Kapital, um das Unternehmen auszubauen, schließlich musste er es von der Börse nehmen. Darin witterte der südafrikanische Bergbau-Magnat Brian Gilbertson, kurzzeitig auch Chef des Bergbauriesen BHP Billiton, eine Chance. Er schnappte sich mit seiner Investitionsgesellschaft Pallinghurst den Förderer, kurz nachdem er das Kagem-Bergwerk in Sambia, die größten Smaragdlagerstätte der Welt, übernommen hatte. Es war ein riskantes Unterfangen, denn die Mine war marode, von Dieben ausgeweidet und hoch verschuldet. Doch nach hohen Investitionen und einer Radikalkur schrieb sie Gewinn. Nach und nach kamen weitere Minen und Explorationsprojekte hinzu: in Moçambique, Kolumbien, Äthiopien, Sri Lanka und Madagaskar.

          Harebottle - sein Vater arbeitete in der Diamantenbranche - ist fast von Anfang an mit von der Partie. Nach dem Studium begann er als Berater, wechselte dann an die Spitze des spezialisierten Edelsteinförderers Tanzanite One. Dass er es nicht nur bunt, sondern auch rasant mag, merkt man nicht nur an seinem Sprechtempo. In der Freizeit fährt er mit den beiden Söhnen Autorennen. Vor allem aber versprüht er eine Begeisterung für sein Geschäft, die auch Investoren ansteckt. Der Gemfields-Aktienkurs hat zwar seit Mitte 2015 gelitten, ist aber dreimal so hoch wie vor fünf Jahren.

          Weitere Themen

          Deutsch-französische Insurtech-Ehe

          Digitale Versicherungen : Deutsch-französische Insurtech-Ehe

          Der digitale Sachversicherer Coya startete einst mit hohen Erwartungen und dem Geld von Peter Thiels Investmentgesellschaft. Doch der deutsche Markt erwies sich als zäh. Nun sucht er sein Heil mit dem französischen Partner Luko.

          Topmeldungen

          Der Schauspieler Hardy Krüger ist tot.

          In Kalifornien : Schauspieler Hardy Krüger ist gestorben

          Der Schauspieler starb am Mittwoch plötzlich und unerwartet im Alter von 93 Jahren in Kalifornien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Krüger einer der wenigen deutschen Schauspieler, denen eine internationale Karriere gelang.
          Präsident Joe Biden mit Vizepräsidentin Kamala Harris am 11. Januar in Atlanta, Georgia

          Ein Jahr Joe Biden : Nicht Trump sein reicht nicht

          Als Joe Biden vor einem Jahr sein Amt antrat, kündigte er große Reformen an, um die Vereinigten Staaten zu heilen. Aber das Regieren fällt dem amerikanischen Präsidenten schwer.
          Vom Smartphone in die Cloud: Und dann?

          Verwaltung von Bildern : Fotofinish in der Cloud

          Mancher kommt auf mehrere Hundert Gigabyte. Die Bildersammlung wächst und wächst. Alles in der Cloud zu speichern, kann sinnvoll sein. Aber es gibt viele Fragen.