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Edelmetall-Fälschungen : Der Goldbarren-Skandal

Schließlich vertrauten die Sparer den Gold-Leuten ihr Geld an und bekamen irgendwann eine garantierte Summe zurück, sogar noch mit einer Rendite. Das sei im Grunde nichts anderes als ein Einlagengeschäft. „Einlagengeschäfte, wie sie auch Banken betreiben, zeichnen sich dadurch aus, dass es ein unbedingtes Rückzahlversprechen gibt“, sagte eine Bafin-Sprecherin. Die Gold-Vermittler selbst sahen das anders - konnten sich damit aber nicht durchsetzen.

Wie dem auch sei: Der Frankfurter Rechtsanwalt Georg Bernsau wurde von der Aufsicht zum Abwickler dieser ganzen Goldgeschäfte bestellt. Eigentlich sollte er nur dafür sorgen, dass das Gold verkauft wird und jeder Anleger sein Geld zurückerhält. Weil es jetzt aber offenbar viel weniger echtes Gold als Ansprüche von Anlegern gibt, wird das schwierig. Seine Arbeit ist deshalb jetzt in einem Insolvenzverfahren gemündet. Die BWF-Stiftung selbst hatte nämlich, aufgrund einer ungewöhnlichen rechtlichen Konstruktion, gar keine eigene Rechtspersönlichkeit als Stiftung, sondern agierte lediglich als unselbständige Stiftung in der Trägerschaft eines Vereins namens „Bund deutscher Treuhandstiftungen“ mit Sitz in Köln.

Dieser Verein wiederum, mit dem die Anleger die Verträge- rechtlich gesehen- abgeschlossen haben, befindet sich nun im vorläufigen Insolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christian Graf Brockdorff aus Potsdam bestellt, ein Kollege des Stiftungs-Abwicklers Bernsau aus der Sozietät BBL. Das eigentliche Insolvenzverfahren soll voraussichtlich um den 1. Mai herum eröffnet werden.

Verunsicherte Anleger lassen sich leichter betrügen

Was können Anleger nun machen, die betroffen sind? Insolvenzverwalter Graf Brockdorff hat gerade alle ihm bekannten Kunden der BWF-Stiftung angeschrieben, ihnen die Zusammenhänge, soweit bekannt erklärt, und sie um Geduld gebeten. Wenn das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird, sollen sie ihre Ansprüche anmelden. Dann muss untersucht werden, was überhaupt an Vermögen da ist, wie viel Gold echt ist und wem das gehört. Unklar ist auch noch, ob die Goldbarren tatsächlich ein Sondervermögen darstellen, das bei der Insolvenz ausgesondert werden kann, wie es die Stiftung suggeriert hatte. Das alles kann dauern. „Wir können den Anlegern wenig Hoffnung machen, dass sie schnell an ihr Geld kommen“, sagt Rechtsanwalt Bernsau.

Zwei weitere Möglichkeiten für Anleger, an Geld zu kommen, wären denkbar, meint Anlegeranwalt Klaus Nieding: Sie könnten sich an die Vermittler und Versicherungsvertreter halten, die ihnen die Anlagen vermittelt haben. Mussten nicht zumindest diese Profis erkennen, dass die ganze Sache problematisch war? Könnte womöglich deren Versicherung für einen Schaden einspringen?

Denkbar wäre außerdem, die Hintermänner der BWF-Stiftung zu verklagen, sofern diese Zusammenhänge ganz genau aufgeklärt werden und das Geld nicht längst beiseitegeschafft wurde. Die Staatsanwaltschaft in Berlin jedenfalls spricht im Zusammenhang mit ihren Ermittlungen bislang von zehn Beschuldigten, von denen sich allerdings keiner in Untersuchungshaft befinden soll.

Bei der Finanzaufsicht Bafin jedenfalls nimmt man den Fall auch zum Anlass, besonders aufmerksam zu sein, ob es womöglich weitere Fälle wie diesen gibt. Schließlich haben die Niedrigzinsphase und die Sorge über die Zukunft des Euros viele Anleger verunsichert, das erhöht die Gefahr, dass Anleger Opfer unseriöser Anlagevermittler werden. Misstrauisch sollten Sparer auf jeden Fall immer werden, wenn jemand ihnen eine hohe Rendite ohne jedes Risiko verspricht: Das gibt es leider nicht.

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